Cyril Oehen lässt auch mal die Fäuste sprechen

EISHOCKEY ⋅ Cyril Oehen (19) will sich bei der EVZ Academy für einen neuen Vertrag empfehlen. Der Hochdorfer hofft darüber hinaus, in den nächsten Tagen ein freudiges Aufgebot zu erhalten.
05. Dezember 2017, 09:55

Michael Wyss

sport@zugerzeitung.ch

«Es kommt vor, dass ich auf dem Eis in eine Schlägerei verwickelt bin und die Fäuste fliegen. Ich bin halt eine Person, die auf dem Eis für Gerechtigkeit kämpft.» Den Beweis dafür hat der EVZ-Academy-Stürmer Cyril Oehen (19) vor einer Woche im Spiel gegen La-Chaux-de-Fonds angetreten. Die EVZ Academy lagt 1:4 in Rücklage. Da kassierte Oehen in der 54. Minute eine Zwei-Minuten-Strafe wegen Behinderung am Torhüter und lieferte sich anschliessend eine Schlägerei mit einem Westschweizer. Dafür kassierte der Luzerner Seetaler nochmals eine Zwei-Minuten-Strafe.

Das Positive daran: Die Zuger wendeten ab diesem Zeitpunkt die Begegnung und schafften einen nie mehr für möglich gehaltenen 6:4-Erfolg. «Vielleicht war das genau der Weckruf für uns Spieler. Manchmal benötigt es nicht viel, damit das Team wieder ins Spiel zurückkehrt», erklärt Oehen. Am vergangenen Wochenende gab es für die ­Academy je einen Sieg und eine Niederlage.

Aufgewachsen ist Oehen in Hochdorf. «Die Freude zum Eishockeysport entdeckte ich beim HC Seetal. Durch meinen um drei Jahre älteren Bruder Simon fand ich den Weg zum Hockey. Er selber spielte schon im Nachwuchs und motivierte mich dafür.» Heute sei er ihm dafür dankbar. «Eishockey ist mein Leben und meine ganz grosse Leidenschaft. Ich könnte mir keine spannendere Sportart vorstellen.»

Im letzten Lehrjahr

Lob erfahren aber auch Oehens Eltern. «Sie haben mich zu Anfangszeiten immer chauffiert, ins Training gebracht und wieder abgeholt oder zu Turnieren gefahren. Sie haben eine Menge ihrer Freizeit geopfert.» Und heute sind die Oehens treue Matchbesucher der Academy in Zug, aber auch in der Fremde. «Sie reisen an jedes Spiel, das ist natürlich super und freut mich besonders.» Auch den Verantwortlichen seines Lehrbetriebs in Rotkreuz, der Xelog AG, wo er die kaufmännische Ausbildung im letzten Lehrjahr absolviert, ist Oehen dankbar: «Sie unterstützen mich auf dem Weg nach oben.»

Im Moskito-Alter wechselte er in die Nachwuchsorganisation des EV Zug. «Ich hatte auch ein Angebot vom HC Luzern erhalten. Doch beim EV Zug waren die Strukturen mit den Profitrainern professioneller und die Zukunftsperspektiven sicher besser für mich.» Beim EVZ erlebte der 19-Jährige, der bisher in sämt­lichen Schweizer Nachwuchs-­Nationalmannschaften spielte, auch seine schönsten Erfolge: den zweiten und dritten Platz mit den Elite-A-Junioren.

Unvergesslich bleibt auch sein erstes Spiel in der Swiss League: am 20. Dezember 2016 gegen Olten. «Da war ich schon nervös, gleichzeitig aber auch stolz», gesteht der Stürmer. «Viel geschlafen habe ich in der Nacht vor dem Spiel nicht», lacht Oehen und sagt: «Es war ein Erlebnis, auch wenn wir mit 2:3 nach Verlängerung verloren hatten.» Seit der laufenden Saison figuriert der 1,87 Meter grosse und 87 Kilogramm schwere Akteur fix im Kader des Academy-Teams. Sein Ziel ist klar auf Klubebene: eines Tages den Sprung in die National League zu schaffen. Sein Vertrag läuft noch bis zum Ende der Spielzeit. Welche Ziele verfolgt Oehen darüber hinaus? «Ich will Ende Jahr mit der U20 an die Weltmeisterschaft nach Buffalo reisen.» Die U18-WM im Frühling 2016 fand ohne den Hochdorfer statt. «Ich musste verletzungsbedingt passen, weil ich eine Verletzung am Schultergelenk hatte. Das schmerzte doppelt. Für einen Spieler meines Alters gibt es keine bessere Plattform, als an der Junioren-WM teilzunehmen.»

Vorbild ist Niederreiter

Oehens ganz grosses Vorbild spielt in der besten Liga der Welt, in der National Hockey League (NHL) bei den Minnesota Wild. Die Rede ist vom 25-jährigen Churer Nino Niederreiter. Natürlich ist die NHL auch ­Oehens Traum: «Mit einem Auge schielst du natürlich immer über den Teich, das ist klar. Doch ich nehme Schritt für Schritt und stecke mir verschiedene Etappenziele auf dem Weg nach oben.» Zunächst gilt es, mit der EVZ Academy die Playoffs zu schaffen.


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