Neue Mentalität für Emmen

HANDBALL ⋅ Verkehrte Welt in der 1. Liga: Während die Abstiegsrundenteilnehmer Emmen und Muotathal nach oben schielen, setzen die früheren Spitzenteams Dagmersellen und SG Pilatus den Fokus auf den Klassenerhalt.
12. September 2017, 07:50

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

«Es hätte auf beide Seiten kippen können. Wir brauchten Glück.» Heinz Fuhrimann, der Emmer Trainer, zeigte sich nach dem erfolgreichen Start in die 1.-Liga-Saison erleichtert – 32:30 gewann sein Team gegen Herzogenbuchsee. «Wir lagen zwar nie im Rückstand. Trotzdem war es ein typisches Unentschieden-Spiel.» Für sie habe am Ende wohl das breitere Kader gesprochen. «Wir haben mehr wechseln können, der Gegner war müder als wir.»

Für den 55-jährigen Udligenswiler ist damit die Premiere in Emmen geglückt, nachdem er im Sommer die SG Pilatus als U17-Trainer verlassen hatte. «Über den Grund möchte ich nicht sprechen, das ist privat. Ich wäre gerne bei der SG Pilatus geblieben», sagt er nur. In Emmen habe er seine Ansprüche etwas zurückschrauben müssen. «Zehn Jahre habe ich Elite-Junioren trainiert, da kamen immer alle ins Training. Bei den Erwachsenen ist das wegen vieler Verpflichtungen in Beruf und Familie nicht mehr der Fall.» Nach einer durchzogenen Vorbereitung sei man deshalb rund vier Wochen im Rückstand.

Fuhrimann ist sich bewusst, dass er auf dem Papier über eine konkurrenzfähige Truppe verfügt. Neben den beiden Ausländern Goran Djuricin und Luka Ravlija steht neu auch Tomislav Orsolic im Kader – der Rückraumspieler war letzte Saison der Topskorer von Ligakonkurrent Olten. Zudem kam Fabian Häberli von der SG Pilatus. Weitere Spieler verfügen über NLA- und NLB-Erfahrung, darunter Linkshänder Lukas Huwiler. «Wir haben vernünftige Namen bei uns, sicher. Doch ohne Training werden auch die nicht besser», gibt Fuhrimann zu bedenken. Mittlerweile sei die Trainingspräsenz aber in Ordnung, weshalb er mit Zuversicht in die Zukunft blickt: «Wir wollen uns nach vorne orientieren. Generell möchte ich die Mentalität im Verein ändern, es soll eine Leistungskultur Einzug halten. Daran mangelt es nämlich hinten und vorne.» Unter seiner Führung sollen die Emmer, die in der vergangenen Saison erstmals nach einem Aufstieg nicht sofort wieder in die 2. Liga zurückkehren mussten, zu einem Kandidaten auf die Finalrunde werden (Top 4). Fuhrimann weiss aber auch: «Ich darf hier nicht mit dem Hammer dreinschlagen.»

Grosser Umbruch bei der SG Pilatus

Noch grössere Veränderungen gab es bei der SG Pilatus. Die Trainer Tom Helfenstein und Andy Gubler sind weg, Letzterer trainiert nun NLB-Aufsteiger Stans. Mit ihm gingen auch die Spieler Roger Scherer, David Riederer und David Wenger zu den Nidwaldnern. Darüber hinaus stehen Sven und Fabio Hess, Fabian Häberli, Raphael Muff und Samuel Stadelmann nicht mehr zur Verfügung. Der neue Cheftrainer heisst Ralf Stojan, der letzte Saison bei den SPL1-Frauen des BSV Stans freigestellt worden war. Er wird unterstützt vom Krienser NLA-Spieler Peter Schramm. Angesichts des grossen Umbruchs hat der Ligaerhalt beim ehemaligen Spitzenteam oberste Priorität. Der Auftakt immerhin ist geglückt, bei Aufsteiger Leimental gewannen die Luzerner souverän mit 32:22.

Kleinere Brötchen wird in dieser Saison wohl auch der TV Dagmersellen backen. Robert Konecnik, Sven Scheurer und Stefan Peyer haben den Verein verlassen, Flavio Theiler (Rücktritt wegen Hüftproblemen) und Thomas Häfliger (Kreuzbandriss) haben körperliche Probleme. «Es hat sich vieles zum Negativen verändert. Konecnik machte 50 Prozent der Mannschaft aus», bedauert Othmar Buholzer. Er unterstützt den neuen Trainer Sandro Bieri in der Planung und Durchführung der Übungseinheiten, wird nach überstandenem Erschöpfungssyndrom aber nicht mehr auf die Coachingbank zurückkehren. «Es entspricht nicht meiner Philosophie, wenn ich mein Bestes gebe, das aber auf der anderen Seite nicht passiert.»

Dagmersellen muss sich «nach der Decke strecken»

Angesprochen sind die bescheidenen Transferbemühungen des Vereins, das schmale Kader und die «katastrophale» Trainingspräsenz der Spieler. Eine erste Quittung bekamen die Dagmerseller im Startspiel ausgestellt: diskussionslose 15:23-Niederlage in Olten. Wird der Abstiegskampf beim TVD zur Realität? Buholzer dazu: «Wir werden uns sicher nach der Decke strecken müssen, um über die Runden zu kommen.»

In die Finalrunde will derweil der KTV Muotathal, obwohl es auch hier einige Mutationen zu verzeichnen gibt. Fünf Abgänge sind zu verzeichnen, darüber hin­aus fällt Arno Gwerder, der interne Topskorer der letzten Saison, mit einem Kreuzbandriss aus. Aufgefüllt wurde das Kader mit eigenen U19-Junioren. Der Auftakt in die Saison ist gelungen, am Sonntag gewann die Mannschaft von Trainer Hubert Gwerder in Pratteln mit 26:21.

Verkehrte Welt also in der 1. Liga: Während sich die ehemaligen Spitzenteams Dagmersellen und SG Pilatus in erster Linie auf den Klassenerhalt fokussieren, streben die Abstiegsrundenteilnehmer der letzten Saison, Muotathal und Emmen, nach höheren Weihen.

 

Männer. 1. Liga, Gruppe 3, 1. Spieltag: Leimental – SG Pilatus 22:32 (10:15). Emmen – Herzogenbuchsee 32:30 (15:13). Pratteln – Muotathal 21:26 (10:14). Olten – Dagmersellen 23:15 (11:5).

Frauen. SPL1, 1. Spieltag: RW Thun – Yellow Winterthur 29:24 (15:11). Spono Eagles – Kreuzlingen 31:22 (17:11). – SPL2, 1. Spieltag: LK Zug II – Yverdon & Crissier 21:21 (9:9). Goldach-Rorschach – Brühl St. Gallen II 26:30 (15:16). Spono Eagles II – Leimental 22:39 (9:16).

Frauen. 1. Liga, Gruppe 2, 1. Spieltag: LK Zug – Muotathal/Mythen-Shooters 24:29 (13:14). Hochdorf – Einsiedeln 37:29 (17:12). Emmen – Malters 24:24 (13:15).


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