Andri Struzina und Matthias Fernandez: Auf Umwegen zur Berufung

RUDERN ⋅ Die 20-jährigen Andri Struzina und Matthias Fernandez vom See-Club Zug sind erfolgreich unterwegs. Nach ihrem historischen Erfolg an den Schweizer Meisterschaften streben sie nach internationalen Weihen.
18. Juli 2017, 04:38

Michael Wyss

sport@zugerzeitung.ch

Mit stolzgeschwellter Brust und erhobenem Haupt schreiten Andri Struzina und Matthias Fer­nandez zum Termin mit unserer Zeitung. In Sarnen, wo das Haus des Schweizer Rudersports liegt, erzählen die beiden Ruderer des See-Clubs Zug (SCZ) von ihrem historischen Erfolg. An den Schweizer Meisterschaften am Rotsee holte sich das Duo in der Bootsklasse Doppelzweier sowohl im Leicht- als auch im Schwergewicht den Elite-Titel – als erstes reines Zuger Boot seit 1988! «Goldmedaillen gab es leider nicht, nur Zinnbecher», sagt der Baarer Fernandez grinsend und meint weiter: «Doch lieber werde ich Schweizer Meister und bekomme nur einen Zinnbecher als Dritter zu werden und eine Bronzemedaille mitzunehmen.» Der Steinhauser Struzina doppelt nach: «Die beiden Erfolge am Rotsee sind auch keine Zufallsprodukte. Wir haben uns das mit harter Arbeit verdient. Wir sind sehr glücklich und freuen uns über diese beiden ­Titel.»

Tatsächlich «schufteten» die beiden Studenten (Struzina studiert ab Herbst Bauingenieur an der ETH Zürich, Fernandez studiert gleichenorts Materialwissenschaften) in den letzten Wochen und Monaten hart für diesen Erfolg auf dem Wasser. Während des Sommers sind es wöchentlich bis zu 20 Stunden und im Winter gegen 25 Stunden, welche die beiden im Ruderboot am Trainieren sind, dazu kommen bis zu sechs Wettkämpfe. Vorwiegend trainieren sie auf dem Sarnersee, seltener auch auf dem Zugersee.

Von der Leichtathletik zum Rudern

Der Erfolg der jungen SCZ-Ruderer verblüfft dennoch, denn Struzina – sein Vater rudert ebenso – hat die Freude und die Leidenschaft zum Rudersport erst 2014 entdeckt, Fernandez nur ein Jahr früher. Begonnen haben die beiden mit Leichtathletik bei Hochwacht Zug. Fernandez spielte zwischenzeitlich noch Uni­hockey beim UHC White Indians Inwil-Baar. Er sagt: «Im Leichtathletik-Verein sind wir uns auch erstmals begegnet und haben uns kennen gelernt. Dass wir später den gemeinsamen Weg zum Rudersport fanden, verdanken wir Kollegen, die beim See-Club Zug ruderten und uns dazu motivierten, dem Verein beizutreten.»

Sie bereuen es nicht, diesen Weg gewählt zu haben. «Es musste anscheinend so sein, dass der Weg zum Rudern über die Leichtathletik führte. Wir machten einen Reifeprozess durch. Der Rudersport ist heute mein Leben und mein Mittelpunkt. Es dreht sich alles um diesen faszinierenden Sport», erklärt Stru­zina, der im letzten Winter die ­Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen absolvierte. Eine Aussage, der Fernandez nur beipflichten kann: «Ich lebe auch mit und für diesen Sport. Das Rudern macht mich glücklich. Es ist ein wichtiger Ausgleich zu meinem Studium.»

«Eine wichtige Stütze sind auch die Familien, die uns finanziell und moralisch unterstützen», vergisst Struzina nicht zu erwähnen. Und Fernandez ergänzt: «Auch der See-Club Zug ist ein grosser Eckpfeiler in unserem Leben. Der Verein hat uns viel gegeben, und wir konnten viel profitieren. Mit unseren Erfolgen können wir dem SCZ nun etwas zurückgeben.»

Struzina/Fernandez starten ab morgen an den U23-Weltmeisterschaften in Plovdiv (Bulgarien). Sie sind im Leichtgewichts-Doppelvierer mit Julian Müller (See-Club Luzern) und Pascal Ryser (Ruderclub Thalwil). Struzina sagt zur Ausgangslage: «Ein Podestplatz ist natürlich das Ziel. Eine Medaille muss immer im Fokus stehen. Dafür arbeitest du tagtäglich. Ich bin mir auch bewusst, dass am Tag X alles stimmen muss.» Für Struzina, der mit Julian Müller bereits die Spitzensport-Rekrutenschule besuchte, ist es nicht die erste Teilnahme an der U23-WM. Im letzten Jahr wurde er – mit Vincent Raths, Julian Müller und Pascal Ryser – in Rotterdam im Leichtgewichts-Doppelvierer ohne Steuermann Sechster. Und international war das Duo Struzina/Fernandez im Zweier ohne Steuermann auch schon erfolgreich für den See-Club Zug unterwegs. 2015 wurden sie im ungarischen Szeged beim Coupe de la Jeunesse, einer internationalen Junioren-Ruderregatta, Dritte. Fernandez bezeichnet diesen Erfolg als «ein Highlight in meiner Karriere».

Olympia-Teilnahme in Tokio steht im Fokus

Ein grosses Ziel der beiden Ruderer ist auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020: «Ich nehme ja den ganzen Trainingsaufwand nicht zum Spass auf mich. Ein solcher Anlass ist auch meine tagtägliche treibende Kraft und Motivation. Ich will 2020 nach Tokio», gesteht Andri Struzina. Und Michael Fernandez meint: «Wer seinen Weg beharrlich geht, kann vieles erreichen. Wichtig ist, dass man tagtäglich alles gibt und nie zufrieden ist mit dem Erreichten, sondern immer noch besser werden will, ohne dabei die Freude zu verlieren. Dann ist wirklich alles möglich.»

An Disziplin, Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit fehlt es den beiden Schweizer Meistern jedenfalls nicht. Das sind wichtige Voraussetzungen, um in ruhigen Gewässern zu bleiben und später Kurs Richtung Japan zu nehmen.


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