Marcel Hug: «Ich bin weiterhin angespannt»

BEHINDERTENSPORT ⋅ Der gebürtige Thurgauer Marcel Hug (31) tritt ab morgen an seinem Wohnort Nottwil an den Parathletics an. Der Paralympics-Sieger von Rio hat eben erst einen Weltrekord aufgestellt.
01. Juni 2017, 06:57

Interview: Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Marcel Hug, Sie haben am letzten Sonntag in Arbon den eigenen, vor sieben Jahren aufgestellten Weltrekord über 10000 Meter um fünf Sekunden auf 19:45,05 verbessert. Sie befinden sich in Topform.

Diese Leistung fühlt sich gut an. Mir ist es in Arbon sehr zufriedenstellend gelaufen. Mein Formstand ist tatsächlich schon erstaunlich gut. Ich hätte nicht erwartet, dass es bereits so gut läuft.

Die Bahn in Nottwil soll ebenfalls schnell sein. Dürfen die Zuschauer am Wochenende erneut eine Weltbestleistung von Ihnen erwarten?

Im Vergleich zu Arbon ist die Nottwiler Bahn nicht ganz so schnell, sie ist mehr dem Wind ausgesetzt. In Nottwil ist es schwieriger, absolute Topzeiten aufzustellen, aber unmöglich ist es nicht.

Erstmals sind in Nottwil mehrere chinesische Athleten am Start. Verändert diese aller Voraussicht nach starke Konkurrenz die Ausgangslage für Ihren Wettkampf?

Für mich bedeutet das keine Veränderung, ich freue mich, dass sie dabei sind. Am Mittwoch im Training habe ich die Chinesen ein wenig beobachtet. Ich bin gespannt, wie sie hier abschneiden werden. Das chinesische Team ist immer wie eine Wundertüte, man weiss nie, was herauskommt.

Der Saisonstart gelang Ihnen mit dem Sieg am Boston-Marathon in der Topzeit von 1:18 Stunden sowie Platz 2 am London-Marathon nur Zentimeter hinter dem Briten Sir David Weir vorzüglich. Waren das Auftakt-Feuerwerke?

Ja, mit diesen zwei Wettkämpfen bin ich wirklich sehr zufrieden, besonders mit dem Boston-Marathon, den ich in Weltbestzeit beendet habe. In London bezwang mich der taktisch fahrende Weir, der nie Führungsarbeit geleistet hatte, quasi im Fotofinish.

Sie fahren von Sprint über Mittelstrecke bis Langstrecke in der Weltspitze mit. Darum gelten Sie als der kompletteste Rollstuhl-Leichtathlet der Welt. Ist diese Bezeichnung berechtigt?

Ich glaube schon, denn es gibt nicht viele, die sowohl auf der Bahn wie auf der Marathonstrecke vorne mitfahren.

Wie schaffen Sie das?

Indem ich beides unter einen Hut bringe. Das ist auch für meinen Trainer Paul Odermatt eine Herausforderung. Mir hilft, dass ich sprintstark und ausdauernd bin.

An den Paralympics letztes Jahr in Rio holten Sie das lange ersehnte Gold. Wie wichtig war dieser gleich doppelte Grosserfolg über 800 Meter und im Marathon?

Weil ich so lange dafür arbeitete, haben beide Goldmedaillen eine enorme Bedeutung. Das war ein Bubentraum, den ich mir unbedingt erfüllen wollte. Nie gab ich auf. Die Erleichterung war in Rio gross gewesen, dieser Erfolg ist auch für die Zukunft wertvoll. Trotzdem werde ich, ob jetzt in Nottwil oder im Juli an der WM in London, vor jedem Rennen weiterhin angespannt sein.

Parathletics

Freitag. 12.30: 800 m mit Marcel Hug. – 13.10: 800 m mit Manuela Schär – 15.40: 200 m mit Schär.

Samstag. 11.50: 100 m mit Schär. 15.20: 1500 m mit Hug. – 15.40: 1500 m mit Schär.

Montag. 10.50: 400 m mit Hug. – 11.30: 400 m mit Schär. – 13.50: 5000 m mit Hug. – 14.50: 5000 m mit Schär.

Die Parathletics 2017 gehören zu einer Serie von neun grossen Rennen des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC).


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