Auf Marco Odermatts Spuren

SKI ALPIN ⋅ Joel Lütolf feiert mit dem Schweizer U18-Meistertitel in der Kombination einen feinen Erfolg. Inspirieren lässt sich der 17-jährige Sempacher von einem Vorbild, das «fast Unmenschliches» leistet.
06. Februar 2018, 08:31

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Die Bedingungen in Zinal im Kanton Wallis waren herausfordernd, sowohl für die Fahrer als auch für die Organisatoren. Letztere hatten aufgrund des vielen Neuschnees Extraschichten zu leisten, um an den Schweizer Juniorenmeisterschaften in der Kombination kompetitive Bedingungen zu schaffen. Für den Super G gelang dies ansprechend, der anschliessende Slalom allerdings fand bei schwierigen Pistenverhältnissen statt. «Der Schnee war eher weich, man musste darauf bedacht sein, schön in der Spur zu fahren», erzählt Joel Lütolf.

Ihm konnten die widrigen Umstände am Ende nichts anhaben, in der U18-Wertung errang der 17-jährige Sempacher die Goldmedaille. Neben dem zweiten Rang an den inoffiziellen U16-Weltmeisterschaften im Riesenslalom aus dem Jahr 2016 (Trofeo Topolino) und dem ersten Sieg in einem FIS-Rennen von Ende 2017 (Slalom) zählt er diesen Erfolg zu den grössten seiner Karriere. «Ich bin sehr zufrieden und erleichtert.»

Mit Sieg im Swiss-Cup ins C-Kader

Die Kombination in Zinal zählte gleichzeitig auch zur Wettkampfserie des Oerlikon-Swiss-Cups, der jungen Talenten eine Plattform bietet, um sich für ein Swiss-Ski-Kader zu empfehlen. Drei Mal belegte Lütolf den zweiten Rang, ehe er erstmals auf das oberste Podesttreppchen steigen konnte. Nach fünf von zwölf Rennen des Swiss-Cups führt er die Gesamtwertung an. «Stehe ich auch am Ende noch an der Spitze, habe ich die Aufnahme ins C-Kader auf sicher. Das ist in dieser Saison mein grosses Ziel», sagt Lütolf. Dem Sempacher würde dann ein Servicemann zur Verfügung gestellt. Noch immer bearbeitet der junge Mann seine Ski selber auf. Er mache das zwar gerne, doch der Aufwand sei sehr gross. «Ich hätte dann mehr Zeit für die Erholung.»

Auch wenn er aktuell erst in seiner zweiten FIS-Saison steht, hat er bereits klare Vorstellungen, wie weit er noch kommen will. Bereits vor zwei Jahren träumte er im Gespräch mit dieser Zeitung von einer Profikarriere und vom Gewinn des Weltmeistertitels. Bereits wird sein Talent mit jenem von Marco Odermatt verglichen, jenem 20-jährigen Nidwaldner, der gerade eben an den Junioren-Weltmeisterschaften mit vier Goldmedaillen brilliert hat. «Das macht mich natürlich stolz», sagt Lütolf, der mit Alina Odermatt, der Schwester von Marco, in der Begabtenförderung in Hergiswil zur Schule ging. Nächstes Jahr möchte das Mitglied des Skiclubs Bannalp-Wolfenschiessen an den Junioren-Weltmeisterschaften selber für Furore sorgen.

Noch höher schlägt sein Herz, wenn er an die Auftritte seines Vorbilds Marcel Hirscher denkt. Der Österreicher fährt in dieser Saison von Erfolg zur Erfolg, hat insgesamt bereits 55 Weltcupsiege errungen. «Unglaublich, fast unmenschlich» sei es, was Hirscher leiste, findet Lütolf. «Im Skifahren passieren so schnell Fehler, bei ihm sieht aber alles spielerisch leicht aus. Und er ist auf jedem Schnee schnell.»

Manchmal fehlt es Joel Lütolf an der Lockerheit

Er studiere Hirschers Auftritte oft in der Aufzeichnung, um sich in Sachen Skitechnik und Linienwahl etwas abzuschauen, verrät Lütolf, der sich seinem Talent entsprechend auf die technischen Disziplinen Slalom und Riesenslalom konzentriert. Im Weiteren möchte er sich in mentaler Hinsicht verbessern: «Manchmal will ich zu viel, und deshalb kann ich die Trainingsleistungen im Ernstkampf nicht umsetzen. Mir fehlt es dann etwas an Lockerheit.»

Als Nächstes bereitet sich der Engelberger Sportmittelschüler auf die beiden FIS-Slaloms in Tschappina im Kanton Graubünden vom nächsten Wochenende vor. Einer der beiden zählt zum Swiss-Cup, «ich möchte wieder auf das Podest», betont Lütolf. Musste er sich zu Beginn seiner FIS-Karriere noch mit Startnummer 120 auf die löchrige Piste schicken, darf er mittlerweile bereits als 30. oder 40. ins Geschehen eingreifen. Dann also, wenn die Unterlage noch in einem besseren Zustand ist. Bestimmt ein Vorteil, auch wenn Joel Lütolf in Zinal bewiesen hat, dass er mit schwierigen Bedingungen ganz gut umgehen kann.


Leserkommentare

Anzeige: