Stans steht mit einem Bein im Unterhaus

HANDBALL ⋅ Die Stanserinnen verlieren die erste Partie der Barrage gegen Herzogenbuchsee zu Hause mit 21:24. Damit droht den Nidwaldnerinnen am Mittwoch der Abstieg in die SPL2.
22. Mai 2017, 08:03

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Wie die Stimmungslage innerhalb eines Vereins doch schwanken kann: Am Samstag machen die Männer des BSV Stans mit einem 25:25-Remis gegen die Seen Tigers den Aufstieg perfekt, feiern frenetisch die Rückkehr in die NLB. Am Sonntag dreht sich die Abwärtsspirale der SPL1-Frauen weiter, in der Relegationsbarrage (best of 3) verlieren sie das Heimspiel gegen das unterklassige Herzogenbuchsee mit 21:24. Wie schon vor einer Woche, als es den direkten Ligaerhalt mit einer Heimniederlage gegen das bereits abgestiegene Basel verspielte, präsentierte sich das Team von Trainer Beat Fellmann auch gestern in einer gebrechlichen Verfassung.

Die erste Halbzeit war noch in Ordnung gewesen, vor allem dank den Toren von Nadja Fellmann führten die Nidwaldnerinnen zur Pause mit 13:11. Nach der Pause und der Spezialbewachung auf Fellmann geriet das Geschehen allerdings zunehmend ausser Kontrolle. Die Abwehr verlor die Aggressivität, der Angriff war ­statisch und ideenlos. Herzogenbuchsee glich in der 34. Minute aus (13:13), machte ebenfalls viele Fehler, legte in der Schlussphase dann aber die entscheidende Differenz.

Ist das Team in sich zerstritten?

Den Stanserinnen war da schon längst jegliches Selbstvertrauen abhanden gekommen, symbolisch herhalten muss in dieser Sache Spielmacherin Gina Perlan­geli, die in Halbzeit zwei den Zugriff auf das Spiel völlig verlor. Letztlich versagte der BSV Stans jedoch als Kollektiv, was Frauen-Sportchef Sepp Kuster mit nachdenklicher Miene zur Kenntnis nahm: «Die Verunsicherung hat alle erfasst.»

Entsprechend bedient war nach Spielschluss auch Trainer Fellmann. «Die Spielerinnen ­machen sich gegenseitig Schuldzuweisungen. Wenn eine einen schlechten Pass spielt, beschwert sie sich über die andere, weil sie falsch gelaufen sei.» Nach dem Spiel redete er in der Kabine Klartext und strich das Training von heute. «Trainieren bringt jetzt nichts, jetzt sollen sie sich wie erwachsene Menschen zusammensetzen und miteinander reden. Wir haben Grüppchenbildungen, irgendetwas stimmt nicht.

Die Mannschaftsverantwortlichen sollen da etwas organisieren, ich habe keine Lust, alles zu diktieren.» Am Dienstag zum Abschlusstraining vor der zweiten Partie am Mittwoch in Herzogenbuchsee (20.00 Uhr, Mittelholz) erwarte er nur jene Spielerinnen, die sich mit aller Kraft und als Mannschaft gegen den Abstieg stemmen wollen. «Vielleicht reisen wir dann nur mit acht Frauen dahin, wir werden sehen. Ich bin gespannt.»

Welt geht bei einem Abstieg nicht unter

Auch wenn das Coaching von Fellmann wie schon gegen Basel nicht überzeugend war (viele personelle Wechsel, aber taktisch unflexibel), steht laut Sportchef Kuster vor allem die Mannschaft in der Pflicht: «Sie hat so viele Matchbälle vergeben, sie ist nun gefordert. Noch ist nichts entschieden.» Am Mittwoch und dann in einer allfälligen dritten Partie am Samstag (17 Uhr, Eichli) brauchen die Stanserinnen zwei Siege, um die Klassenzugehörigkeit in der SPL1 zu wahren.

«Wenn wir diese Barrage nicht gewinnen, sind wir ein verdienter Absteiger», das ist für Kuster ohne Zweifel. Die Welt ginge dann zwar nicht unter, fügte er noch an. Die Stimmungs­lage beim BSV Stans wäre dann ganz zum Schluss der Saison aber doch eine sehr traurige.

Frauen SPL2/SPL1

Auf-/Abstiegs-Playoff SPL2/SPL1 (best of 3). 1. Runde: Stans – Herzogenbuchsee 21:24; Stand 0:1. – 2. Runde. Mittwoch: Herzogenbuchsee – Stans (20.00, Mittelholz). – 3. Runde (eventuell). Samstag: Stans – Herzogenbuchsee (17.00, Eichli).

Stans – Herzogenbuchsee 21:24 (13:11)

Eichli. – 312 Zuschauer. – SR Baumann/Cristallo. – Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Stans, 4-mal 2 Minuten gegen Herzogenbuchsee plus rote Karte für Schneider (54./3-mal 2 Minuten).

Stans: Kaiser/Knüsel (ab 38.); Schardt (1), Flavia Kuster (1), Perlangeli (2/2), Fellmann (6), Kretz, Achermann, Krummenacher (2); Sina Kuster (2), Zimmermann (2), Muff (2), Rossi, Seerup Olesen (3).

Herzogenbuchsee: Steinemann/Witschi; Bieri (1), Lüthi, Baumgartner (5/1), Ingold (5), Hofer (1), Eberhart (3), Schneider, Bircher; Schöni (5), Wälchli (4), Von der Mühll. – Bemerkungen: Kaiser pariert Penalty von Ingold (29./13:11). Perlangeli wirft Penalty neben das Tor (39./15:16).


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