Eine kurze Schweizer Premiere im Dartsport

STEELDARTS ⋅ Erstmals durfte ein Schweizer Team am World Cup of Darts des Verbandes PDC teilnehmen. Trotz Erstrunden-Aus nahm der Krienser Patrick Rey schöne Erinnerungen mit nach Hause.
20. Juni 2017, 04:39

Am Pfingstwochenende fand der World Cup of Darts statt. Gewonnen hat wenig überraschend das Niederländer Duo Michael van Gerwen/Raymond van Barneveld. Im Schatten der Sieger fand sich ein Duo, das sich bereits in der ersten Runde verabschieden musste. Die Schweizer mit dem Thurgauer Philipp Ruckstuhl und Patrick Rey verloren ihre Partie gegen Brasilien knapp mit 4:5 Sätzen. Live übertragen wurde diese Partie auf Sport 1: Erstmals war ein Schweizer Duo am Free-TV zu sehen. Auch die Teilnahme an diesem PDC-Turnier (Professional Darts Corporation) war eine Premiere. Eine unverhoffte: Lettland musste im Vorfeld die Segel streichen, weil ein Spieler ausgerechnet seinen Heiratstermin an Pfingsten angesetzt hatte.

So hatte die PDC zu entscheiden, ob von der Warteliste Kroatien oder die Schweiz antreten durfte, und entschied sich für die «Pfeilgenossen». «Die Vorbereitungszeit von rund drei Wochen war extrem kurz. Philipp und ich hatten aber Glück, dass wir zu dieser Zeit Ferien hatten. So konnten wir intensiv trainieren», erzählt Rey.

Stolz auf das Geleistete

Sven Gut von Swiss Darts Management, und Thomas Gerock, der Schweizer Coach der Nationalmannschaft, hielten während dieser Zeit den Rücken der beiden Spieler frei. Das Duo opferte ebenfalls seine Freizeit und nahm das Organisatorische auf sich. Rey: «Wir wurden wirklich verwöhnt. Die beiden haben uns alles Erdenkliche abgenommen.» Normalerweise werden nur Profis so betreut, bekanntlich gibt es in der Schweiz keine. Das Schweizer Amateurduo bewegte sich in Frankfurt in der Profiszene, «das war schon eindrücklich», so Rey. Das Einlaufen in der Halle wird mit einem sogenannten «Walk on» inszeniert: mit lauter Musik und Abklatschen der Fans. «Einmalig, da kriegst du mit, was in der Halle los ist.» Aber nur kurz: «Sobald ich auf der Bühne war, gab es nur eins: die Dartscheibe. Du darfst dich auf keinen Fall ablenken lassen.» Einfacher gesagt als getan: Während Patrick Rey in den ersten drei Aufnahmen (je drei Pfeile) 100, 100 und 96 von möglichen 180 Punkten realisierte, warf Ruckstuhl mit seinen ersten drei Pfeilen bloss 28 Punkte und haderte in der Folge mit sich.

Trotz 0:2-Satzrückstand gaben sich die beiden Schweizer nicht geschlagen, holten auf 2:2 und später auf 4:4 auf. Alle vier Sätze brachte der 48-jährige Krienser nach Hause. «Nach dem 0:2 sagten wir uns: Mit einem 0:5 wollen wir auf gar keinen Fall nach Hause gehen. Wir zeigten Kampfgeist. Schliesslich wussten wir, wozu wir fähig sind.» Es reichte schliesslich nicht. «Dennoch habe ich noch auf der Bühne realisiert, was wir geleistet haben. Wir sind stolz, diese Gelegenheit erhalten zu haben.»

Da sich die Schweizer nicht schlecht verkauft haben, besteht die Chance, dass ihnen die PDC nächstes Jahr eine weitere Startgelegenheit geben könnte. Rey nahm 1500 englische Pfund Preisgeld mit nach Hause. Damit waren die Kosten dieses WM-Abenteuers mehr als gedeckt. Noch wertvoller sind aber die Erfahrungen, in einer lauten Halle und vor Fernsehkameras gespielt zu haben.

 

René Barmettler

rene.barmettler@luzernerzeitung.ch


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