Hünenberger Tanzduo möchte erneut Schweizer Meister werden

TURNEN ⋅ Am kommenden Wochenende wollen Marisa Gnos und Oliver Müller vom TV Hünenberg in der Kategorie «Sie & Er» ihren Schweizer-Meister-Titel erfolgreich verteidigen. Wie das gelingen kann und was sie an der Sportart so fasziniert.
14. November 2017, 15:17

Pascal Studer

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Marisa Gnos streichelt Oliver Müller lächelnd über seine ­muskulösen Schultern. «Man ist schon etwas nervös. Gerade weil wir letztes Jahr den Titel geholt haben, ist der Druck natürlich spürbar», sagt der Mathematiklehrer aus Hünenberg – der sichtlich angespanntere Teil des Turnpaars. Ein Jahr ist es mittlerweile her, als die beiden in Sion ihren ersten Schweizer-Meister-Titel in der Kategorie Sie & Er erturnten. Es war das bisherige Highlight ihrer Turnerkarriere, ein Tag, an dem einfach alles gepasst hat.

Nun wollen die beiden 27-Jährigen den Titel am kommenden Wochenende in Luzern verteidigen. 29 Turnpaare kämpfen um die Krone. Es muss wiederum ­alles stimmen. «Wir brauchen ­einen optimalen Tag», bestätigt Marisa Gnos aus Unterägeri, die im Sponsoring bei einem Sportartikelhändler arbeitet.

Nuancen entscheiden über Erfolg

Sprechen Marisa Gnos und Oliver Müller über ihre Passion Geräteturnen, ist die Harmonie zwischen den beiden unverkennbar. Fast schon klischeehaft beenden sie manchmal sogar die Sätze ihres Pendants. «Harmonie ist auf jeden Fall wichtig in unserer Kategorie», bestätigt Gnos. Die Kategorie Sie & Er ist in drei Teilen aufgeteilt, zwei davon – die Bodenübung und die Schaukelringe – turnen Gnos und Müller simultan. «Am Boden haben wir ein Programm zu Musik einstudiert, das wir gemeinsam ausführen. An den Ringen turnen wir synchron», erklärt Müller den Wettkampf.

Bei der dritten Übung, die entweder Reck oder Barren beinhaltet, sind die zwei jedoch auf sich allein gestellt. Es sind also nur drei Noten, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden – und besonders die Übung an den Ringen ist ein Tanz auf Messers Schneide. «Gelingt an den Ringen ein Element nicht, leiden alle Folgeelemente. Wenn der Pendel schwingt, dann schwingt er», bringt es Gnos auf den Punkt. So können unbarmherzige physikalische Umstände schon mal dafür sorgen, dass der Sprung auf das Podest misslingt.

Das begehrte Podest, so nah und doch so fern zu erleben, kennen Marisa Gnos und Oliver Müller bestens. Vor ihrem Exploit nach ganz oben in Sion belegten sie nämlich an den Schweizer Meisterschaften in Oberbüren SG den vierten Platz. «Das war nicht so toll, aber auch nicht so schlimm», relativiert Gnos, denn mit so guten Resultaten hätten sie ohnehin nicht gerechnet. Besonders deshalb, weil die Konkurrenz jeweils stark und unberechenbar sei. Auch gibt es wenige Vorbereitungswettkämpfe. Den letzten, den Gnos und Müller bestritten, liegt bereits ein halbes Jahr zurück. Im letzten Mai siegte das Duo in der Kategorie «Geräteturnen zu zweit» am Getu-Cup in Steinhausen, unter anderem dank einer starken Leistung an den heiklen Schaukelringen. «An diesem Wettkampf war aber nur ein anderes Paar dabei, das auch an den Schweizer Meisterschaften mitmacht», sagt Müller. Das Resultat war sowieso eher zweit­ranging, denn der Cup war «daheim». Marisa Gnos lacht und fügt hinzu: «Zu Hause turnt man immer gerne.»

Allein turnen, allein fallen

Marisa Gnos und Oliver Müller nur auf den Erfolg zu zweit zu reduzieren, wäre jedoch vermessen. An den Abenden, an denen sie in der Turnhalle an Körperspannung, Beweglichkeit und Kraft feilen, turnen sie auch allein oder leiten Trainingseinheiten. Aus der Perspektive als Trainerin der Kategorie 3 – also Kinder von 10 bis 13 Jahren – kann Gnos auch am besten erklären, was das Geräteturnen so faszinierend macht: «Es ist eine Lebensschule. Man lernt schon in jungen Jahren, Übungen allein zu turnen.» Das heisst: ­allein hinzustehen, allein fertigzuturnen – und manchmal auch allein zu fallen, um wieder selber aufzustehen. «Diese Lebensschule findet man natürlich auch in ­anderen Sportarten», sagt Gnos, «aber in wenigen so ausgeprägt wie im Geräteturnen.» Ausserdem rüste dich das Turnen wunderbar für andere Sportarten – immerhin brauche man den ganzen Körper. «Es gibt viele Geräte­turner, die die Sportart wechseln und darin äusserst erfolgreich sind», erklärt Müller, der beim TV Hünenberg Trainings in der Gerätekombination leitet.

Gefallen sind Marisa Gnos und Oliver Müller sportlich noch nie. Bisher waren sie jeweils sehr zufrieden mit den Resultaten. «Wir sind auch nicht so verbissen. Geräteturnen ist – anders als etwa Kunstturnen, das dem Spitzensport zuzuordnen ist – für uns immer noch ein Hobby.» Ob die beiden bei dessen Ausübung weiterhin brillieren, wird sich am kommenden Wochenende in ­Luzern zeigen.


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