BSV Stans hat zwei neue Trümpfe im Abstiegskampf

HANDBALL ⋅ Der BSV Stans verliert zu Hause gegen Solothurn mit 22:24 und bleibt am Tabellenende der NLB stecken. Die neuen Ausländer Nikola Perovic und Fernando Skrebsky Dutra sorgen im sportlichen Überlebenskampf dennoch für Hoffnung.
05. Dezember 2017, 08:50

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Andy Gubler, der Trainer des BSV Stans, hatte es in unserer Zeitung angekündigt: Der Verein sucht im Rückraum nach Verstärkung, zu dünn ist die Personaldecke in diesem Bereich. Mittlerweile haben die Nidwaldner Nägel mit Köpfen gemacht: Der Serbe Nikola Perovic und der Brasilianer Fernando Skrebsky Dutra, beide 25-jährig, sind bis Ende Mai 2018 unter Vertrag genommen worden. Zweimal wurden sie bereits eingesetzt, in Baden (24:27) und Solothurn (22:24) kamen die Stanser dennoch nicht über ehrenvolle Niederlagen gegen NLB-Spitzenteams hinaus.

Am letzten Samstag, im Heimspiel gegen Solothurn, wurde ihnen ein Fehlstart zum Verhängnis. Nach 14 Minuten lag der BSV mit 2:11 im Rückstand, weil dem Gegner praktisch alles gelang und den Stansern fast gar nichts. Auch die beiden neuen Ausländer, die in der Startformation standen, waren Teil des ungenügenden Gesamteindrucks.

Marco Kurth entscheidet Spiel und sorgt für Ärger

Danach fingen sich die Gastgeber auf, die Abwehr steigerte sich, Goalie David Wenger wuchs gar über sich hinaus, und als sie in der 49. Minute auf 20:22 verkürzten, rückte ein Punktgewinn wieder in Griffnähe. Sechs Minuten lang fiel dann kein weiterer Treffer mehr, ehe der gegnerische Spielertrainer und ehemalige Schweizer Nationalspieler Marco Kurth in der 56. Minute mit seinem insgesamt zehnten Treffer alles klarmachte.

Kurz darauf sorgte Kurth in der Eichlihalle für Ärger, als er bei angezeigtem Zeitspiel den Ball diagonal in die Hallenecke neben der Tribüne warf, um einige Sekunden zu schinden. «Das hätte eigentlich eine rot-blaue Karte und einen Penalty zur Folge haben müssen», haderte Gubler und schloss: «Schade, ich rechnete eigentlich mit einem Sieg. Der frühe Rückstand kostete uns aber zu viel Energie.»

Nach elf Runden stehen die Stanser damit weiterhin an letzter Stelle, aufgrund Altdorfs Sieg gegen Biel neu wieder mit vier Punkten Rückstand auf das rettende Ufer. Perovic und Dutra haben also nicht für eine schnelle Trendwende sorgen können, doch das durfte auch nicht erwartet werden. «Wir haben mehr Varianten, sind weniger gut aus­rechenbar», sagt Gubler, hält aber auch fest: «Nikola hat seit dem letzten Frühling keinen Ernstkampf mehr bestritten, ihm fehlt noch der Rhythmus und die Athletik. Und bei Fernando stimmt das Timing mit den Nebenleuten noch nicht.» Während Perovic mit seinen 1.97 Metern Körpergrösse im linken Aufbau für wuchtige Abschlüsse sorgen soll, ist Dutra ein klassischer Spielmacher. Vor allem Letzterer verfüge über ein ausserordentliches Potenzial: «Ich brauchte nur ein Video zu sehen, um zu erkennen: Fernando ist eine Granate. Er ist schnell auf den Beinen, sein Zug aufs Tor ist hervorragend.»

Private Sponsoren helfen bei der Finanzierung

Angestellt waren die beiden Profis zuletzt in Rumänien (Perovic) und Ungarn (Dutra), die Transfers eingefädelt hat der ehemalige Sportchef Stefan Odermatt. «Ich bat ihn um Hilfe, weil ich so etwas noch nie gemacht habe», erklärt der neue Stanser Präsident Philipp Bühlmann. Finanziert würden die Neuzuzüge zu einem grossen Teil über das Vereinsbudget, den Rest bringen private Sponsoren auf. Nötig wurde die Investition, weil aufgrund von Verletzungen und Rücktritten im Verlauf der Vorrunde plötzlich nur noch drei Rückraumspieler zur Verfügung standen. «Wir stärkten die Mannschaft, weil wir sie in der NLB halten wollen», erklärt Bühlmann.

Gemeinsam wohnen sie in einer Vierzimmerwohnung

Auch wenn die positiven Auswirkungen in Form von Punkten noch ausgeblieben sind, ist Bühlmann von der Qualität der Transfers überzeugt: «Sie bringen uns sehr viel, können die anderen Spieler auch entlasten. Fernando ist darüber hinaus ein Akteur, der als Spielmacher sofort mit dem Dirigieren begann. Wir sind es uns nicht gewohnt, dass einer klar sagt, wo es langgeht.» Bereits in kurzer Zeit habe man die beiden gut inte­grieren können, gemeinsam sind sie in Stans in einer Vierzimmer-Wohnung untergebracht. «Sie seien in ihrer Karriere noch nie so umsorgt worden», erzählt Bühlmann und betont: «Wenn wir schon Geld für solche Spieler in die Hand nehmen, dann ­sollen sie sich bei uns auch ­wohlfühlen.» Trotz schwieriger ­Tabellensituation glaubt er weiterhin an den Turnaround: «In Stans sind wir es uns gewohnt zu kämpfen.»

Trainer Gubler, der weiterhin das volle Vertrauen des Vorstands spürt, ist ebenfalls zuversichtlich, fordert in den verbleibenden Heimspielen bis Jahresende gegen GS/Kadetten Espoirs Schaffhausen und Möhlin aber vier Punkte. «Das wird nicht einfach. Viel fehlt uns derzeit aber nicht für bessere Ergebnisse.»


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