Nervenkitzel mit Suchtpotenzial

LEICHTATHLETIK ⋅ Marco Jost aus Neudorf entdeckte seine Liebe zum Stabhochsprung einst als Zehnkämpfer. An Fronleichnam springt der 22-Jährige in Emmenbrücke vor Heimpublikum.
13. Juni 2017, 08:03

Stefanie Barmet

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Als der Neudorfer Marco Jost am vergangenen Sonntag an den Innerschweizer Leichtathletik-Meisterschaften eine Stunde nach Disziplinenbeginn in den Wettkampf einstieg, waren seine Konkurrenten bereits ausgeschieden. Für die Anfangshöhe von 4,60 Metern benötigte der 22-Jährige trotz technisch schöner Sprünge drei Versuche. Diesen Umstand schrieb er der langen Wartezeit zu. «Ich konnte zwar nochmals einige Sprünge über das Seil machen, das lange Rumsitzen bringt einen dennoch aus dem Rhythmus.»

Die Höhe von 4,80 Metern übersprang der gelernte Zimmermann im zweiten Versuch, ehe er seine persönliche Bestleistung, die seit vergangenem Jahr bei 5 Metern steht, auflegen liess. Wie bei der Einstiegshöhe riss er zweimal, beim dritten Versuch klappte es. «Das Gute am dritten Sprung ist, dass man nichts zu verlieren hat», weiss Marco Jost. Zum dritten Mal in seiner Karriere konnte er diese Höhe meistern und seine Saisonbestleistung um 30 Zentimeter steigern. Erst an der Höhe von 5,11 Metern, die Innerschweizer Rekord bedeutet hätte, scheiterte er dreimal.

«Bisher konnte ich die Fortschritte, die ich im Winter im technischen Bereich erzielt habe, im Freien noch nicht umsetzen. Zuvor habe ich viele Bewegungsabläufe jahrelang falsch gemacht. Mit dem Wettkampf am Sonntag bin ich aber zufrieden. Bisher bin ich noch nicht auf die gewohnte Leistung gekommen. Nun hoffe ich, dass der Knoten gelöst ist.»

Trainingsbedingungen in Magglingen sind ideal

Im vergangenen Jahr begann der für den LC Emmenstrand startende Neudorfer die höhere Fachhochschule Holz in Biel und schloss sich der Trainingsgruppe von Stabnationalmannschaftstrainer Herbert Czingon rund um die amtierende U20-Weltmeisterin Angelica Moser an. «So konnte ich in Magglingen von den idealen Trainingsbedingungen profitieren. Die Stabhochsprunganlage und der Kraftraum sind rund um die Uhr geöffnet. In Emmenbrücke hingegen kann man nur bei gutem Wetter Sprünge absolvieren.»

Rund sechs Mal in der Woche trainiert Marco Jost. Zu den Trainingsinhalten gehören neben dem Techniktraining unter an­derem spezifisches Krafttraining für den Oberkörper, turnerische Elemente, Sprünge, aber auch Sprints. Zurzeit befindet er sich im einjährigen Praktikum, das er im 80-Prozent-Pensum ab­solviert. «Am Dienstag und am Donnerstag arbeite ich nur am Morgen, sodass ich am Nachmittag nach Magglingen ins Training fahren kann.» Von den Trainingspartnern kann Marco Jost insofern profitieren, als beispiels­weise Einheiten wie das Krafttraining gemeinsam absolviert werden. «Bei technischen Einheiten konzentriert sich jeder auf die eigenen Sprünge.»

Während Herbert Czingon die Trainingspläne schreibt und für die Planung der Wettkämpfe verantwortlich ist, betreut Rolf Jost, der das Stabteam Zentralschweiz sowie das Stabmeeting in Emmenbrücke ins Leben gerufen hat, seinen Sohn zu Hause bei den Trainings und bei Sport­anlässen. So auch an den ILV-Einzelmeisterschaften in Luzern vom vergangenen Wochenende. Bei welcher Höhe Marco Jost den Leistungszenit erreicht hat, kann er nicht in Zahlen ausdrücken. «Natürlich, ich möchte immer höher springen, ich bin gespannt, welche Höhe drinliegt. Wenn es mir gelingt, die technischen Fehler zu eliminieren, kann ich sicher noch ein gutes Stück höher springen.»

«100 Meter rennen kann jeder»

Mit Beginn der Lehre wechselte der 22-Jährige vom Zehnkampf zum Stabhochsprung. «100 Meter rennen kann jeder. Doch der Stabhochsprung ist eine extrem komplexe Angelegenheit. Höhen von 5 Metern lösen Nervenkitzel aus und beinhalten Suchtpotenzial. Am schönsten ist der Moment, in dem ich realisiere, dass ich die Latte erfolgreich überquert habe.» Und wie steht es um die Angst? «Angst darf ein Stabhochspringer nicht haben. Es braucht Respekt. Dass hin und wieder ein Stab bricht, gehört dazu. Dann muss man sofort wieder springen, das Missgeschick so schnell als möglich abhaken.»

An Fronleichnam findet bereits zum vierten Mal das Stabmeeting in Emmenbrücke (siehe Kasten) statt. Die Vorfreude auf das Heimmeeting ist bei Marco Jost gross. «Auf der eigenen An­lage und vor Heimpublikum zu springen, ist immer speziell. Den Innerschweizer Rekord, den ich am Sonntag verpasste, hoffe ich nun am Donnerstag springen zu können», sagt Marco Jost weiter.


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