Zuger sorgen für frischen Wind

SEGELN ⋅ Regionale Akteure haben in der zu Ende gegangenen Saison für Aufsehen gesorgt. Gleich zwei Mitglieder des Segelclubs Cham wurden an die Verbandsspitze gewählt. In der Optimisten-Klasse gab es an der Schweizer Meisterschaft einen Zuger Doppelsieg.
10. Oktober 2017, 09:13

Walter Rudin

sport@zugerzeitung.ch

Die Saison 2017 startete mit einem Paukenschlag. Eine Gruppierung von engagierten Seglern, darunter auch zwei Zuger, wollten den Zentralvorstand des Schweizer Seglerverbandes ersetzen. Der Auslöser war, dass eine Strukturreform von der Verbandsspitze nur teilweise umgesetzt wurde. Christoph Caviezel und Alberto Casco, beide vom Segelclub Cham, gehörten zu den sieben Persönlichkeiten aus allen Landesteilen, die eine aussergewöhnliche Generalversammlung erzwungen haben. Es ist ihnen gelungen, die Delegierten der Schweizer Segelklubs mit ihren Anliegen zu überzeugen. Christoph Caviezel ist jetzt im Zentralvorstand von Swiss Sailing für den Bereich Marketing/Kommunikation verantwortlich und wurde zudem Vizepräsident, Alberto Casco hat das Ressort Leistungssport übernommen.

In den Chamer Architekten Casco werden grosse Hoffnungen gesetzt, den Schweizer Seglerverband international zu noch mehr Erfolgen zu führen. Dass er diese Qualitäten besitzt, hat er als Präsident von Swiss-Optimist bewiesen. Er hatte schon vor Jahren die besten Trainer in die Schweiz geholt und dafür gesorgt, dass die kleinen Optimisten-Segler zur Weltspitze aufschlossen. Zwei Weltmeistertitel holten die jungen Segler unter seiner Präsidentschaft in die Schweiz. Es ist ihm zuzutrauen, dass er die Spitzensegler so professionalisieren kann, dass die Schweiz schon bald auch mit olympischen Medaillen rechnen kann.

Der Segelclub Cham ist spitze

Casco hatte schon die Juniorenabteilung des Segelclubs Cham intensiv gefördert. Es gibt wohl in der Schweiz kaum einen andern Club, der über so viele erfolgreiche junge Segler verfügt. Bei der zentralisierten Juniorenmeisterschaft Ende September in Ascona konnten die kleinen Segler mit den Optimisten-Jollen ­sogar einen Doppelsieg landen. Maxime Thommen aus Steinhausen, der fortan nicht mehr für Cham, sondern für den YC Zug segelt, holte in überlegener Manier den Meistertitel. Der 13-Jährige gilt als grosse Hoffnung für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr. Vizemeister wurde Maxim Dneprov, er konnte trotz einer Disqualifikation im ersten Lauf noch Zweiter werden. Aber auch die etwas älteren Junioren konnten sich in Szene setzen. Dank guten Resultaten während dieser Saison konnten sich Livio Erni mit seinem Berner Partner Florian Geissbühler und das Chamer Duo Achille Casco/Manuel Herbst auf der 420er-Jolle für die Junioren-Europameisterschaft in Riva am Gardasee qualifizieren.

Es gab auch zu feiern in Cham. Mit einer Wanderregatta, bei der alle Nachbarklubs am Zugersee besucht wurden, beging der Verein sein 70-jähriges Bestehen. Mit dem Barrique Cup, einer Oldtimer-Regatta, die jeweils am 1. August stattfindet, lassen die Chamer die alten Traditionen hochleben. 20 Nostalgieschiffe, natürlich alle aus Holz, trafen sich dieses Jahr bei herrlichem Wetter zu diesem speziellen Wettkampf.

Ein Zuger konnte sich diese Saison auch bei den Elite-Seglern als Meister feiern lassen. Peter Müller holte zusammen mit den Brüdern Monnin aus Immensee den Titel in der Surprise-Klasse. Auf dem Urnersee vor Brunnen gelang es ihnen, sich gegen starke Konkurrenz aus der Romandie durchzusetzen. Auf dem Ägerisee wurde Mitte September der Meister­titel in der Tempest-Klasse vergeben. Der Segelclub Ägeri organisierte diesen Anlass hervorragend und hätte auch bald eine Medaille im Ägerital behalten können. Das einheimische Duo David und Mike Forrer wurde erst im letzten Rennen vom Podest verdrängt.

Mühe, gewisse Klassen zu füllen

Eine weitere Schweizer Meisterschaft hätte in Zug stattfinden sollen. Diese musste allerdings abgesagt werden, weil sich nur acht Blu-26-Jachten angemeldet hatten. Damit zeigt sich auch in dieser Region der Trend, dass immer mehr Bootsklassen Mühe haben, genügend grosse Regattafelder zu stellen. Die Schweizer Segelliga (siehe Box) konzentriert immer mehr Segler auf sich, dort wird mit dem Einheitsboot J/70 gesegelt. Der Zugersee ist in der nächsten Swiss Sailing League weiterhin durch zwei Klubs vertreten, wenn auch leider keiner mehr in der höchsten Spielklasse dabei ist. Die Junioren werden aber bestimmt wiederum mit tollen Ergebnissen auch auf dem internationalen Parkett auf sich aufmerksam machen.

Nächstes Jahr ein Nachbarduell

Bei den vielen Erfolgen der Zuger Segler in dieser Saison gibt es doch einen Dämpfer. Der Yachtclub Zug konnte am Final der Swiss Sailing Super League den Abstieg nicht verhindern (Ausgabe vom 3. Oktober). Zug wird nächstes Jahr Gegner des Segelclubs Cham, der den Ligaerhalt im letzten Event noch sichern konnte. Dem Skipper Philippe Erni, der aus beruflichen Gründen bei den meisten Events nicht dabei sein konnte, ist das Kunststück gelungen, den Final der Challenge League auf dem kleinen Davosersee zu gewinnen und damit den sicher geglaubten Abstieg noch zu verhindern. Für spannende Duelle YC Zug – SC Cham wird in der Saison 2018 sicher gesorgt. (wr)


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