Team und Taktik gegen Annen

TRIATHLON ⋅ Bei den Europameisterschaften in Kitzbühel konnte sich die Urnerin Jolanda Annen den sechsten Rang sichern. Sie scheiterte bei einer Verfolgungsjagd am starken britischen Team.
20. Juni 2017, 04:39

Reto Achermann

redaktion@urnerzeitung.ch

Als Jolanda Annen am vergangenen Freitag, 16. Juni, in Kitzbühel (Österreich) um Punkt 16 Uhr in den Schwarzsee sprang, waren ihre persönlichen Erwartungen an die kommenden zwei Stunden sehr gross. Nichts anderes als eine EM-Medaille erhoffte sich die Schattdorferin vom Elite-Rennen über die olympische Distanz.

Das Schwimmen verlief wie erwartet. Der Britin Jessica Learmonth gelang es, sich zusammen mit der Italienerin Alice Betto und der Russin Anastasia Gorbunova abzusetzen. Eine weitere Britin, Sophie Coldwell, folgte 25 Sekunden später als erste Verfolgerin. 25 weitere Sekunden später nahm Jolanda Annen zusammen mit der britischen Titelverteidigerin India Lee die Verfolgung auf.

Annens Schwimmen verlief sehr erfolgreich, konnte sie die weiteren Favoritinnen Claire Michel (BEL), Vendula Frintova (CZE) und Sara Vilic (AUT) deutlich distanzieren. Trotzdem war die Rennkonstellation sehr ungünstig, was sich im Rennverlauf deutlich widerspiegeln sollte.

Britinnen hindern Annan am Aufholen

Die Führende Learmonth fuhr gemütlich los und wartete auf ihre Teamkollegin Coldwell. Danach gaben die beiden starken Radfahrerinnen Vollgas. Ihr einziges Ziel war es, Jolanda Annen nicht an ihre Gruppe heranfahren zu lassen. Annen gab derweil auf den ersten Kilometern alles. Es gelang ihr, auch den Abstand auf die Spitze auf 20 Sekunden zu reduzieren. Die dritte Britin, India Lee, stellte sich voll in den Dienst ihrer führenden Teamkolleginnen und behinderte Annen immer wieder, was mit fortschreitender Renndauer immer mehr Wirkung zeigte.

Nach 25 Kilometern war klar: Trotz Bemühungen schaffte Annen den Anschluss nicht. Sie stellte nun ihre Taktik um und liess sich ins Feld zurückfallen, um mit vereinten Kräften den Rückstand von inzwischen 90 Sekunden in Grenzen zu halten. Zum Leid von Annen arbeitete das Feld überhaupt nicht gut zusammen.

Die vier Führenden, Learmonth, Coldwell, Betto und ­Gorbunova, nahmen den 10000-Meter-Lauf mit über 2? Minuten Vorsprung in Angriff. Annen wusste, dass sie beim Laufen auf die Führenden zwischen 1? und 2 Minuten gut machen konnte und gab nochmals alles. Zusammen mit den Österreicherinnen Lisa Perterer und Sara Vilic, der Tschechin Ven­dula Frintova und der Belgierin Claire Michel nahm Annen die Verfolgung auf. Der Rückstand reduzierte sich von Runde zu Runde. Doch es sollte nicht mehr für eine Medaille reichen. Annen hat ein grossartiges Rennen gezeigt und darf mit ihrer Leistung sehr zufrieden sein. Sie war die wohl aktivste Athletin im Rennen. Wegen der Teamstärke und der Taktik der Britinnen sollte ihr aber eine Medaille verwehrt bleiben.


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