Auf dem Weg nach Pyeonchang

LEICHTATHLETIK ⋅ An den Schweizer U23-Meisterschaften in Lausanne stellt Sandro Ferrari (22) einmal mehr sein Wurftalent unter Beweis. Sowohl mit der Kugel als auch mit dem Diskus ist er die unangefochtene Nummer eins.
12. September 2017, 07:42

Stefanie Barmet

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Medaillen an Schweizer Meisterschaften sind für Sandro Ferrari keine Neuheit mehr. Am Wochenende gewann der für den TSV Rothenburg startende 22-Jährige die Titel Nummer 16 und 17. «Natürlich ist die Freude anders als noch beim ersten Sieg. Dennoch ist ein SM-Titel immer etwas Spezielles. Wenn alles so klappt, wie man es sich im Vorfeld erhofft hat und man am Ende zuoberst auf dem Podest stehen kann, ist das immer schön. Auch wenn mein Fokus momentan auf dem Bobsport liegt, bereitet mir die Leichtathletik und insbesondere die Wurfdisziplinen nach wie vor viel Spass.»

«Alles hat zusammengepasst»

Dass er in der U23-Kategorie zurzeit das Mass aller Dinge ist, bewies der 22-Jährige an den diesjährigen Nachwuchs-Schweizermeisterschafen einmal mehr auf eindrückliche Art und Weise. Im Kugelstossen gewann er mit 15,83 Metern – nur 13 Zentimeter unter Bestweite – und stiess die Kugel somit mindestens einen Meter weiter als die gesamte Konkurrenz. Noch grösser war sein Vorsprung mit dem Diskus. Mit 48,65 Metern kam er bis auf 35 Zentimeter an seine persönliche Bestleistung heran, welche er anlässlich der Schweizer Meisterschaften im Zürcher Letzigrundstadion aufgestellt hatte, und nahm dem Zweitplatzierten über sechs Meter ab. «Der doppelte Titelgewinn war sicher mein Ziel. Bereits an der Aktiv-SM, wo ich in beiden Disziplinen Silber gewann, zeigte ich stabile Wettkämpfe.» In beiden Disziplinen startete er mit einem gültigen Wurf in den Wettkampf. «Das ist extrem wichtig, um richtig anzukommen. In der Folge kann man den Wettkampf viel ruhiger angehen und in den verbleibenden Würfen voll angreifen.» Im Kugelstossen war der vierte Versuch der beste, im Diskuswerfen der dritte. «Alles hat zusammengepasst. Im Vorfeld habe ich nur wenige Techniktrainings absolviert, und trotzdem konnte ich gute Weiten erzielen. Dementsprechend bin ich mit meinen Leistungen sehr zufrieden.»

Bobprofi bis im März

Sechs- bis siebenmal pro Woche trainiert Sandro Ferrari für sein grosses Ziel: der Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Pyeonchang im Bob von Beat Hefti. Am Montag und Mittwoch absolviert er ein Sprinttraining, am Dienstag und Samstag eine Krafteinheit. Am Donnerstag und Freitag trainiert er jeweils in Andermatt, wo neben zwei Anschiebtrainings eine weitere Einheit im Kraftbereich absolviert wird. «Mich fasziniert die Mischung aus Geschwindigkeit und Kraft, sie kommt mir auch beim Werfen zugute. Hinzu kommen Adrenalin, Geschwindigkeit und Präzision. Zudem gefällt es mir, den Wettkampf im Team zu absolvieren, statt wie in der Leichtathletik auf sich allein gestellt zu sein.» Im August hat er den Bachelor in BWL, den er an der HSG absolviert hat, mit der Abgabe der Bachelorarbeit abgeschlossen. Bis März wird er sich nun auf den Bobsport konzentrieren, ehe er ein Praktikum beginnt und das Masterstudium anhängen möchte. «Ab Oktober finden die internen Selektionswettkämpfe für die Olympischen Spiele statt. Ab November bin ich dann im Weltcup unterwegs.» Um die Qualifikation zu erreichen, sind zwei Top-8-Plätze an den Weltcup-Rennen in Übersee gefordert. «2018 möchte ich erstmals Olympialuft schnuppern. Ich kann mir aber gut vorstellen, bis 2022 weiterzufahren und dann wenn möglich um Medaillen zu kämpfen.»

Hinweis

Resultatauszug auf Seite 34.


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