Stans verschenkt den Matchball

HANDBALL ⋅ Stans verliert gegen Basel mit 17:19 und muss in die Relegationsbarrage. Die Verfassung der Nidwaldnerinnen vor dem Duell mit Herzogenbuchsee ist bedenklich.
15. Mai 2017, 04:38

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Welch überschäumende Emotionen. Die Spielerinnen tanzen nach dem Fehlschuss des Gegners in der letzten Sekunde im Kreis, können ihr Glück kaum fassen. Der Ligaerhalt ist auf sicher, die Saison beendet. Die Krux an der Sache: Es ist nicht der BSV Stans, der dies am letzten Wochenende erlebte, sondern dessen engster Rivale, der HSC Kreuzlingen. Auswärts gegen Yellow Winterthur sicherten sich die Ostschweizerinnen am Samstag ein 24:24-Remis und zogen am finalen Spieltag der SPL1-Abstiegsrunde an Stans vorbei.

Sie nutzten damit die Steilvorlage, die ihnen die Nidwaldnerinnen am Freitag geliefert hatten. Sie verloren nämlich zu Hause gegen den bereits feststehenden Absteiger aus Basel mit 17:19 und vergaben damit den Matchball. Nun müssen sie in der Relegationsbarrage eine Extraschlaufe drehen, in einer Best-of-3-Serie treffen sie auf Herzogenbuchsee, welches die SPL2-Saison auf Rang 2 beendete.

Trainerstaff mit unglück­lichen Entscheidungen

Eigentlich hatte gegen Basel alles gut begonnen, Stans führte in der ersten Halbzeit mit bis zu vier Toren. Nach dem Seitenwechsel gelang indes fast gar nichts mehr. Die Mannschaft verlor die Stabilität in der Abwehr und die Durchschlagskraft im Angriff, wie paralysiert schickte sie sich in die Niederlage. In der 45. Minute ging Basel erstmals in Führung (13:14) und brachte den Erfolg ohne grössere Probleme ins Ziel. «Die Spielerinnen hatten Angst vor dem Verlieren, jede übergab die Verantwortung an die andere, ohne die verletzte Barbara Schiffmann haben wir keine Anführerin», stellte Trainer Beat Fellmann konsterniert fest.

Nicht nur das Team, auch der Staff machte einen unglücklichen Job. Da war Torhütertrainer Peter Lang, der zur Pause Goalie Daniela Kaiser durch Sara Knüsel ersetzte. Kaiser hatte in den ersten 30 Minuten eine Abwehrquote von fantastischen 53 Prozent, einen Keeper mit einem solchen Leistungsausweis sollte man im entscheidenden Spiel nicht auswechseln. Knüsel hingegen bekam keinen Ball zu fassen und verliess das Feld nach einer Viertelstunde wieder – zu einem Zeitpunkt, als die Wende bereits vollzogen war. Chefcoach Fellmann wirkte derweil derart hilflos, dass er im Angriff zu viele Wechsel vornahm, «ich musste doch irgendetwas machen», sagte er später mit Blick auf die Harmlosigkeit seiner Offensive. Symptomatisch war, dass Fellmann sein zweites Time-out erst 63 Sekunden vor Schluss und damit beim Stand von 17:19 reichlich spät nahm. Wie sein Team wirkte auch er wie gelähmt, «was hätte ich mit einem früheren Time-out denn noch bewirken sollen?».

Fest steht: Staff und Mannschaft müssen sich beträchtlich steigern, wenn sie den Abstieg nach drei Saisons in der SPL 1 verhindern wollen. Fellmann ging mit gutem Beispiel voran, machte sich am Samstag nach der Kunde aus Winterthur sofort auf den Weg nach Nottwil, um Herzogenbuchsee zu beobachten. Der Horwer, der Stans interimistisch bis Saisonende führt, zeigte sich trotz des ernüchternden Auftritts zuversichtlich: «Herzogenbuchsee deckt im 3:2:1-System, und im Angriff dreht sich alles um Sarah Baumgartner. Dieser Gegner ist berechenbarer, als es die letzten waren.» Fellmann weiss aber auch: «Meine Spielerinnen müssen aufstehen und zeigen, dass sie den Ligaerhalt wirklich schaffen wollen.»

Sechs Abgänge in Stans

Wer Stans nächste Saison trainiert, ist weiterhin offen, laut Frauen-Sportchef Sepp Kuster sei man sich mit einem Nachfolger für Interimscoach Beat Fellmann aber praktisch einig. Stans verlassen werden darüber hinaus die Spielerinnen Lea Krummenacher (zu GC Amicitia), Barbara Schiffmann, Gina Perlangeli, Ingrid Pless (alle Rücktritt), Steffi Seerup Olesen (zurück nach Dänemark) und Sara Knüsel (voraussichtlich 2. Mannschaft). Neu dazu stösst die Isländerin Harpa Jonsdottir (Kreis), «zudem suchen wir noch einen Goalie und eine Rückraumspielerin, vorzugsweise eine Linkshänderin», sagt Kuster. Die Nidwaldnerinnen unterziehen sich damit einer Verjüngungskur, werden in Zukunft noch vermehrt auf die von Tobias Scheuteri vorzüglich ausgebildeten U18-Juniorinnen wie Seline Zimmermann, Sina Kuster und Sarah Rossi zurückgreifen.

 

Stans – Basel 17:19 (11:8)

Eichli. – 323 Zuschauer. – SR Hennig/Meier. – Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Stans, 6-mal 2 Minuten gegen Basel. – Stans: Kaiser/Knüsel (31. bis 45.); Schardt (1), Flavia Kuster (4), Perlangeli (2/2), Fellmann (2), Kretz (2), Achermann (1), Krummenacher; Sina Kuster (1), Zimmermann (3), Seerup Olesen (1/1), Pless, Odermatt. – Basel: Ort; Zingg (1), Senn (2), Waldis (2), Estermann (3), Nyffenegger (4), Mezei (3/2); Rietmann, Cibula (3), Scherb (1). – Bemerkungen: Mezei wirft Penalty über das Tor (14./5:4). Ort pariert Penalty von Perlangeli (25./10:8) und Flavia Kuster (37./12:11). Seerup Olesen wirft Penalty neben das Tor (56./17:19). Kaiser pariert Penalty von Scherb (57./17:19).


Leserkommentare

Anzeige: