Heimspiel für drei Grosswanger

RINGEN ⋅ Heute Abend (19.00) steigt in Grosswangen der erste Finalkampf in der Teammeisterschaft zwischen den Willisau Lions und dem Titelverteidiger Kriessern. Das Brüderpaar Andreas und Stefan Reichmuth hat sich einiges vorgenommen.
02. Dezember 2017, 10:08

Simon Gerber

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Es ist Dienstagabend. Vier Tage vor dem ersten Finalkampf gegen den Titelverteidiger Kriessern ist in der heimeligen Stube der bekannten Ringerfamilie Reichmuth in Grosswangen noch wenig von Nervosität zu spüren. ­Stefan kehrt gerade von einer Sponsorenveranstaltung ins Elternhaus zurück, wo er noch immer wohnt. Andreas hat einen arbeitsreichen Tag als Schreiner hinter sich. Hier der Profisportler – da der Amateur mit einem Hundert-Prozent-Pensum. Es liegt auf der Hand, wer sportlich erfolgreicher ist. Bei «Stifi» dreht sich alles um das Ringen. Nach dem erfolgreichen Lehrabschluss als Zweiradmechaniker hat der 23-Jährige das Arbeitspensum bei seinem Lehrbetrieb kontinuierlich reduziert.

Derzeit setzt der 18-fache Schweizer Meister voll auf den Sport. In diesem Jahr war das Muskelpaket bereits 200 Tage an Wettkämpfen und in Trainings im Ausland unterwegs. Erst am vergangenen Montag kehrte Stefan Reichmuth nach einer starken Leistung von den U23-Weltmeisterschaften aus Polen zurück. Den ersten Kampf gewann der Luzerner gegen den EM-Zweiten Toth aus Ungarn deutlich. Der zweite ging gegen den späteren Bronzemedaillengewinner aus Georgien ganz knapp mit 3:2 verloren.

Dieselben Athleten wie beim letzten Meistertitel

«Ich bin momentan physisch in einer sehr guten Verfassung und habe mich technisch wie taktisch stark verbessert», freut sich Stefan Reichmuth. In der bisherigen Laubahn zählen die beiden fünften Plätze 2016 und 2017 an den Europameisterschaften der U23 zu seinen Highlights. Sein grosser Traum ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Dank der Unterstützung von Sponsoren, seines Vereins Willisau Lions und der Familie kommt Stefan Reichmuth finanziell über die Runden.

Diesbezüglich muss sich sein Bruder Andreas keine Sorgen machen. Als gelernter Schreiner hat der 27-Jährige ein gesichertes Einkommen und betreibt das Ringen mit viel Leidenschaft, aber für ihn ist es ein Hobby. Auf den ersten Schweizer-Meister-­Titel in der Elite wartet Andreas Reichmuth nach vier zweiten Plätzen bislang vergebens. Danach könnte er dann eigentlich zurücktreten, schmunzelt der Hobby-Skifahrer. Die stets gut gelaunten und kommunikativen Brüder ergänzen sich bestens, trainieren oft gemeinsam, unternehmen viel in der Freizeit. «An den nationalen Wettkämpfen treiben wir uns gegenseitig an. Es herrscht kein Konkurrenzkampf, weil jeder in einer anderen Gewichtsklasse antritt. Ich gönne Stefan die Erfolge, investiert er doch sehr viel. Wir sind sehr ehrgeizig, und keiner verliert gern», betont Andreas Reichmuth.

Beide freuen sich extrem auf den heutigen Samstagabend. Er ist für sie der Inbegriff eines Heimspiels. Andreas wohnt zusammen mit seiner Freundin nur einige Meter, Stefan rund einen Kilometer von der Kalofenhalle entfernt. Beide haben dort beim Turnverein Grosswangen die ersten Sporen abverdient und kehren sozusagen für einen Abend lang zu ihren Wurzeln zurück. «Der Finalkampf zwischen Willisau und Kriessern ist in unserem Dorf schon seit längerem ein grosses Thema. Wir werden oft darauf angesprochen», erklärt Andreas Reichmuth. Klar, dass beide Aushängeschilder von Rekordmeister Willisau alles daran setzen werden, diesen zusammen mit einem starken Team zu gewinnen. «Wir treten mit den gleichen Athleten wie bei unserem letzten Titel­gewinn 2015 an. Alle Ringer sind zwei Jahre älter und routinierter geworden», erklärt Stefan Reichmuth. Auch die konditionellen und physischen Vorteile würden für die Luzerner Hinterländer sprechen. Nicht nur Stefan und Andreas wollen auf der Matte ihren Beitrag für einen erfolgreichen Abend leisten. Die ganze Familie steht unterstützend bereit. Vater Erich, früher ein bekannter Sägemehlringer, packt beim Aufbau der Infrastruktur an, Mutter Luzia hilft in der Festwirtschaft, und die Schwester Luzia steht in der Bar im Einsatz.

Hinweis

Teammeisterschaft. Männer, NLA. Playoff-Final (best of 3). 1. Runde. Heute: Willisau – Kriessern (19.00, Kalofen, Grosswangen).

NLA, Hinkampf um Rang 3. Sonntag: Einsiedeln – Freiamt (14.00, Brüel). – Auf-/Abstiegs-Playoff NLB/NLA. Rückkampf (best of 2). Sonntag: Brunnen (NLB) – Hergiswil (NLA) (15.00, Sporthalle).


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