Nikolaos Kotsidis ist Feuer und Flamme für Wasser

WASSERBALL ⋅ Im Leben von Nikolaos Kotsidis dreht sich vieles um das Nass. Dem 33-jährigen Spielertrainer von Frosch Ägeri ist die Affinität dazu gewissermassen in die Wiege gelegt worden.
17. April 2018, 09:17

Michael Wyss

sport@zugerzeitung.ch

«Eines Tages, da werde ich den ganz grossen Fisch an Land ziehen. Ich bin davon überzeugt, denn ich habe es ja geträumt. Träume werden wahr – oder?», fragt Nikolaos Kotsidis beim Treffen mit unserer Zeitung rhetorisch. Der Automechaniker ist mit dem Rennvelo zum Interviewtermin in Unterägeri angebraust. Der 33-jährige Kotsidis sagt schmunzelnd: «Wie es sich für einen Sportler gehört. Ich muss fit bleiben, denn ich bin nicht mehr der Jüngste.» Zurück zum Fischen: Kotsidis war 25 Jahre alt, als er besagten Traum hatte. «Seither fische ich. Durch dieses Erlebnis entdeckte ich ein neues Hobby.»

Eine weitere Leidenschaft, die der zweifache Familienvater – Tochter Zoi ist 18 Monate alt, Sohn Angelos 3 Monate – ausübt, ist Wasserball. «Es ist äusserst vielseitig und erfordert Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Darüber hinaus verlangt dieser Sport viel Disziplin und Teamgeist», benennt Kotsidis die Vorzüge. Bei Frosch Ägeri spielt er im NLB-Team und bekleidet in der aktuellen Spielzeit das Amt des Spielertrainers. Dieses hatte er schon in der 1.-Liga-Saison 2015/16 inne. Der Automechaniker spielt noch nicht ­lange für den Traditionsklub. Kotsidis kam mit seiner Frau nämlich erst im September 2015 in die Schweiz, nach Oberägeri. Aufgewachsen ist er in Ungarns Hauptstadt Budapest. «Wir suchten eine neue Herausforderung, wollten ins Ausland und unsere Zukunft in der Schweiz planen. Fündig wurden wir im wunderschönen Ägerital mit dem See. Es gefällt uns sehr gut und wir fühlen uns heimisch.»

Was hat es eigentlich mit seinem Namen auf sich? Nikolaos Kotsidis tönt doch typisch griechisch und nicht ungarisch. Der Wasserballer erklärt: «Ja, das stimmt. Meine Mutter ist zwar Ungarin, aber ich habe auch ­Wurzeln in Griechenland. Mein Grossvater väterlicherseits stammt vom Norden des Landes. Daher rührt der Ursprung meines Namens.»

Während 15 Jahren Profi in zwei Ländern

Wäre Kotsidis in Griechenland geboren, wäre aus ihm vielleicht ein Fussballer oder Basketballer geworden. Doch in Ungarn, wo der Familienvater geboren ist und die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat, ist Wassersport die Nummer eins. «Ungarn gehört seit Jahrzehnten weltweit zu den besten Wassernationen. Wasserball und Schwimmen sind in den Schulen das Gesprächsthema. Man wird schon in jungen Jahren damit konfrontiert. So fand ich den Weg zum Wasserball.» Nach seiner Nachwuchszeit in Budapest und diversen Welt- und Europameisterschaftsteilnahmen mit den Junioren-­Nationalteams Ungarns und Griechenlands folgten eine professionelle Trainerausbildung und ein Studium in Engineering Management. Das sportliche Highlight waren 15 Jahre als Wasserballprofi in Ungarn und Griechenland «bei den besten Clubs», sagt Kotsidis. «Ich verdiente damit meinen Lebensunterhalt. Es war eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte, eine Lebensschule.» Heute schwimmt Kotsidis in ruhigen Gewässern und braucht das Rampenlicht nicht mehr. «Ich habe vieles erlebt, gesehen und auch unzählige Erfolge national und international gefeiert. Das gehört definitiv der Vergangenheit an. Und das ist gut so.»

Nachwuchsgewinnung ist eine Herausforderung

Im SC Frosch Ägeri fühlt sich der Automechaniker glücklich. «Der Verein ist sehr familiär geführt und professionell strukturiert. Die Verantwortlichen haben sich auch um mich bemüht, bei der Jobsuche und beim Deutschkurs. Nun kann ich dem Verein mit meiner Erfahrung etwas zurückgeben.» Wie steht es um die Konkurrenz anderer Sportarten im Kanton Zug? «Wir bemerken natürlich gerade in der Stadt Zug beliebte Sportarten wie Eishockey, Fussball oder Handball. Das sind Mitbewerber, die um den Nachwuchs buhlen. Wir haben keinen einfachen Stand, denn wir betreiben eine Randsportart.»

Zurück zum Fischen: An welchen Gewässern trifft man Kotsidis beim Angeln? «Vorderhand in EU-Ländern, wo ich ein Patent besitze, während meiner Ferienzeit. Für die Schweiz werde ich demnächst ein Patent erwerben.» Ins Auge gefasst hat er einen naheliegenden See – allerdings nicht den Ägerisee: «Der Lauerzersee würde mir gefallen. Dort hat es viele Fischarten.» Vielleicht schwimmt ja dort sein «Traumfisch». Kotsidis ist übrigens – wie könnte es anders sein – im Sternzeichen Fische geboren.


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