Junge Hünenbergerinnen auf Erfolgskurs

VIERKAMPF ⋅ Simone und Joëlle Waser betreiben eine wenig bekannte Sportart. Es ist offensichtlich kein Zufall, dass die Schwestern in dieser Sportart durchstarten. Am 1. und 2. Juli zeigen sie ihr Können an einem Turnier in Steinhausen und Baar.
20. Juni 2017, 04:39

Nadine Wyss

sport@zugerzeitung.ch

 

Die Schwestern Simone (18) und Joëlle (16) wohnen mit ihren Eltern Beat und Marlen Waser und Familienhund Spike in Hünenberg See. Ihr Wohnort liegt nicht weit vom Chamer Reitstall Baregg, wo ihre Vierkampf-Karriere begann. Die Kantischülerinnen sind von klein auf sehr aktiv und sportbegeistert. So lag es auf der Hand, dass sie sich in verschiedenen Sportarten versuchten: Reiten, Schwimmen, Laufen, Leichtathletik, Geräteturnen gehörten zum Sammelsurium.

Ihre Liebe aber gilt seit jeher den Pferden. Wann immer noch etwas Zeit neben Schule und Training bleibt, fahren sie in den Reitstall. Ihre Augen leuchten, wenn sie von den verschiedenen Pferden und Ponys erzählen, die sie zur Verfügung gestellt bekommen. Mit dem Vierkampf haben die beiden die für sie perfekte Sportart gefunden. Neben Springen und Dressur zählen – ohne Pferd, natürlich – Schwimmen und Laufen zu den insgesamt vier Disziplinen. «Für uns sind Schwimmen und Laufen der perfekte Ausgleich zum Reiten», erklärt die schon sehr erwachsen wirkende Simone.

Am Anfang waren die Pferde

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte mit Reitstunden. Im Reitstall Baregg erhielten die Schwestern von Annemarie Gretener Reitunterricht. Die Reitlehrerin war es dann auch, die die talentierten Mädchen entdeckte und für den Vierkampf begeistern konnte. Noch immer trainiert sie das Team zusammen mit Nic Bachmann und bereitet es für die Wettkämpfe vor. Aber auch bei den ­anderen Disziplinen dürfen die Sportlerinnen auf professionelle Unter­stützung zählen. Für die 3 Kilometer Laufen werden sie von einem Ex-Vierkampfsportler trainiert, und für die 50 Meter Freistil im Schwimmen dürfen sie auf die Hilfe eines Triathleten zählen.

Die Lieblingsdisziplin von Simone und Joëlle ist das Springreiten. Beim Wettkampf gilt es, einen möglichst fehlerfreien Springparcours mit zehn Hindernissen in bester Manier zu bewältigen. Bei der Dressurprüfung wird mit einer Mannschaft gestartet. Das Team wird bewertet, aber auch das Einzelresultat zählt. Startberechtigt sind jeweils vier Jugendliche im Alter zwischen 10 und 20 Jahren, wobei zwischen Junioren A und B unterschieden wird. Dass ihre Sportart noch nicht so bekannt ist, bedauern beide. «Über weitere Mitglieder in unserem Team würden wir uns freuen», bekräftigt Simone. «Wir sind wie eine grosse Familie und unterstützen einander», ergänzt ihre Schwester Joëlle. Simone Waser hat ihre Maturaarbeit über den Vierkampf geschrieben und einen Film dazu gedreht. Dieser soll helfen, die Sportart bekannter zu machen und weitere Sponsoren zu gewinnen.

Für den Erfolg müssen beide auch Opfer bringen. Die Woche ist mit Schule und viermal Training durchgetaktet. Zeit zum Verweilen bleibt kaum, obschon sich Labrador-Rüde Spike immer über eine zusätzliche Streicheleinheit freut. Auf ihre Schwächen angesprochen, geben beide zu: «Manchmal sind wir zu streng mit uns, dabei möchten wir einfach Spass haben und immer unser ­Bestes geben.» Dass sie gemeinsam trainieren und sich gegenseitig motivieren können, sehen sie als grossen Vorteil. Der schulischen Karriere scheint das grosse sportliche Engagement keinen Abbruch getan zu haben. Die Eltern sind stolz auf die Töchter: «Die Mädchen mussten früh lernen, sich zu organisieren», erzählt der Vater. «Für die Eltern war immer klar, dass die Schule Vorrang hat. Da die Mädchen aber motiviert und pflichtbewusst sind, gab es bis anhin keinen Anlass zu grösseren Diskussionen.»

Joëlle und Simone Waser scheinen das passende Rezept gefunden zu haben: «Wenn immer möglich, lernen wir während der Mittagspausen oder an den wettkampffreien Wochenenden.» Simone, die inzwischen die Fahrprüfung bestanden hat, ist in den letzten Zügen der Maturaprüfungen. «Mein grosses Ziel ist, Sport zu studieren. Das ist Plan A – einen Plan B gibt es nicht», erklärt die äusserst zielstrebige junge Frau. Auf keinen Fall möchte sie jedoch das Team bei den Wettkämpfen im Stich lassen und wäre bereit, täglich zwischen Universität und Hünenberg See zu pendeln.

Die sportlichen Resultate dürfen sich sehen lassen: Ihr Team vom Reitverein Lorze holte an der Schweizer Meisterschaft in Frauenfeld im vergangenen Jahr Gold. Während Simone ­Waser auch bei der Einzelwertung ­zuoberst auf dem Podest stand, holte Joëlle im 2016 den Vereinsmeistertitel. «Auch dieses Jahr möchten wir die Schweizer Meisterschaft gewinnen», gibt sich Joëlle Waser kämpferisch.

Familiäre Atmosphäre

Nun stehen Anfang Juli der Junioren-Vierkampf in Steinhausen und Baar (siehe Box) und im kommenden September das Turnier in «ihrem» Reitstall Baregg auf dem Programm. «Wir lieben die Heimwettkämpfe. Sie sind jeweils etwas ganz Besonderes.» Die Sport­lerinnen schätzen den Teamspirit, der daraus hervorgehe. «Der Veranstalter des jeweiligen Turniers ist auch für die Übernachtung, das Essen und für das Abendprogramm verantwortlich. Es ist selbstverständlich, dass wir bei der Organisation mithelfen», erklärt Simone Waser. «Das machen wir gerne», ergänzt ihre Schwester.

Ob sie den Vierkampf bei Erreichen der Altersgrenze von 20 Jahren weiter für sich betreiben wollen, steht noch in den Sternen. Auf jeden Fall wollen beide beim Reitsport bleiben. Auf die Pferde angesprochen, funkeln ihre Augen: «Dank dem Vierkampf lernen wir, uns auf verschiedene Pferde einzustellen. Irgendwann, sind sich beide wiederum einig, möchten sie sich den Traum vom eigenen Pferd erfüllen.

Auf die Frage, was dieses denn mitbringen sollte, sagen sie übereinstimmend wie aus der Pistole geschossen: «Ein grosses Kämpferherz muss es haben.»


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