Marc Stutzmann triumphiert beim O-Tour Bike Marathon – Martin Fanger wird Dritter

MOUNTAINBIKE ⋅ Mit einer Tempoverschärfung oberhalb von Flüeli-Ranft versucht der Obwaldner Martin Fanger die Marathon-Spezialisten zu düpieren. Am Ende wird er jedoch ein Opfer seiner Taktik.
10. September 2017, 20:22

Martin Platter

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Tief über den Lenker gebeugt, wuchten die Mountainbiker die steilen Rampen bei Schwandi hoch. Die Gesichter sind gezeichnet von Nässe, Schmutz und Schweiss. Es geht um die Entscheidung auf der langen Strecke des O-Tour Bike-Marathons. 86 Kilometer mit beschwerlichen 3000 Höhenmeter, die das nasse Wetter am Sonntag vor allem in den langen Abfahrten besonders tückisch gemacht haben. Zwar hat der Regen kurz vor dem Start morgens um acht endlich aufgehört. Während der rund vierstündigen Schinderei ist jedoch immer mal wieder Nieselregen und Nebel präsent.

Das Gros der 750 Teilnehmer schien das feuchte Wetter aber nicht sonderlich zu stören. Am Sonntagmorgen kurz vor dem Start gab es noch etliche Nachmeldungen. Die Rennen wurden durch die nassen und glitschigen Verhältnisse auf allen Distanzen zwar etwas langsamer aber keineswegs weniger animiert. Schon in der ersten Steigung zur Lütholdsmatt trennte sich unter dem Tempodiktat von Garmin-Bike-Marathon-Classics-Leader Adrien Chenaux die Spreu vom Weizen. Das Feld der Langstreckenfahrer zog sich in die Länge und splitterte sich mit zunehmender Distanz auf. Kaum bogen die Fahrer bei Richmettlen allerdings erstmals ins unbefestigte Gelände ab, musste Chenaux kapitulieren. Als früherer Strassenfahrer mag er es nicht gerne rutschig. In der Folge bildete sich eine Spitzengruppe ohne Chenaux aber mit allen weiteren Favoriten, was den Romand am Ende das Leadertrikot kosten wird: Schweizer Meister Konny Looser, Hansueli Stauffer, Oliver Zurbrügg, sowie Eiger-Bike-Challenge-Sieger Marc Stutzmann und der in Genf wohnende «Exil-Obwaldner» Martin Fanger. Gemeinsam nahm das Quintett das «Flachstück» zwischen Pilatus und Ächerlipass in Angriff und teilte sich die Führungsarbeit. Das hatte zur Folge, dass sich die Rückstände der Verfolger rasch vergrösserten. Auf dem Singletrail oberhalb von Flüeli-Ranft versuchte Fanger seine Gegner mit einer Tempoverschärfung zu überraschen. Doch das Vorhaben scheiterte.

Bei Angriff zu viel Kraft vergeudet

Gemeinsam ging es in die eingangs beschriebene Rampe, die schliesslich in die Ächerlipassstrasse mündet. Fanger versuchte das Tempo des Führenden Marc Stutzmann zu halten, bis dieser nochmals zusetzte und sich kontinuierlich von seinen Begleitern löste. Zentimeter um Zentimeter konnte sich der Berner aus der Fünferspitze absetzen. Einzig Stauffer vermochte noch einen Moment mitzugehen. Gemeinsam erreichten sie noch die Passstrasse. Doch bei der ersten Kehre musste auch er Stutzmann ziehen lassen. Stauffer wird das Ziel schliesslich als Zweiter hinter Stutzmann erreichen. Dritter wird Fanger, der sich im Ziel gelassen gibt: «Natürlich wollte ich gewinnen und habe es auch versucht. Mit meinem Angriff bei Flüeli-Ranft habe ich aber zu viel Kraft vergeudet, die mir am Ende fehlte. Was soll’s. Der Beste sollte gewinnen. Das war ich diesmal nicht ganz.»

Trotz der garstigen Bedingungen habe das Rennen Spass gemacht. «Von meinen Trainingsfahrten kenne ich jeden Meter der Strecke und wusste deshalb genau, wo ich wegen der Nässe aufpassen musste», erklärte Fanger. Er wird zum Saisonabschluss nun noch einen Marathon in Südfrankreich fahren. Dann gibt’s eine Pause, ehe das Wintertraining beginnt. Um neue Reize zu setzen, wird er auch einige Einheiten auf der Radrennbahn bestreiten. «Ich wohne in Genf gleich neben der Rennbahn. Da ist es naheligend, auch ein paar Rennen auf der Bahn zu fahren», so Fanger.

Mit dem Kernser Norbert Amgarten hat in der Fun-Kategorie ein Lokalmatador sogar gewonnen. Nicht nur das: Da der bisherige Führende David Tschanz gleich von zwei Reifendefekten gebremst wurde, löst ihn Amgarten als Garmin-Bike-Marathon-Classics-Leader ab. Amgarten konnte die Marathon-Serie in seiner Kategorie bereits im Vorjahr für sich entscheiden.

O-Tour Obwalden

Männer (86 km): 1. Marc Stutzmann (Rüfenacht, BE) 3:55:16. 2. Hansueli Stauffer (Sigriswil) 13 Sekunden zurück. 3. Martin Fanger (Genf) 3:17. 4. Konny Looser (Hinwil, ZH) 5:22. 5. Oliver Zurbrügg (Wil­derswil) 7:49. 6. Emeric Turcat (Lausanne) 9:26. 7. Roger Jenny (Jenaz) 11:24. 8. Andreas Moser (Madiswil) 11:25. 9. Antonin Mercaille (Fr) 12:35. 10. Philipp Gerber (Aeschi b. Spiez) 13:05.

Frauen (86 km): 1. Esther Süss (Küttigen) 4:49:52. 2. Cornelia Hug (Amsoldingen) 14:00. 3. Florence Darbellay (Neuchâtel) 15:15. 4. Andrea Ming (Neerach) 22:10. 5. Jeanette Persson (No) 22:42.

Männer (45 km): 1. Jeremias Marti (Gettnau) 2:10:35. 2. Jonas Stoll (Osterfingen) 3:35. 3. Fadri Baradun (Samedan) 4:20. 4. Remo Fischer (Oberhallau) 4:54. 5. Silvan Kälin (Unteriberg) 7:05.

Frauen (45 km): 1. Michèle Wittlin (Liestal) 2:38:14. 2. Alessia Nay (Zizers) 10:24. 3. Tanja Blickenstorfer (Horgen) 14:48.

Resultate auf: www.o-tour.ch


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