«Unsere Arbeit deckt die Realität auf»

EISHOCKEY ⋅ Die Statistik zeigt die Stärken und die Schwächen jedes einzelnen Spielers auf. Beim Swiss-League-Team der EVZ Academy sind drei Personen für diesen Bereich zuständig. Ihre Erkenntnisse sind offensichtlich von Erfolg gekrönt.
13. Februar 2018, 04:40

Michael Wyss

sport@zugerzeitung.ch

«Eishockey ist meine Leidenschaft, und ich bin ein grosser EVZ-Fan. Das Amt des Statistikers übe ich mit viel Herzblut aus», sagt Daniel Nützi (55). Der selbstständige Unternehmer aus Arth gehört seit Herbst 2017 dem Staff der EVZ-Academy an. Nützi ist Teil des Statistikerteams, das derzeit aus drei Personen (Adrian Holdener, Diego Castiglioni und ihm) besteht.

Nützi stand am vergangenen Freitagabend im Spiel zwischen der EVZ Academy und den GCK Lions (8:1) mit Castiglioni im Einsatz. Zusammen beobachteten sie das Spiel von der Pressetribüne in der Bossard-Arena aus und führten Statistik. Castiglioni ist seit der Gründung der Academy im 2016 dabei. «Die Arbeit macht mir immer noch Spass wie zu Anfangszeiten. Es ist eine spannende und intensive Zeit. Gerade während der Partien muss man sehr konzentriert sein. So nahe beim Team zu sein und mit dem Trainerstaff in so engem Kontakt zu stehen, ist schon speziell», sagt er.

Der 39-Jährige, der in Steinhausen wohnt und in der Malerbranche arbeitet, sagt: «Ich habe früher selber einmal im EVZ-Nachwuchs Eishockey gespielt und verstehe etwas davon. Das ist sicher vorteilhaft, aber nicht zwingend, für die Ausübung dieser Arbeit.» Momentan ist man bei den Vereinsverantwortlichen noch auf der Suche nach einer vierten Person, die Statistik führt. «Um alle Spiele abdecken zu können, sind vier Personen wünschenswert», weiss Castiglioni.

Diese Funktion üben die Statistiker nicht in einem Voll- oder Teilzeitpensum aus: «Wir bekommen für die Saison einen Pauschalbetrag. Wie gesagt, steht die Leidenschaft im Vordergrund, sicher nicht die Entlöhnung», ist Daniel Nützi überzeugt. Dass dies so ist, zeigt das Beispiel eines Auswärtsspiels: «Wenn wir in Visp spielen, fahren wir um 13 Uhr in Zug ab und kehren erst gegen 3 Uhr am nächsten Morgen zurück. Da musst du einfach ein bisschen verrückt sein», sagt der Arther lachend.

Im Austausch mit den Trainern

Was machen die beiden genau während der Spiele? Castiglioni erklärt: «Wir konzentrieren uns unter anderem auf die Schüsse, die abgegeben werden, oder auf die Bullys, die gewonnen und verloren werden. In den Drittels­pausen zeigen wir unsere Auswertung dem Trainerstaff. Die Statistik zeigt den Verantwortlichen eins zu eins, wo die Stärken und die Schwächen liegen. Unsere Arbeit deckt die Realität auf.»

Die Statistik hat auch ihre Tücken, weiss Castiglioni: «Sicher ist sie nicht immer förderlich für einen jungen Spieler, gerade wenn er ein schlechtes Spiel zeigte und Minuswerte hat. Er weiss aber auch, wo er den Hebel ansetzen muss, was ihn ja letztendlich auch in seiner Entwicklung weiterbringt.»

Die EVZ Academy steht erstmals in den Playoffs (siehe Box). Worauf ist das aus der Sicht der Statistiker zurückzuführen? «Anhand der Statistik ist das schwer zu beurteilen. Wenn ich aber die Resultate betrachte, absolut. Ich stelle eine gewisse Konstanz fest. Dass die Academy bereits in der zweiten Saison nach der Gründung die Playoff-Qualifikation schaffte, ist sensationell», meint Nützi. Castiglioni sagt: «Es spricht für die professionelle Arbeit, die in der Organisation geleistet wird. Der achte Rang ist sicher kein Zufallsprodukt.»


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