Reiko Peter: «Ich muss nun sehr fokussiert arbeiten»

SQUASH ⋅ Endlich kann er wieder das machen, was er am liebsten tut: Der Luzerner Profi Reiko Peter erzielt schon wieder so gute Ergebnisse wie vor seiner einjährigen Verletzungspause.
02. Dezember 2017, 09:56

«Wenn Sie so weitermachen», sagte der Arzt, «dann brauchen Sie mit 35 Jahren ein neues Hüftgelenk.» Was blieb Reiko Peter also übrig, als sich medizinischen Eingriffen zu unterziehen? «Ich hatte Schmerzen, die immer schlimmer wurden», erzählt der 28-Jährige. Ein Jahr ist seither vergangen. Jetzt sei mechanisch alles wieder gut, sagt Peter und fügt an: «Ab und zu verspüre ich noch etwas Schmerzen. Aber nur bei kalten Temperaturen.»

Die Spielpause nach den beiden Hüftoperationen war lang. «Es war nicht angenehm. Ich versuchte, es möglichst positiv zu nehmen. Und beim Abchecken der Turnierresultate ging mir immer wieder durch den Kopf: Das kann ich auch.» Dass er motiviert geblieben sei, habe ihn erstaunt, gesteht Reiko Peter. «Ich habe Squash vermisst. Ich wusste, dass ich wieder Vollgas geben will.»

Vor dreieinhalb Jahren machte der Luzerner Squash zu seinem Beruf. «Ich beginne das Spiel nun zu verstehen», meinte er damals. Er hatte als 13-Jähriger, später als viele andere, zum Squash gefunden. Im Mai 2014 gehörte er zu den besten 100 Squashern der Welt, im Januar 2015 gewann er in Nimes seinen ersten Titel auf der Professional-Tour. Und im selben Jahr kamen noch drei weitere Siege dazu.

Pause wegen Bänderriss nochmals verlängert

Doch vor den Operationen gab es Zweifel. «Ich machte mir viele Gedanken, ich hatte viel Zeit zum Nachdenken», erinnert sich Peter. Und kaum stand er im Sommer wieder im Court, riss er sich beim Basketball die Bänder am Fussgelenk. Und so wurde die Pause noch drei Monate verlängert. Peter musste wieder bei null beginnen: Im World-Ranking fiel er weit zurück. Bei seinen ersten zwei PSA-Starts nach der Verletzung erreichte er im November aber gleich zweimal den Final. In Saskatoon gelang ihm ein Sieg über den Kanadier Nick Sachvie, die Nummer 64 der Welt. «Ich hatte Glück, einen derart guten Start hinzulegen, denn ich hatte keine Ahnung, wo ich stehe.»

Die Ausdauer sei das Einzige, was er über die Pause hinweg habe halten können, sagt der Luzerner. «Ich vermutete, dass es körperlich noch nicht zu guten Resultaten reicht.» Also passte er sein Spiel an. «Ich bin weniger vorne reingestanden, habe mehr Bälle nach hinten gelassen und so das Tempo rausgenommen.»

Im Kopf besser – und fokussierter

Es ist aber wohl nur eine taktische Umstellung auf Zeit. «Ich hoffe, dass ich nach Weihnachten körperlich wieder auf einem Level von 90 Prozent sein werde.» Im Kopf sei er sogar besser als vorher. «Das Spielen von Turnieren hat mir schon immer Spass gemacht. Aber jetzt schätze ich es noch mehr. Ich bin nun abgeklärter. Und ich weiss, dass ich nicht jünger werde, darum muss ich nun sehr fokussiert arbeiten.»

Er habe noch viel Luft nach oben, glaubt Reiko Peter. Die Finalteilnahme in Kanada sei ein enormes Resultat, aber jetzt müsse er das bestätigen, sagt der 28-Jährige. Zum Beispiel an der bis Sonntag in Marseille stattfindenden Team-Weltmeisterschaft, an der er, wie auch Roman Allinckx, sein junger Teamkollege von Pilatus Kriens, im Einsatz steht. Nächste Woche wird Reiko Peter auch die Einzel-WM in Manchester bestreiten. «Da bin ich als zweitletzter Spieler noch in die Qualifikation gerutscht», so der Luzerner – dank dem geschützten Ranking wegen seiner langen Verletzung. «Ich freue mich unglaublich, denn früher war das alles eine Selbstverständlichkeit. Auch eine WM.»

Stefan Kleiser

regionalsport@luzernerzeitung.ch


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