Janick Steinmann: Neue Karriere nach dem Unglück

EISHOCKEY ⋅ Janick Steinmann (30) hat seine Spielerlaufbahn aus gesundheitlichen Gründen vor zwei Jahren beenden müssen. Nun freut sich der Assistenztrainer des EVZ-Academy-Teams auf die Herausforderungen der Swiss-League-Saison.
12. September 2017, 08:01

Michael Wyss

sport@zugerzeitung.ch

«Eishockey ist meine ganz grosse Leidenschaft. Es begleitet mich tagtäglich. Die ganze bisherige Zeit war für mich auch eine Lebensschule», sagt Janick Steinmann. Der 30-Jährige ist neuer Assistenztrainer der EVZ-Academy-Equipe, die am kommenden Freitag in die Swiss League startet (Ex-NLB). Erstmals trainiert Steinmann ein Aktivteam. «Es ist eine schöne Herausforderung, mit den jungen Spielern zu arbeiten. Ich bin dem EVZ dankbar dafür, dass ich ­diese Chance erhalten habe», führt der Stadtzuger aus.

Eigentlich wäre der in Baar und Rotkreuz Aufgewachsene selbst im besten Alter, um diesen Sport noch einige Jahre auszuüben. Doch Steinmann musste ­seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen beenden. Seinen letzten Einsatz bestritt der 185 Zentimeter grosse frühere Stürmer am 17. Oktober 2015. Es war sein 496. NLA-Spiel. Steinmann spielte mit Lugano in Lausanne und musste mit einer Hirnerschütterung vom Eis. Zum wiederholten Mal in seiner Karriere erlitt er diese Verletzung. «Ich bin von Natur aus ein Kämpfer und arbeitete am Comeback. Mit Eishockey auf höchstem Niveau wurde es jedoch nichts mehr. Die Verletzung liess keinen Spitzensport mehr zu», schildert Steinmann emotional.

Das Ausüben seiner Leidenschaft löste immer wieder Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Ermüdungserscheinungen und Schwindel aus. «Der Schwindel ist heute komplett weg. Mühe bereitet mir aber immer noch, wenn ich längere Zeit vor dem PC sitze. Da habe ich schon noch Probleme, was die Aufnahmefähigkeit und Konzentration betrifft.»

Zwei Titel mit Davos

Eishockey spielte Steinmann seit dem siebten Lebensjahr. «Ich begann bei den Piccolos und durchlief dann die gesamte Nachwuchsabteilung beim EVZ. Verantwortlich, dass ich mich für das Eishockey begeistern konnte, war sicher mein um zwei Jahre älterer Bruder Joel.» Dieser kann sich noch genau an die Anfänge des Bruders erinnern: «Während ich Training hatte, drehte Janick auf dem damaligen Aussenfeld des altehrwürdigen Hertistadions seine Kreise.» Es folgte wie erwähnt eine langjährige Karriere als Profi in Zug, Davos, Kloten und Lugano. Mit den U18- und U20-Nationalmannschaften nahm Steinmann an Weltmeisterschaften teil und schaffte es zweimal ins Aufgebot der A-Nationalmannschaft. 2011 wurde Steinmann mit Davos Schweizer Meister und gewann im gleichen Jahr den Spengler-Cup. «Das sind Momente, die bleiben. Auch die beiden U20-Weltmeisterschaften in Kanada und Schweden waren unbeschreibliche Erlebnisse», sagt Steinmann rückblickend. Während seiner Zeit im Bündnerland und des mehrmonatigen NHL-Lockouts in der Saison 2012/13 zwischen Oktober und Januar durfte Steinmann auch mit den NHL-Grössen Joe Thronton (damals San Jose Sharks), Rick Nash (New York Rangers), Patrick Kane (Chicago Blackhawks) oder Loui Eriksson (Dallas Stars) spielen.

Unvergesslich war auch die Saison 2008/09 bei Zug unter dem damaligen Trainer Doug Shedden. «Wir waren abgeschlagen, schafften aber in extremis noch den achten Rang und somit die Playoffs und eliminierten den Qualifikationssieger Bern. Im Halbfinal mussten wir uns dann den Klotenern beugen. Das war die emotionalste Saison für mich – eine sehr lehrreiche Erfahrung.»

Auf die Frage nach Idolen in seinem Leben sagt Steinmann: «Ich gehe meinen eigenen Weg und schaue nicht auf andere. Eine spezielle Beziehung pflege ich aber zu meiner Familie. Meinen Eltern kann ich vieles verdanken. Sie sind grosse Vorbilder für mich. Sie haben mir und meinem Bruder das Eishockey ermöglicht. Sie haben hart geschuftet, um uns das alles zu ermöglichen.» Und was macht Steinmann in seiner spärlichen Freizeit? «Ich habe einen Hund namens Mocca, mit dem ich viel Zeit verbringe. Ich bin auch ab und zu wieder einmal auf dem Golfplatz anzutreffen.»

Ab dem kommenden Wochenende ist er aber vor allem wieder an seinen Lieblingsplätzen: den Eishockeystadien der Schweiz.


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