Vom Fast-Konkurs zum Vorzeigeverein

UNIHOCKEY ⋅ Am kommenden Samstag startet der Aufsteiger Zug United in die neue NLA-Saison. Dass auch auf höchstem Level gespielt wird, ist vor allem einer Person zu verdanken: Hans Bachmann (55). Der einstige Retter des Vereins verfolgt nun grosse Pläne für die Zukunft.
12. September 2017, 08:04

Ruedi Burkart

sport@zugerzeitung.ch

13 Jahre ist es her, dass die Vereinigung Zug United aus der Taufe gehoben wurde. Mit dem Ziel, die talentierten Unihockeyspielerinnen und -spieler in der Zentralschweiz gezielt zu fördern und unter einem Dach zu versammeln, schlossen sich die Vereine Astros Rotkreuz, Einhorn Hünenberg, Zuger Highlands, Inwil-Baar und Zugerland zusammen. Schön und gut. Doch sechs Jahre später hatten sich bei Zug United 60000 Franken Schulden angehäuft – in dieser Sportart eine immense Summe. Der Verein stand kurz vor dem Bankrott.

Da erbarmte sich im Dezember 2010 der Rotkreuzer Nachwuchstrainer Hans Bachmann und übernahm als Interimspräsident die Geschicke von Zug United. Dass es damals dermassen schlecht um die Finanzen stand, wusste er nicht. «Wenn mir das ganze Ausmass des Debakels damals bekannt gewesen wäre, hätte ich das Amt des Präsidenten wahrscheinlich gar nicht erst übernommen», sagt er. Erst über ein Jahr nach seinem Amtsantritt – an der GV im Juni 2011 wurde er zum regulären Vorstandsvorsitzenden gekürt – hatten Bachmann und sein Team sich einen Überblick verschaffen können. Bachmann schmunzelt: «Viel später ist mir zu Ohren gekommen, dass damals Wetten abgeschlossen wurden, wie lange ich das wohl durchziehen würde.»

Er füllt mehrere Ämter aus

Seit jener legendären Generalversammlung sind über sechs Jahre ins Zugerland gezogen. Bachmann hat den Bettel nicht hingeworfen und die Klubfinanzen sind längst wieder im Lot. «Aktuell weisen wir ein Vermögen von 40000 Franken aus», sagt Bachmann stolz. «Sein» Zug United untergehen zu lassen, das hätte ihm wohl das Herz gebrochen. Seine drei Söhne Adrian, André und Pascal spielen bei den Zugern, zudem alimentiert Bachmann den Verein als einer der grossen Sponsoren mit dem ­Familienunternehmen Anton Bachmann AG in Rotkreuz.

Bachmann stand Zug United von 2011 bis 2014 sowie von 2015 bis zur Generalversammlung 2016 mit Patrick Trachsel im Co-Präsidium vor. Seit 2012 schaut Bachmann zudem als Finanzchef zum Rechten. Aktuell ist er Vizepräsident und wird auf der ­Vereinshomepage aufgelistet als Hallenchef, Spielsekretär sowie Mitglied der Turnierorganisation. «Ohne dich, Hans, läuft der Laden hier nicht», ruft ein Vereinsmitglied während des Interviews beim Vorbeigehen an den Tisch der Zuger Stadthalle und prostet «dem Hans» mit einem Glas Mineralwasser zu.

Vor einem Jahr löste Patrick Trachsel an der Generalversammlung Hans Bachmann an der Spitze des Vereins als alleiniger Präsident ab. Der frühere Spitzenhandballer Trachsel, auch er mit der Firma Axapharm ein Sponsor des Vereins, prägte damals den Begriff «Bachmann United» und hätte damit kaum treffender die Bedeutung von Hans Bachmann für den Verein beschreiben können. «Hans ist ein Perfektionist. Er hält auch nach all den Jahren gerne die Fäden in der Hand. Bei ihm muss alles so klappen, wie er es will. Und das klappt dann auch», sagt Trachsel. Dass nicht immer alle Beteiligten mit der Art von Bachmann klarkommen, kann Trachsel durchaus nachvollziehen. «Hans ist in erster Linie ein ganz feiner Mensch, ein guter Freund. Aber bei ihm schimmert immer wieder seine Vergangenheit als Feuerwehrkommandant durch. Es wird so gemacht, wie er es will. Punkt und Schluss. Hans ist ein Tüpflischisser – und das meine ich im positiven Sinne.» Kein Wunder, amtet Bachmann jeweils im Juli für eine Woche als gestrenger Quartiermeister im Prager Hotel, in welchem die rund 350 Innerschweizer Nachwuchs-Unihockeyaner während der Prague Games logieren.

Eine reine Unihockeyhalle?

Sportlich läuft es den vereinigten Zugern hervorragend. Das Fanionteam schaffte die Rückkehr in die Nationalliga A, alle drei Juniorenteams spielen in der höchsten Klasse, die Frauen spielen auch in der höchsten Spielklasse, und die U21-Juniorinnen immerhin in der zweithöchsten Liga. Alles super also kurz vor dem Saisonstart? «Grundsätzlich sind wir natürlich zufrieden mit der Entwicklung des Unihockeys in unserer Region», sagt Bachmann. Die aktuelle Hallensituation ist hingegen höchstens suboptimal. Ein Beispiel: Das NLA-Team muss drei seiner Heimspiele in Unterägeri austragen, und die Partien in der Stadthalle finden immer wieder zu einer anderen Zeit statt.

Doch jammern mögen weder Bachmann noch Trachsel. Denn eine Lösung ist in Sichtweite. Trachsel: «Wenn die neue Kantihalle im Frühling 2019 eröffnet wird, ist dies unsere Heimhalle.» Und was ist mit einer eigenen Unihockeyhalle, analog der Beispiele in Köniz und Zürich? Trachsel lächelt: «Nun, es gibt da tatsächlich den einen oder anderen Visionär im Umfeld unseres Vereins, der diesem Thema wohlgesonnen ist.» Wenn man Land im Baurecht kriegen könnte, ja dann wäre vieles denkbar. Trachsel: «Eine solche Halle würde wohl um die fünf Millionen Franken kosten. Ich denke mal, diesen Betrag würden wir auf privater Basis zusammenbringen.»

Bis die Idee von einem «Zug United Dome» spruchreif ist, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Eine andere Neuerung hin zur Professionalisierung ist hingegen bereits abgesegnet: Zug United stellt auf die Saison 2018/19 einen vollamtlichen Geschäftsführer ein.


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