«Ich will noch einen drauflegen»

SKI ALPIN ⋅ Beatrice Zimmermann aus Stans gehört zu den weltbesten Telemarkfahrerinnen. Die 27-jährige Nidwaldnerin äussert sich über ihre Anfänge, ihre Ziele und darüber, mit welcher Hoheit sie für ein Selfie posiert hat.
07. Januar 2018, 08:08

Theres Bühlmann

theres.buehlmann@luzernerzeitung.ch

Sich mit ihr zu unterhalten, macht Spass. Sie ist eine fröhliche und kommunikative Frau: die 27-jährige Stanserin Beatrice Zimmermann, eine der weltbesten Telemarkfahrerinnen. Dies bewies sie Anfang Dezember im österreichischen Hintertux, wo sie im Sprintwettbewerb beim Weltcup Platz 1 und somit den zweiten Sieg auf höchster Ebene in ihrer Karriere feiern konnte.

Ihre Skilaufbahn begann im alpinen Bereich. Sie schaffte es bis zur Stufe FIS-Rennen, wo unter anderen Lara Gut und Dominique Gisin ihre Konkurrentinnen waren. Doch in ein Kader von Swiss-Ski reichte es nicht, was der Moral nicht gerade erträglich war. «Mir fehlte dann die Motivation, ich gab den alpinen Rennsport auf», blickt sie zurück.

Dann machte die gelernte Bäcker-Konditorin mit eidgenössischem Fachausweis und mit Diplomlehrgang in Marketing und Verkauf im Jahre 2010 die dreijährige Ausbildung als Skilehrerin. Dabei lernte sie die Disziplin Telemark näher kennen, und «Freude und Spass kehrten zurück». Und so wurde Telemark zu ihrer neuen Passion. Nach einem Tief kam die Freude zurück.

Mürren 2016: Erster Sieg im Weltcup

2014 fand sie Aufnahme im C-Kader von Swiss-Ski, im gleichen Jahr feierte sie in Schweden Premiere auf Ebene Weltcup, ein Jahr später folgte mit Rang 3 der erste Podestplatz auf dieser Stufe und 2016 in Mürren der erste Weltcup-Sieg. Seit drei Jahren gehört sie nun dem Nationalteam an, ihr Palmarès zieren 21 Weltcup-Podestplätze sowie eine WM-Bronzemedaille.

Zurzeit lässt sich die Nidwaldnerin zur Gesundheits- und Bewegungsspezialistin ausbilden und arbeitet 60 Prozent in einem Fitnesszentrum für Frauen in Stans. 12 Stunden in der Woche wendet sie für ihren Sport auf: Grundlagentraining im Sommer auf dem Bike, dem Rennvelo, auf Rollski und Inlineskates, bevor es im August in den Schnee nach Saas-Fee geht.

Beatrice Zimmermann ist eine polysportive Person: Sie misst sich auch sehr gerne beim Gigathlon – «wenn ich angefragt werde, bin ich dabei». Früher bestritt sie auch Inline-Street-Slaloms, sie holte Silber an Schweizer Meisterschaften. «Damals habe ich Lara Gut geschlagen.» Der Sport hat ihr auch ein königliches Treffen beschert. 2016 bekam sie eine Einladung an die Olympischen Jugendspiele in Lillehammer, wo sie zusammen mit einer internationalen Gruppe die Sportart Telemark den Zuschauern näherbrachte. Da begegneten die Akteure dem norwegischen Kronprinzen Haakon, der als Volontär tätig war. Natürlich durfte das obligate Selfie nicht fehlen. Eindruck gemacht hat ihr aber vor allem die Zuschauerkulisse: «Vor 15 000 Zuschauern zu fahren, das war schon ein ganz besonderes Erlebnis.»

In dieser Saison möchte sie «noch einen drauflegen», wie sie sich ausdrückt. Genauer gesagt, einmal den Gesamtweltcup gewinnen, bei dem sie 2017 Rang 3 belegte. Ein Schweizer-Meister-Titel fehlt der dem Skiclub Stans angehörenden Athletin ebenfalls. In den letzten Jahren stand ihr ­jeweils Amélie Reymond vor der Sonne, die zurzeit eine Baby­pause macht. Gute Gelegenheit, einen nationalen Triumph einzufahren, bietet sich am 17. und 18. Februar an der SM in Sörenberg.

Abschalten und auftanken bei den Eltern

Beatrice Zimmermanns Terminkalender ist gefüllt, Reisen, Wettkämpfe, Beruf. Nächste Woche stehen FIS-Rennen in Les Houches (FRA) an, dann geht ­ es weiter zum Weltcup nach Pralo­gnan-la-Vanoise. Weil das Schweizer Team ohne Serviceleute auskommen muss, präpariert sie ihre Ski selber, was viel Zeit in Anspruch nimmt. Freie Tage verbringt sie gerne bei ihren Eltern, die in Stans einen Bauernhof besitzen. Dort bewohnt sie die Dachwohnung und findet auch einen Raum für ihre Skiutensilien und die Wachskabine vor. Abschalten und Auftanken heisst es dann. Da hilft sie auch gerne mit, um Produkte für den Wochenmarkt herzustellen.

Und immer wieder heisst es Koffer packen. Nie fehlen darf dabei im Gepäck ein Kopfkissen und «Bää», das Maskottchen, ein Stofftier, genau gesagt ein Schaf.

Möge es ihr Glück bringen.

Hinweis

Schweizer Meisterschaften in Sörenberg. Samstag/Sonntag, 17./18. Februar 2018. Infos: www.skiclub-soerenberg.ch


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