Burtschers Heimvorteil – auch 17 Jahre danach

TENNIS ⋅ Roland Burtscher gewann zur Jahrtausendwende zwei Schweizer Interclub-Titel mit dem TC Luzern Lido. Heute arbeitet der mittlerweile 48-Jährige mit den besten Junioren des Landes.
12. September 2017, 07:47

«17 Jahr, wie in einem Wimpernschlag.» Nein, das ist keine billige Kopie von Udo Jürgens’ Gassenhauer und auch nicht der Titel einer anderen deutschen Schlagerschnulze. Es ist eher das Gefühl, das Roland Burtscher hat, wenn er jeweils in den TC Luzern Lido zurückkehrt. 2000 war er Teil des Interclub-Meisterteams von Freddy Blatter, 2001 noch einmal, die beiden Jahre zuvor hatte der Final Endstation bedeutet. «Es waren wunderbare vier Jahre, ich erinnere mich heute noch gerne zurück.»

Nicht nur er: Wenn er heute über die wunderschöne Anlage am Ufer des Vierwaldstättersees geht, erinnert das an ein Stop and Go im Strassenverkehr. Hier ein Hallo, dort ein Schwatz, da eine Anekdote, überall wird er erkannt. Verständlich, war er doch auch lange anerkannter Chefcoach im TC Lido, ehe er von Swiss Tennis abgeworben wurde.

Für den Landesverband war er auch vergangene Woche in Luzern bei der 12. ITF Luzern U18 Competition, als Nationaltrainer der U18-Boys. Es ist quasi sein Heimturnier, Burtscher wohnt immer noch einen Steinwurf von der Anlage entfernt. Er kümmerte sich um Maurus Malgiaritta, der mit dem Halbfinaleinzug ebenso wie Dominic Stephan Stricker für die Schweizer Bestmarke sorgte. Vor seiner jetzigen Tätigkeit war Burtscher sechs Jahre lang Headcoach. «Ich wollte wieder mehr auf dem Platz sein», begründet Burtscher an diesem Sonntagvormittag, «so habe ich mehr mit den Athleten direkt zu tun.»

Talente fördern und fordern

In einer Phase, die für alle seine Schützlinge entscheidend ist. In diesen Jahren trennt sich die Spreu endgültig vom Weizen, wird klar, wer eine Chance haben wird, sein Auskommen mit diesem so wunderschönen wie gnadenlosen Sport zu verdienen. Und wer nicht. Oder wie Burtscher zusammenfasst: «Jetzt kommt dann der Exploit oder eben nicht.»

Für ihn, seine Trainerkollegen und den Rest des Swiss-Tennis-Staffs geht es darum, die Junghoffnungen zu fördern und fordern. Natürlich können sie aus einem Granitblock aber auch keinen Diamanten schleifen. Die Voraussetzungen müssen stimmen, physisch, technisch und immer mehr auch taktisch, ansonsten hat der Athlet ohnehin keine Chance. Für Burtscher ist aber etwas anderes wichtiger: «Der zentralste Punkt ist die Einstellung.»

Wie in allen Bereichen des Lebens ist diese mitentscheidend für Erfolg oder Misserfolg.

«Wir haben grossen Aufholbedarf»

Speziell auch bei dieser Schweizer Altersgruppe, die derzeit im Schatten der noch Jüngeren um Jérôme Kym, Yarin Aebi oder Leandro Riedi steht. Namen wie Damien Wenger, Aaron Schmid, Henry Von der Schulenburg, Luca Stäheli, Yannik Steinegger oder Mischa Lanz haben national zwar einen gewissen Klang, der Weg zur weltweiten Spitze ist aber lang. Burtscher umreisst die Ausgangslage so: «Es ist bestimmt nicht unser bester Jahrgang. Ich glaube aber an die Jungs und Überraschungen sind möglich. Wir müssen uns aber nichts vormachen, wir haben grossen Aufholbedarf.»

Wer Burtscher kennt, weiss: Er wird akribisch arbeiten, um diesen zu verringern, auf dem Court, bei der Videoanalyse oder im Gespräch. Langweilig wird ihm nicht, schliesslich ist er auch noch Assistenztrainer im Fed-Cup-Team, das zuletzt den Final zweimal knapp und unglücklich verpasste: 2016 in der unvergesslichen Partie gegen Tschechien in Luzern und 2017 in Minsk gegen Weissrussland. Für Burtscher ist die Zeit mit Martina Hingis, Timea Bacsinszky und Co. mehr als nur willkommene Abwechslung «Das sind jeweils tolle Wochen. Wir haben ein super Team und natürlich wäre es am Schönsten, wenn dieses zusammenbleibt.

 

Marco Keller

regionalsport@luzernerzeitung

ITF Luzern Competition

Boys (48 Junioren/10 Nationen). 1. Runde: Noah Lopez (R1, Ballwil/Wild Card) s. Jan Sebesta (R2, Bottmingen/Lucky Loser) 6:0, 6:1. – 2. Runde: Lopez u. Rudi Christiansen (ITF 1163, GER/11) 4:6, 2:6. – Viertelfinals: Peter Sallay (1005, HUN/5) s. Jonas Schär (672/N3.67, Oftringen/1) 7:5, 7:6. Dominic Stricker (1152/N4.126, Grosshöchstetten/8) s. Benedikt Emesz (1004, AUT/4) 6:4, 7:6. Moritz Hoffmann (GER/Qualifikant) s. Raul Teichmann (1292/N4.116, Biel/11) 6:4, 3:6, 6:2. Maurus Malgiaritta (1810/R1, Müstair) s. Sami Ben Abdennibi (1392/N4.134, Lausanne/10) 6:2, 6:1. – Halbfinals: Sallay s. Stricker 6:3, 6:4. Hoffmann s. Malgiaritta 6:1, 6:3. – Final: Hoffmann s. Sallay 6:3, 3:6, 6:0. – Doppel, Final: Kym/Stricker (SUI) s. Perricard/Sadaoui (FRA) 6:2, 6:2.

Girls (48 Juniorinnen/11 Nationen). 1. Runde: Kiara Cvetkovic (R1, Geuensee) s. Sarah Medik (AUT/Quaifikantin) 6:0, 6:2. Sara Radojevic (R2, Zug) s. Aykine Samardzic (CRO/Wild Card) 6:0, 6:3. – 2. Runde: Tina Nadine Smith (ITF 712/N4.70, AUS, Meggen/6) s. Julie Schalch (N4.65, Saint-Blaise) 6:4, 6:1. Cvetkovic u. Katerina Tsygourova (839/N4.47, Monte Carasso) 3:6, 2:6. Radojevic u. Valentina Ryser (537/N3.41, Thun/2) 0:6, 1:6. – 3. Runde: Smith s. Melody Hefti (958/N4.62, St. Gallen/9) 6:1, 6:3. – Viertelfinals: Tsygourova s. Annabel Schön (R1, Zollikon ZH) 6:3, 6:1. Nina Geissler (ITF 552/N3.42, Rheineck/4) s. Lea Magun (1065/N4.57, Frauenfeld TH/11) 6:4, 6:2. Guillermina Grant (1000, URU/10) s. Chelsea Fontenel (R1,Wettingen/Wild Card) 6:4, 6:1. Ryser s. Smith 6:3, 6:0. – Halbfinals: Geissler s. Tsygourova 2:6, 7:5, 6:3. Ryser s. Grant 6:3, 6:2. – Final: Geissler s. Ryser 7:5, 6:3. – Doppel, Final: Geissler/Magun (SUI) s. Ryser/VasilYuk (FRA/USA) 6:2, 6:3.


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