Von Platz 2600 in die Top 90: Elena Moosmann ist Aufsteigerin des Jahres

GOLF ⋅ Der Weg von Elena Moosmann zeigt in der Weltrangliste der Amateure steil nach oben. Die 15-jährige Zugerin gibt sich bescheiden und nimmt noch viel grössere Ziele ins Visier.
10. Oktober 2017, 09:12

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Die Saison ist so gut wie beendet, am Wochenende hatte Elena Moosmann ihren mutmasslich letzten Einsatz. Rund 45 Kilometer ausserhalb von Paris belegte sie an den internationalen französischen Amateur-Meisterschaften den starken fünften Platz. «Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung, es läuft mir schon das ganze Jahr gut», berichtet die erst 15-jährige Hünenbergerin nach ihrer Rückkehr. In Anbetracht dessen, was sie in jüngerer Vergangenheit geleistet hat, fällt ihr Fazit bescheiden aus. Moosmann ist 2017 nämlich die grosse Aufsteigerin in der Schweizer Golfszene, in der Weltrangliste der Amateurinnen stiess sie von Platz 2600 in die Top 90 vor. «Letztes Jahr wusste ich noch nichts von diesem Ranking», gibt die Zugerin schmunzelnd zu, aus dem Häuschen gerät sie aufgrund ihrer Erfolge allerdings nicht. «Klar hätte ich das im Frühjahr nicht für möglich gehalten, nun hoffe ich, dass meine Klassierung aber noch besser wird», sagt sie mit jener Coolness, die sie auch auf dem Golfplatz auszeichnet.

Siege an der Schweizer Amateur-Meisterschaft, im Championnat International de Suisse und an der Zentralschweizer Meisterschaft, Rang 3 am Girls British Open Championship, Platz 17 an der U19-WM und weitere Topklassierungen an diversen Turnieren zieren heuer ihren Leistungsausweis. Wie ist das zu erklären? «Vielleicht mit dem Trainingscamp im Februar in Florida.» Vier Wochen habe sie mit dem Elitekader der Zentralschweiz an sich arbeiten können, «so war ich von Beginn weg parat». Auch der Support des Golfclubs Ennetsee sei sehr wertvoll.

Allzu viele Gedanken will sie sich über den aktuellen Erfolg aber gar nicht machen. «Ich versuche, nicht immer ans Golfen zu denken, auch zwischen den Schlägen rede ich mit Kolleginnen, bin eigentlich immer gut drauf.» Wenn ihr mal etwas misslinge, lache sie darüber und versuche, gelassen zu bleiben. Manchmal benutze sie auch ein selber kreiertes Schimpfwort, «allerdings nichts Schlimmes». Konkret? «Das sage ich dann doch besser nicht», erwidert sie schmunzelnd.

Erster Auftritt bei den Profis zeigt, wo es noch hapert

Dass es auf dem Golfplatz ernsthafter zu- und hergehen kann, erfuhr sie im Mai, als sie im sanktgallischen Gams erstmals an einem Profiturnier teilnehmen konnte. Elena Moosmann schaffte auf Anhieb den Cut und belegte den 22. Rang. Und was hat sie von den Profis gelernt? «Dass ich mein kurzes Spiel verbessern muss.» Chips und das Verhalten im Bunker etwa seien ausbau­fähig, Ersteres ist ein kurzer Annäherungsschlag auf das Green mit flacher Flugbahn und anschliessendem Rollen, beim Zweiten handelt es sich um mit Sand gefüllte Hindernisse. «Grundsätzlich spiele ich die Bälle noch zu wenig nahe an die Fahne, schaffe so beispielsweise statt einem Birdie nur ein Par.»

Im Minigolf «trocknet» sie früh ihre Eltern ab

Was indes schon richtig gut funktioniere, sei der Abschlag. Dabei gehe sie vorgängig im Kopf jeweils eine Checkliste durch. «Ich messe die Distanz zur Fahne und schaue, in welcher Richtung sie steht.» Auch der Wind und die Neigung des Geländes beeinflussen ihren Entscheid, «wohin ich den Ball am besten spiele». Am Profiturnier durfte sie Coach Marc Campos als Caddie mitnehmen, «er gab mir wertvolle Tipps, beispielsweise für die Wahl des Schlägers bei starkem Wind».

Seit ihrer Platzreife vor fünf Jahren spielt Elena Moosmann aktiv Golf. Auf den Geschmack kam sie dank ihren Eltern, welche diesem Sport ebenfalls frönen. Ihr gefällt es, in der Natur zu sein, zudem habe sie gerade das Putten, die letzten Schläge zum Loch, schon immer fasziniert. «Ich spielte als kleines Mädchen sehr gerne Minigolf und war darin nicht so schlecht», erzählt sie. Davon weiss auch ihre Mutter Erika Moosmann ein Liedchen zu singen. «Anfangs gestanden wir ihr jeweils noch ein paar Schläge mehr zu, bald aber waren wir es, welche diese benötigten. Teilweise hat sie uns richtig abgetrocknet.» Ihre Tochter schätzt sie als sehr bodenständigen Menschen ein, «trotz des Erfolgs bleibt sie nahbar. Wir haben sie nie gepusht, sie will das alles selber machen. Es ist ein Privileg, so etwas mitzuerleben.»

Auch im Unihockey sorgt Moosmann für Präzision

Neben dem Golfen spielt Elena zum Ausgleich Unihockey bei den B-Juniorinnen des UHC Einhorn Hünenberg. Als Stürmerin ist sie auch dort für Präzisionsarbeit zuständig, sie bedient ihre Teamkolleginnen mit Assists oder trifft selber ins Netz. Die grosse Karriere plant sie aber im Golf. Um Schule und Sport noch besser aufeinander abzustimmen, ist sie jüngst von der Sportklasse in Cham an das Sportgymnasium Alpenquai in Luzern gewechselt. Ihr Vorbild ist der Nordire Rory McIlroy («wegen seiner Fitness, seines schönen Schwungs und dem coolen, langen Drive»), ihr Fernziel sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. «Dort möchte ich weit vorne mitspielen. In der Zwischenzeit sollen meine Schwächen zu meinen Stärken werden.» Und, ganz wichtig, «ich will weiterhin Spass am Golfen haben».


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