«Shoot!» Spono düpiert Meister

HANDBALL ⋅ Die beiden Topfavoriten auf den Titel geben sich ein erstes Stelldichein. Die Spono Eagles liegen über weite Strecken zurück, schlagen am Ende Brühl aber knapp mit 27:26.
09. Oktober 2017, 09:34

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

17. Minute, Time-out. Trainer Urs Mühlethaler bittet seine Spono Eagles zum Gespräch. Gestenreich erklärt er ihnen, was fortan bitte besser zu funktionieren habe. Mit 4:8 liegen sie zu diesem Zeitpunkt zurück, der LC Brühl hatte den besseren Start erwischt. Am Ende aber siegte Mühlethalers Auswahl mit 27:26 und, in der Rückbetrachtung kam er auf diese Auszeit zu sprechen, die er so impulsiv gestaltet hatte: «Obwohl der Gegner flach stand, versuchten wir immer wieder über die Linie anzugreifen. Ich sagte zu Ivana: Shoot! Spiel nicht an den Kreis. Shoot! Shoot!»

Shoot also, schiess. Und wie sie schoss, die linke Rückraumspielerin, nach dem Seitenwechsel lief Ivana Ljubas zu Hochform auf. Insgesamt sieben Treffer gelangen ihr, womit sie zur Topskorerin ihres Team avancierte. Und doch taten sich die Luzernerinnen weiter schwer mit dem Doublegewinner der letzten Saison. Zur Pause war der Rückstand zwar nur noch minimal (13:14), im zweiten Durchgang wuchs er aber wieder an, nach 39 Minuten hatten die St. Gallerinnen die Viertoredifferenz (15:19) zurückerkämpft. Es war ein Spitzen­duell zweier Protagonisten, die sich auf hohem Niveau und auf Augen­höhe begegneten. Und das gerade so gut an Brühl hätte gehen können. «Glück», sagte Mühle­thaler hinterher, «Glück gehört halt eben auch dazu.»

Neben Ljubas und Glück sprachen weitere Dinge für die Spono Eagles. «In dieser Liga haben wir die Mannschaft mit den meisten Spielerinnen. Wir können wechseln, ohne auf dem Platz einen Unterschied festzustellen», bemerkte Ljubas.

Mühlethaler und seine grosse Werkzeugkiste

Tatsächlich verfügt Nottwil über ein ausserordentliches Kader, gestern schien es, als ob Urs Mühle­thaler eine grosse Werkzeugkiste zur Verfügung hat und jedes Element testen will. Besonders nützlich war Judith Matter, die mit Tempo und Entschlossenheit Lücken in die gegnerische Abwehr riss und vier Mal traf. Linkshänderin Xenia Hodel liess sich durch Rückschläge nicht beirren, schoss immer weiter und hatte in der Schlussphase mit zwei Treffern grossen Anteil am Sieg. Die neue Ausländerin Neli Irman gefiel mit Abgebrühtheit am rechten Flügel und die neue Torhüterin Lea Schüpbach mit elf, teilweise spektakulären Paraden. In der 52. Minute erzwangen die Nottwilerinnen erstmals die Führung (23:22), und diese gaben sie bis zum Schluss nicht mehr her. In einem Spiel, das Mühle­thaler nicht nur wegen des Sieges Freude bereitete: «Das ist Handball, in solchen Partien wird man besser. Davon bräuchten wir pro Saison 30.»

SPL

5. Runde: Spono Nottwil – Brühl St. Gallen 27:26. Yellow Winterthur – LK Zug 17:22. Rotweiss Thun – Herzogenbuchsee 33:16. Kreuzlingen – GC Amicitia Zürich 29:19.

Rangliste: 1. Spono Nottwil 5/10. 2. Brühl St. Gallen 5/8. 3. LK Zug 5/8. 4. Rotweiss Thun 5/6. 5. Kreuzlingen 4/2. 6. Herzogenbuchsee 4/2. 7. Yellow Winterthur 5/2. 8. GC Amicitia Zürich 5/0.

Nottwil – Brühl St. Gallen 27:26 (13:14)

SPZ. – 350 Zuschauer. – SR Sager/Styger. – Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen Nottwil; 4-mal 2 Minuten gegen Brühl. – Spono Nottwil: Schüpbach/Troxler (für 3 Penalties und ab 50.); Irman (5), Hodel (6), Frey (3/2), Ljubas (7), Amrein (1), Ramseier (1); Matter (4), Wyder, Aselmeyer, Calchini, Arnet. – Brühl St. Gallen: Dokovic; Rebecca Kündig (2), Spatz (7), Kerstin Kündig (2), Fudge (5), Murer (1), Ussia, Oberli (2); Mustafoska (6/4), Wenger (1), Schlachter, Özcelik. – Bemerkung: Dokovic pariert Penalty von Wyder (37./14:17).

Yellow Winterthur – LK Zug 17:22 (9:9)

Eulach. – 100 Zuschauer. – SR Castiñeiras/Zwahlen. – Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Winterthur; 1-mal 2 Minuten gegen Zug. – LK Zug: Ort; Egli (1), Gwerder (5/1), Hess, Kähr (1), Müller (3), Ravlic (1), Scherer (8/3), Smitran, Stutz (1), Traber (2), Van Polanen.


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