Christian Stucki und der fragwürdige Gag

UNIHOCKEY ⋅ Der Schwingstar soll morgen für Zug United im Rahmen eines NLA-Matches zum Einsatz kommen. Tun die Zuger der Sportart damit einen Gefallen?
02. Dezember 2017, 09:58

An Wasserverdrängung wird es Zug United morgen im Vergleich mit Malans nicht mangeln. Da­-für sorgt der Spieler mit der Nummer 99 ganz allein: Christian Stucki (Bild). Der Unspunnensieger vom vergangenen August ist vom NLA-Aufsteiger lizenziert worden und figuriert für diese Partie im Kader.

Es handelt sich natürlich um einen PR-Gag. Der Zug-United-Präsident Patrick Trachsel ist mit seiner Firma Sponsor des 32-jährigen Hünen und hat diesen Transfer eingefädelt. Er hat unlängst erklärt, dass Stucki nur während der ersten Minute zum Einsatz kommen werde. Vermutlich wird er nur ein paar Sekunden auf dem Feld stehen und von den Bündnern nicht angegangen werden.

Dennoch fragt sich, wie weit Marketing gehen darf. Durch ­diese Aktion soll in Zug mehr Rampenlicht auf das Unihockey fallen. Der umtriebige Patrick Trachsel hat sich vorgenommen, ihm zu mehr Anerkennung als Leistungssport zu verhelfen. Das ist schwierig im Schatten des EVZ, der das Zuschauer- und Sponsoreninteresse dominiert. Zug United weist gegenwärtig ­offiziell einen Zuschauerschnitt von 228 auf. Prominente wie Stucki sollen dabei helfen, das zu ändern. Ob man der Sportart aber einen Gefallen tut, wenn man im Rahmen eines offiziellen Spiels ihre Ernsthaftigkeit untergräbt? Man stelle sich nur vor, Stan Wawrinka würde beim Anstoss zu einem Super-League-Spiel für Lausanne auf dem Feld stehen.

Anfrage an den Verband

Aus dem Kreis der Zuger Mannschaft sind nur hinter vorgehaltener Hand kritische Stimmen zu vernehmen. Der Cheftrainer Sascha Rhyner, der aktuell mit Tschechiens Frauennationalteam an der WM weilt und deshalb ­morgen fehlen wird, sagt diplomatisch: «Mit der Abmachung, was Stuckis Einsatz anbelangt, ist der Ablenkungsgrad für das Team erträglich.» Zugs Gegner Malans hat nicht auf eine Anfrage unserer Zeitung reagiert. Der Verband Swiss Unihockey schreibt, auf die Marketingaktion angesprochen, nur: «Aus unserer Sicht soll der Leistungssport und dessen Seriosität jederzeit im Vordergrund ­stehen. Sofern dies gewährleistet ist, haben wir nichts gegen PR-Aktionen einzuwenden.» Bis gestern Mittag hat Swiss Unihockey üb­rigens noch keine 85 Franken ­kostende Lizenz für Stucki aus­gestellt. Der United-Präsident Trachsel hält auf Anfrage fest, dass der Schwinger spielen wird.

Christian Stucki selbst hat sich keine Gedanken gemacht, was seinen Einsatz für das Unihockey bedeutet. Er erwartet, «das Anspiel zu machen, dann schauen wir weiter. Es ist ein Gag und ich bin offen dafür.» Den Bezug zum Unihockey hat er über den Schulsport und über das Spielen mit seinen zwei kleinen Söhnen. «Den Stock kann ich gerade noch richtig halten», sagt er lachend. Aus sportlicher Sicht dürfte dieser Transfer der Zuger nicht in Erinnerung bleiben. Doch er wird wohl einen Rekord hinterlassen. Christian Stucki dürfte der schwerste NLA-Unihockey-Spieler aller Zeiten sein. Allerdings hat er vor kurzem etwas Wasserverdrängung eingebüsst: Er hatte in den Ferien das Denguefieber aufgelesen. Nach eigenen Angaben bringt er aber wieder «mindestens 135 Kilo» auf die Waage.

 

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Hinweis

Die Partie Zug United – Malans beginnt morgen um 17.15 Uhr in der Sporthalle. Christian Stucki schreibt ab 16.15 Uhr Autogramme.


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