Kickers Luzern im Aufstiegsrausch

FUSSBALL ⋅ Gestern Abend fand in der 2. Liga inter die letzte Runde statt. Aufsteiger Kickers Luzern gewinnt ein bedeutungsloses Spiel gegen Ibach mit 3:0 – und ist danach in Feierlaune.
18. Juni 2017, 12:12

René Barmettler

rene.barmettler@luzernerzeitung.ch

Als gestern Abend der FC Kickers Luzern den FC Ibach empfing, stand nicht das Spiel im Vordergrund. Das nämlich war für beide Teams eine bedeutungslose Angelegenheit. Im Fokus standen vielmehr die Feierlichkeiten: die offizielle Aufstiegsfeier, die nach dem Spiel mit einer Grillade begangen wurde – Bescheidenheit im grössten sportlichen Triumph des in der Vergangenheit finanziell gebeutelten Stadtluzerner Klubs. Als Abstiegskandidat wurde er angesichts des jungen Kaders und des auf diesem Level unerfahrenen neuen Trainers Faras Pour Hayavi Zaseh gehandelt. Und nun der unerwartete Aufstieg in die 1. Liga.

Unerwartet auch, weil nach der Vorrunde der Rückstand auf Leader Hochdorf als zu gross erschien. Mitkonkurrent Zofingen wurde am ehesten zugetraut, die Seetaler noch abzufangen. Es sah auch lange danach aus. Doch Kickers liess gegen Ende dieser Saison nichts anbrennen, nahm auch das Glück des Tüchtigen in Anspruch. So am vorletzten Samstag, als bei Lugano U21 der 1:0-Sieg durch Eloy Aneas in der 89. Minute sichergestellt wurde. Rund eine Minute zuvor vergaben die Tessiner den auf sicher geglaubten Führungstreffer, den die in Unterzahl spielenden Kickers in extremis verhindern konnten. Und dass der FC Hergiswil die letzten Hoffnungen der Zofinger raubte, als er einen 0:1-Rückstand auf fremdem Terrain in letzter Minute noch in einen Sieg umzudrehen wusste. Diese unverhoffte Innerschweizer Schützenhilfe liess die Luzerner jubeln, eine erste Feier fand bereits am vorletzten Samstag statt.

Auf der Suche nach neuem Präsidenten

«Dass wir den Aufstieg schaffen, hätte ich vor dieser Saison nie gedacht», sagte Kickers-Präsident Renato Amadò. «Wir nahmen bewusst das Risiko mit dem neuen Trainer in Kauf – und es hat sich ausbezahlt. Dieser Aufstieg ist ein unerwartetes Geschenk, das uns sehr stolz macht.» Ein Präsent, das aber mit neuen Risiken behaftet sein wird. Die 1. Liga weckt Begehrlichkeiten. Etwa in Form von Verstärkungen und höheren Entschädigungen. Dies jedoch kommt für Amadò nicht in Frage: «Wir haben eine klare Linie, was die Finanzen anbelangt. Die Spieler wurden informiert, dass nächste Saison nicht mehr Geld zur Verfügung stehen wird.» Die Rückmeldungen stimmen ihn zuversichtlich, das Gros des Teams dürfte den Kickers weiterhin zur Verfügung stehen. Auch eine willkommene etwaige Verstärkung darf nichts kosten. «Der Respekt vor dem Schritt in die 1. Liga ist gross», versichert Amadò. «Das Saisonziel wird dasselbe sein wie in dieser Spielzeit: Wir wollen den Ligaerhalt schaffen.»

Diese Vorgabe muss der FC Kickers Luzern ohne seinen Präsidenten erreichen. Amadò hat auf die Generalversammlung vom 11. September seine Demission nach vier Jahren Ausübung seines Amtes eingereicht. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht, eine Findungskommission wurde eingesetzt. Amadò liess sich von unserer Zeitung nicht in die Karten blicken, ob ein Rücktritt vom Rücktritt in Frage käme, falls sein Nachfolger bis dahin nicht gefunden würde. Gestern Abend mochte sich beim FC Kickers nach dem erfreulichen sportlichen Ereignis darüber verständlicherweise niemand den Kopf zerbrechen.

Hinweis

Testspiel, Mittwoch, 28. Juni (Sportplatz Tribschen): FC Luzern – SC Kriens (Anspielzeit folgt).


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