Radquerrennen in Dagmersellen sind Geschichte

CHRÜZBERG ⋅ Das 42. und letztes Radquerrennen am Stephanstag in Dagmersellen: Bei den Männern siegt Lars Forster (Jona), bei den Frauen Sina Frei (Uetikon am See). Ab nächstem Jahr fahren die Querspezialisten nicht mehr am Chrüzberg, sondern ein paar Steinwürfe entfernt in Pfaffnau.
26. Dezember 2017, 19:12

René Leupi

rene.leupi@luzernerzeitung.ch

Sina Frei (Uetikon am See) und Lars Forster (Neuhaus) gehen als letzte Sieger in die Geschichte des Internationalen Quers im Luzerner Hinterland ein. Es war nicht verwunderlich, dass viele der rund 3000 Zuschauer in Wehmut schwelgten, Gespräche mit Worten wie «weisch no» oder «das send no Zite gseh» begonnen wurden und Anekdoten der letzten 42 Jahre die Runde machten.

Ein Mann der ersten Stunde ist Hans Banz. Der Landwirt aus Richenthal war seit dem Start 1975 dabei, 30 Jahre davon als Streckenbauer, am Dienstag als Streckenposten. 400 Pfähle habe er jedes Jahr entlang der 2,7 km langen Strecke eingeschlagen, Hindernisse erstellt und Abschrankungen aufgestellt. Geblieben sind dem heute 72-Jährigen die vielen Kontakte zu den Rennfahrern, er habe drei Generationen miterlebt, von Albert Zweifel bis Francis Mourey. Ans Aufhören denkt Banz aber nicht. «Ich werde auch in einem Jahr in Pfaffnau wieder als Helfer an der Strecke stehen.»

Eine besondere Begebenheit ist Sepp Steiner (67) in Erinnerung geblieben. Es habe sich Ende der 80er-Jahre zugetragen. Guido Winterberg, einer der besten Radprofis dieser Ära, habe damals einen Abstecher auf die Querstrecke gewagt. So weit, so gut. Dass er sich aber kurz vor dem Start mit dem Helikopter habe einfliegen lassen, sei des Guten doch etwas viel gewesen, «auch wenn es nur als Gag gedacht war. Nach zwei Runden hat Guido den Anschluss an die Spitzengruppe verloren.»

Andreas Kurmann, der sportliche Leiter des Strüby-BiXS-Teams, erinnert sich vor allem an das Frauenrennen im Jahr 1986. Damals animierte der heute 62-jährige Willisauer die starke Läuferin und Mountainbikerin Renata Bucher zum Mitmachen. Da sie kein eigenes Querrad besass, lieh er ihr kurzerhand sein Rennvelo und stattete es mit speziellen Reifen aus. Bucher bewies auch Qualitäten im Morast – Sieg der Querspezialistin.

Gehen in Würde statt Sterben in Raten

Ihren vierten Sieg in Dagmersellen verpasste Jasmin Egger-Achermann. Trotzdem zog die 28-jährige aus Gunzwil nach der Zieldurchfahrt und Platz zwei ein positives Fazit. «Ich wusste, dass ich gegen Sina Frei, die aktuelle U23-Weltmeisterin im Mountainbike, keine Chance habe. Sie ist Berufsfahrerin und bestreitet Weltcup-Rennen, ich trainiere wöchentlich nur noch fünf bis sechs Stunden und fahre zum Plausch. Meine Familie hat Vorrang, das werde ich beibehalten», sagt die zweifache Mutter. Es sei einfach speziell gewesen, dieses letzte Rennen in Dagmersellen zu bestreiten, «alle paar Meter von den Zuschauern mit meinem Namen angefeuert zu werden, ist wunderschön.»

Längst nicht alle wussten im Vorfeld, dass Dagmersellen letztmals als Organisator auftrat. Als «Gehen in Würde, bezeichnete die ehemalige OK-Präsidentin Els Gassmann die letzte Austragung am Chrüzberg. Dieses Ende sei besser als ein «Sterben in Raten», gewinnt die 58-Jährige der Derniere eine gute Seite ab. Das Ende in Dagmersellen bedeutet aber nicht das Ende der Querrennen im Luzerner Hinterland. Der eingefleischte Radfan bekommt auch am Stephanstag 2018 internationalen Quersport. Und das nur einige Steinwürfe von Dagmersellen entfernt – in Pfaffnau, der einstigen Radhochburg.

  • Das diesjährige Radquer von Dagmersellen ist das letzte. (© Pius Amrein  (LZ))
  • 3000 Zuschauer waren dabei. (© Pius Amrein  (LZ))
  • Nach 42 Austragungen ist Schluss. (© Pius Amrein  (LZ))

Sina Frei (Uetikon am See) und Lars Forster (Neuhaus) gehen als letzte Sieger in die Geschichte des Internationalen Quers im Luzerner Hinterland ein. Am Dienstag wurde es zum letzten Mal in Dagmersellen ausgetragen.


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