Spono geht selbstbewusst in den Spitzenkampf

HANDBALL ⋅ Die Spono Eagles starten mit einem 37:16-Sieg gegen GC Amicitia Zürich ins neue Jahr. Vor dem Spitzenkampf in St. Gallen spricht Trainer Urs Mühlethaler über Hallenprobleme, den baldigen Abgang eines Toptalents und seinen auslaufenden Vertrag.
09. Januar 2018, 08:36

Interview: Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Urs Mühlethaler, wie beurteilen Sie den Start mit dem 37:16-Heimsieg am Sonntag gegen GC Amicitia Zürich?

(lacht). So, wie es das Ergebnis ausdrückt. Wenn ich ein Haar in der Suppe suchen müsste, wären es die ersten fünf Minuten. Sonst aber haben wir gut gespielt. Wir sind parat und richtig fit. Wir sind die Fittesten, die taktisch Versiertesten und die in der Breite am besten Besetzten.

Damit sprechen Sie die Situation in der SPL1 generell an.

Genau. Wir wissen, dass es nur zwei Gründe geben kann, weshalb wir ein Spiel verlieren: Entweder haben wir Verletzungssorgen wie vor einem Jahr. Oder wir sind nicht konzentriert genug und machen unseren Job nicht.

Dann spricht nichts gegen die Fortsetzung der Siegesserie am Mittwoch, wenn das Auswärtsspiel gegen die Nummer zwei, Brühl St. Gallen, auf dem Programm steht?

Wir haben eine realistische Chance zu siegen, wir stehen mit 60 zu 40 Prozent in der Favoritenrolle. Uns erwartet aber eine spezielle Herausforderung, weil die Bedingungen erschwert sind. Zum einen ist es ein Mittwochspiel mit einer langen Anreise. Zum anderen spielen wir im Anschluss an die Partie der Schweizer Nationalmannschaft (WM-Qualifikation ab 18.30 Uhr gegen Bosnien, Anm. d. Red.). Das sorgt beim Einlaufen und Einschiessen der Goalies für besondere Umstände.

Sie sagten, Ihr Team sei das fitteste. Haben Sie in der kurzen Winterpause intensiv an der Physis gearbeitet?

Ja, wir haben nochmals viel in unsere Fitness investiert und auch in technischer Hinsicht individuelle Themen bearbeitet. Darüber hinaus spielten wir in Toulon in Südfrankreich zweimal gegen den Gastgeber, weil Xenia Hodel dort zwei Probetrainings absolvierte.

Steht das 19-jährige Toptalent kurz vor dem Absprung?

Noch nicht sofort, aber nächste Saison wird sie für diesen Schritt bereit sein. Sie macht verschiedene Probetrainings, ich bin sehr bemüht, dass sie den richtigen Verein findet. Die Zeichen verdichten sich, dass sie in die Deutsche Bundesliga wechseln wird. Spätestens Ende Januar sollte Klarheit herrschen.

Wie sieht Ihre Zukunft bei den Spono Eagles aus?

Mein Vertrag läuft Ende Saison aus. Gespräche mit dem Sportchef und dem Präsidenten hat es gegeben, schriftlich fixiert ist aber noch nichts.

Tendenz?

Ich gehe nicht davon aus, dass es eine grosse Überraschung geben wird. Meine Arbeit in Nottwil betrachte ich noch nicht als beendet, ich bin noch nicht da, wo ich mit der Mannschaft hin will. Es ist aber gewiss vieles besser geworden, der Verein befindet sich auf einem sehr guten Weg Richtung Leistungssport. In der 1. Mannschaft und auch im Nachwuchs läuft es von der U14 bis zur U18-Equipe super.

Wohin möchten Sie denn die 1. Mannschaft bringen?

Ich will auf diesem Weg weitergehen, so ist er einfach, der Urs. Wenn sich der Verein entscheiden würde, wieder auf den freiwilligen Breitensport anstatt auf den Leistungssport zu setzen, wäre ich der falsche Mann. Ich möchte unser Team international auf einem Level etablieren, damit wir Mittelfeldklubs aus Deutschland und Frankreich schlagen. Aktuell gelingt uns dies gegen das hintere Drittel dieser Ligen.

Wie weit ist dieser Weg noch?

Nicht mehr so weit. Physisch, technisch und taktisch sind wir dabei. Es ist mehr das Selbstverständnis, das noch fehlt.

Wie sieht Ihr Schlachtplan für die kommenden Wochen aus?

Wir haben zwei Schlachtpläne. Der erste sieht Anfang Februar einen Sieg im Cup-Viertelfinal gegen Zug vor, der zweite die schnellstmögliche Qualifikation für den Playoff-Final.

Für Letzteres dürfte mehr als die halbe Miete eingefahren sein. Das drittplatzierte Zug verlor in Thun und liegt bereits acht Punkte hinter den Spono Eagles zurück.

Das betrachte ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits ist es schön, nach elf Runden bereits acht Punkte Vorsprung auf den Dritten zu haben, andererseits spricht das nicht für die Qualität unserer Liga. Ende März dürfte die Entscheidung über die Qualifikation für den Playoff-Final gefallen sein, bis dahin sind es dann aber noch sechs bis acht Wochen. Wie soll ich diese Zeit angehen? Volles Rohr durchziehen oder neue Reize setzen? Vor dem Spiel gegen Zürich haben wir schon mal etwas experimentiert.

Erzählen Sie bitte.

Die Analyse des Gegners und die Abschlussbesprechung hat unsere Linkshänderfraktion mit Neli Irman, Xenia Hodel und Nadja Spaar übernommen. Sie haben zwei, drei Dinge zum Gegner erwähnt, vor allem aber eines festgehalten: dass wir Zürich sehr klar schlagen müssen.

Was bezwecken Sie mit dieser Massnahme?

Es hat etwas mit der Verantwortung gegenüber sich und dem Team zu tun. Die Spielerinnen erheben sich aus dem Stuhl des Konsumenten und beschäftigen sich mit dem Gegner. Aktuell überlege ich mir gerade, welche Spielerinnen die Partie gegen Yellow Winterthur vorbereiten werden (20. Januar, Red.).

Gibt es weitere Themen, die Sie beschäftigen?

Ja, die Probleme mit unserer SPZ-Halle. Wir haben Mühe, sie für Matches und Trainings zu erhalten. Vor uns kommen andere Gruppen dran, gefühlt stehen wir an fünfter oder sechster Stelle. Heimspiele am Sonntag um 19 Uhr sind ein Seich für die Zuschauer und die Spielerinnen. Besser wäre Sonntagnachmittag, am liebsten aber Samstag um 17 Uhr.

Frauen, SPL1

12. Runde. Mittwoch: LK Zug – Yellow Winterthur (19.00, Sporthalle Herti). Herzogenbuchsee – Rotweiss Thun (19.45, Mittelholz). Brühl St. Gallen – Spono Eagles (20.15, Kreuzbleiche). – Freitag: GC Amicitia Zürich – Kreuzlingen (20.15, Saalsporthalle).

Rangliste (alle 11 Spiele): 1. Spono Eagles 22. 2. Brühl St. Gallen 20. 3. LK Zug 14 (+40). 4. Rotweiss Thun 14 (+28). 5. Kreuzlingen 7. 6. Yellow Winterthur 6. 7. Herzogenbuchsee 3. 8. GC Amicitia Zürich 2.


Leserkommentare

Anzeige: