Ayla Huser realisiert grössten Erfolg

BADMINTON ⋅ Mit einem internationalen Turniersieg realisiert Ayla Huser ihren bisher grössten Karriereerfolg. Ein Exploit sei dieser Erfolg allerdings nicht, sagt die 25-jährige Nidwaldnerin und erklärt, in welche Sphären sie noch vorstossen will.
08. Oktober 2017, 09:54

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Die Schweizer Hymne in der Sporthalle im polnischen Bierun ist am vorletzten Wochenende nur für sie gespielt worden – Ayla Huser. Die 25-jährige Buochserin gewann ihr erstes internationales Turnier und feierte damit den grössten Erfolg ihrer bisherigen Karriere. «Ein grosser Traum ist in Erfüllung gegangen», schwärmt die Schweizer Nationalspielerin, um sogleich nachzuschieben: «Das ist die Bestätigung, dass ich auf einem guten Weg bin. Erreicht habe ich aber lediglich ein Etappen- und noch nicht das Endziel.» Was sie damit meint, dazu später mehr.

Aus dem Nichts kam diese Premiere nicht. Ayla Huser war als Nummer drei gesetzt und hatte bereits im Vorfeld des Wettkampfs das Gefühl, dass etwas drinliegen könnte. Dass sie ihre Chance genutzt hat, sei keinem Exploit zu verdanken, sondern das Resultat langjähriger Aufbauarbeit. «Ich mache kleine Schritte in die richtige Richtung. Allmählich beginnen sich bei mir die Puzzleteile zusammenzufügen», erklärt Huser.

Für andere Hokuspokus, für sie eine grosse Hilfe

Grosse Bedeutung misst sie dem Mentaltraining bei, mittlerweile arbeitet sie auch mit Sporthypnose. «Viele Sportler sind skeptisch eingestellt oder halten es gar für Hokuspokus», sagt die Nidwaldnerin mit einem Schmunzeln. «Mir bringt es als Ergänzung zum Training aber sehr viel.» Sie trete dabei nicht völlig weg, vielmehr beschäftige sie sich in einem sehr entspannten Zustand mit schwierigen Matchsituationen. «Im Alltag wird man mit Reizen ja geradezu bombardiert. In der Sporthypnose werde ich indes nicht abgelenkt.»

Doch wie macht er sich auf dem Court konkret bemerkbar, der Effekt des Mentaltrainings? «Kritische Momente machen mir keine Angst mehr, ich fühle eine innere Sicherheit und das Selbstvertrauen, um Berge zu versetzen.» Zur Erläuterung blickt Huser auf ein besonderes Spiel zurück. Im letzten Frühjahr war es, als sie mit Yverdon im Halbfinal der Schweizer Mannschaftsmeisterschaft in Uzwil im Einzel mit 0:1-Sätzen und 16:20-Punkten zurücklag. Die Ostschweizerin hatte vier Matchbälle, um nicht nur das Spiel, sondern auch den Finaleinzug klarzumachen. «Es war der Worst Case, auch das Publikum war gegen mich. Doch ich habe mir vertraut und das Spiel noch gedreht. Vor zwei Jahren hätte ich ein solches Duell wohl verloren.»

Badmintonschläger ist keine Pfanne

15 Jahre ist es derweil etwa her, seit sie erstmals per Zufall auf Badminton aufmerksam geworden ist – ein Nachbar in Buochs hatte sie eines Tages mit ins Training genommen. Bald war sie ­begeistert von der Vielfältigkeit dieser Sportart: «Badminton ist kraft- und gefühlvoll, explosiv und kontrolliert, kämpferisch und spielerisch.»

Obwohl sie anfänglich den Schläger wie eine Pfanne, und damit falsch in der Hand gehalten habe, blieb den Ausbildnern ihr Talent nicht verborgen. Sie wechselte in den BC Stansstad, fand Aufnahme ins Regionalkader und zog als 16-Jährige von zu Hause aus, um sich in Bern noch intensiver fördern zu lassen. In der Hauptstadt fühlt sie sich mittlerweile pudelwohl, seit zwei Jahren lebt Ayla Huser mit ihrem Freund zusammen, absolviert ein Psychologiestudium an der Fern-Uni, und sie ist zur Nummer 2 im Schweizer Ranking aufgestiegen – hinter der 30-jährigen ­Neuenburgerin Sabrina Jaquet. Mit ihr gewann sie im Doppel viermal die Schweizer Meisterschaft, wegen ihr kam sie im Einzel noch nicht über zwei Silbermedaillen hinaus.

«Weshalb sollte ich das ohne grosse Träume tun?»

Jaquet steht in der von Asiatinnen dominierten Weltrangliste auf Platz 31, Huser folgt auf 117. Es ist die bisher beste Klassierung der 1,68 Meter grossen Nidwaldnerin, die als athletische, kräftige und robuste Sportlerin gilt. Was fehlt ihr noch im Vergleich zu­ ­Jaquet? «Schwierig zu sagen, Sabrina machte auch plötzlich ­einen riesigen Sprung und wusste nicht so recht, woran es lag. Lockerheit, Spielwitz, Tempo, Technik, Erfahrung – es ist wohl von allem etwas.»

Heute Sonntag steht Huser wieder im Einsatz, in La Chaux-de-Fonds beginnt die Interclub-Saison, nächste Woche geht es weiter nach Holland an ein internationales Turnier. Dort wird die Ausgangslage deutlich schwerer sein als in Polen, die topgesetzte Spielerin sei die Nummer 11 der Welt. Im November tritt sie erstmals in Marokko an, im nächsten Jahr möchte sie in Spanien ihr EM-Debüt geben. Das alles sind aber nur weitere Etappenziele auf dem Weg zum Höhepunkt, zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Ayla Huser, die von sich selber sagt, dass sie Mühe habe mit Regeneration, weil sie immer in Bewegung sein müsse, setzt die Messlatte bewusst hoch an: «Wieso sollte ich ohne grosse Träume so viel in meinen Sport investieren?», fragt sie rhetorisch und fügt beherzt an: «Olympia soll möglich werden.»


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