Zugerin quält sich auf Hawaii

TRIATHLON ⋅ Sie quält sich dort, wo andere ihre Traumferien verbringen: Céline Schärer (27) aus Walchwil hat sich für den Ironman auf Hawaii qualifiziert. Dort steht der bislang grösste Wettkampf ihrer Karriere an.
10. Oktober 2017, 09:16

Nadine Wyss

sport@zugerzeitung.ch

Früh übt sich, wer ein Meister werden will. «Ich bin durch meine Geschwister zum Triathlon gekommen», sagt Céline Schärer und ergänzt, dass sie schon als kleines Kind sehr sportlich gewesen sei. Mit sechs Jahren trainierte sie Leichtathletik und wurde in den Schwimmklub aufgenommen. Der erste Triathlon folgte bereits mit sieben oder acht Jahren. Dieses Jahr hat sie den Ironman Switzerland in Zürich gewonnen – nach eigenen Angaben ihr bislang schönster Erfolg. Dadurch hat sie sich für den Ironman Hawaii qualifiziert, der am kommenden Samstag ansteht.

Schärer, die in Steinhausen aufgewachsen ist und in Walchwil wohnt, erinnert sich gerne an die Schulzeit zurück. Nach der Kantonsschule absolvierte sie die Handelsschule, die sie mit dem Handelsdiplom VSH abschloss. Mittlerweile ist sie 27 Jahre alt und hat es geschafft, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Als Profitriathletin trainiert sie zwischen 25 und 30 Stunden pro Woche und bereist die ganze Welt. Schärer zählt zu den Glücklichen, die ihren Traum leben können. Dank Sponsoren, Gönnern und Helfern ist dies möglich.

Der Ironman besteht aus drei Disziplinen: Schwimmen (3,8 Kilometer), Radfahren (180 Kilometer) und Laufen (42,2 Kilometer). Der Wettkampf auf Hawaii gilt als äusserst anspruchsvoll, als härtester Ironman der Welt. «Die Feuchtigkeit lässt die Temperatur noch heisser erscheinen», sagt Schärer, die sich zum Zeitpunkt des Interviews in Maui aufhält. Sie bereitet sich auf der Nachbarinsel auf den Wettkampf auf Kona vor. «Je nach Wetter sind die Bedingungen anders. Ist es windig, werden wir hohen Wellengang haben und kommen auch an Land weniger gut vorwärts.» Schärer rechnet mit einer Zeit von über neun Stunden. Die Zeitdauer hängt mitunter von den Wetterbedingungen ab.

Ihr Wille lässt sich nicht brechen

Die Sportlerin reizt am Triathlon die Abwechslung: «Dadurch wird mir nie langweilig.» Das Erfolgsrezept der 27-Jährigen sind ihr Wille und das grosse Durchhaltevermögen. «Ich gebe nie auf, bis ich erreicht habe, was ich will.» Das Laufen ist die Lieblingsdisziplin der Sportlerin. «Laufen kann man überall. Man benötigt lediglich ein Paar Turnschuhe – und los geht’s!» Auf ihre Gesundheit angesprochen, meint die Athletin: «Durch das viele Reisen und die Trainings kann es sein, dass der Körper reagiert. Ich kenne jedoch meinen Körper inzwischen gut und gönne ihm die Erholung, die er braucht.» Von Unfällen blieb die Sportlerin bisher weitestgehend verschont. Mental bereitet sich die 27-Jährige mit Musik auf das Rennen vor und zieht sich zurück. Ist es vorbei, kommen die Glückshormone. «Nach dem Wettkampf tut mir alles weh, die Glücksgefühle und das Adrenalin lassen mich die Schmerzen jedoch vergessen. Durch den Zucker bin ich nach dem Rennen sehr aufgedreht. Der Körper ist aber müde. Das fühlt sich komisch an», schildert Schärer. In erster Linie freue sie sich jeweils, dass sie es geschafft habe. «Es ist eine enorme Leistung», sagt sie selbst.

Was sie während des Rennens denkt, kann die Walchwilerin nicht genau sagen. «Ich bin dann in einer anderen Welt.» Immer mal wieder kreisen die Gedanken um das Essen. Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle. Es steht ihr ein persönlicher Essensvorrat zur Verfügung, und sie kann sich unterwegs verpflegen. Wenn sie mental oder körperlich einen Durchhänger hat, versucht sie das aufkommende Gefühl einfach zu ignorieren. «Jeder kommt im Rennen irgendwann an diesen Punkt. Ich greife dann oft zur Getränkeflasche und mache einfach weiter.»

Weiterreise nach Mexiko

Nach dem Start auf Hawaii geht es für Céline Schärer weiter nach Cozumel in Mexiko. Dort wird sie im November an den Start gehen. Nach diesem letzten Wettkampf der Saison wird sie ein paar schöne Tage am Strand beim Surfen und bei anderen Aktivitäten verbringen. Zurück zu Hause wird sie das Jahr mit Familie und Freunden ausklingen lassen, bevor es mit den Vorbereitungen für die nächste Saison losgeht.

Als Berufssportlerin lebt die Athletin von Jahr zu Jahr. Sie kann sich vorstellen, später ins Coaching Business einzusteigen. Wann genau ihre Profikarriere enden wird, steht noch in den Sternen, denn Céline Schärer hat noch viel vor.


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