«Ein solcher Abgang tut schon sehr weh»

SCHWINGEN ⋅ Philipp Laimbacher wird als einer der besten Innerschweizer in die Geschichte eingehen. Mit 35 Jahren beendet der Schwyzer seine ruhmreiche Karriere. Gesundheitliche Probleme zwingen den Publikumsliebling dazu.
11. November 2017, 04:40

Interview: Simon Gerber

sport@luzernerzeitung.ch

Philipp Laimbacher, Sie wurden am 30. Oktober in der Andreas-Klinik in Cham an der linken Schulter operiert. Wie geht es Ihnen?

Es geht mir den Umständen entsprechend gut. Der Heilungs­prozess verläuft nach Plan. Es braucht von mir nun sehr viel Geduld. Sechs Wochen lang bin ich mit meinen Bewegungen am Arm stark eingeschränkt.

Hat Sie diese Verletzung zum Rücktritt gezwungen?

Es war ein längerer Prozess. Nach den vielen Verletzungen hatte ich mich schon seit geraumer Zeit mit dem Rücktritt befasst. Nach einer erfolgreichen Knieoperation 2016 hatte ich für dieses Jahr noch zwei Ziele: Teilnahme am Unspunnenfest und der Gewinn des 100. Kranzes. Die gravierende Schulterverletzung am Innerschweizer Fest Anfang Juli durchkreuzte jedoch diesen Plan. Durch die notwendig gewordene Operation war für mich der Rücktritt innerlich schon klar.

Sie sind schon mehrmals auf den Hunderter-Klub angesprochen worden. Ein Schwinger mit Ihrer Klasse hätte nächste Saison auch mit weniger Aufwand vielleicht um Kränze kämpfen können. War das für Sie keine Option?

Im Schwingsport wird man am Namen gemessen und nicht nach dem Alter oder den Verletzungen. Die Anforderungen sind heute an einen Athleten extrem hoch, was eine hundertprozentige Leistung erfordert. Nur ohne Verletzung wäre es für mich eine Option gewesen, die vier fehlenden Kränze noch zu gewinnen.

Spüren Sie nach Ihrem Entscheid Wehmut oder Erleichterung?

Wenn ich ehrlich bin: beides. Während der letzten 25 Jahre war ich mit Leib und Seele Schwinger und habe extrem für diesen Sport gelebt. Ich sagte mir immer wieder: «Ja nie mit einer Verletzung die Karriere beenden.» Genau das ist nun aber eingetroffen, und das tut schon sehr weh. Viel lieber hätte ich mich an einem Fest von der sportlichen Bühne verabschiedet. Ich bin aber auch erleichtert, dass nun viel Druck von mir abfällt und ich meinem strapazierten Körper die nötige Ruhe gönnen kann.

Sie haben eine ruhmreiche Karriere hingelegt. Was war Ihr persönliches Highlight?

Das Eidgenössische 2004 in Luzern. Damals wurde ich als Geheimtipp gehandelt, was mich ehrte. Als 21-jähriger Jungspund spürte ich keinen grossen Druck und kämpfte frisch von der Leber weg. Mit einem sehr guten Notenblatt war ich hinter dem Schwingerkönig Jörg Abderhalden auf dem zweiten Platz klassiert. Das war der Startschuss an die absolute Spitze.

Welcher Gang ist Ihnen in bester Erinnerung?

Der Triumph über den Schwingerkönig Arnold Forrer bei meiner ersten Teilnahme am Heimfest auf dem Stoos 2002. Als 20-Jähriger war dies für mich ein eindrückliches Erfolgserlebnis, das ich nie vergessen werde.

Welche Niederlage bereuen Sie am meisten?

Das verlorene Schlussgangduell am Kilchberger Schwinget 2014 gegen den Schwingerkönig Matthias Sempach. Ich war damals topfit und sah meine grosse Chance, einmal einen eidgenössischen Wettkampf zu gewinnen. Der Berner erwischte mich aber eiskalt. Es ging lange, bis ich diese Niederlage verdaut und verarbeitet hatte.

Gab es ein Ereignis, das Sie besonders beeindruckt hat?

Eine Sternstunde erlebte ich zusammen mit meinen beiden Brüdern Adi und Ivo am Eidgenössischen 2010 in Frauenfeld. Alle drei wurden mit dem Kranz gekrönt. Drei Jahre später in Burgdorf doppelten wir nach. Das hat es in der Schwingsportgeschichte noch nie gegeben.

Rückblickend auf Ihre Karriere: Würden Sie etwas anders machen?

Ich würde genau wieder den gleichen Weg einschlagen. Als junger Wilder geht man unbeschwert an die gestellten Aufgaben heran und schaut mal, was passiert. Mit der Zeit kommen die Ruhe und Routine dazu, was auch ein grosser Vorteil ist.

Wer oder was hat Ihnen geholfen, so erfolgreich zu sein?

Meine wichtigsten Mentoren waren der frühere Spitzenkönner Geni Hasler und der Masseur Adolf Speck. Dazu hatte ich ein optimales Umfeld in der Familie mit meinen ebenfalls erfolgreichen Brüdern Adi und Ivo. Wir spornten uns immer wieder gegenseitig zu Höchstleistungen an. Ihnen und allen Fans bin ich für die grossartige Unterstützung sehr dankbar.

Sie haben bei Ihrem Rücktritt erwähnt, dass das Schwingen eine gute Lebensschule war. Wie meinen Sie das genau?

Das Schwingen ist geprägt von gegenseitigem Respekt, Fairness und Kameradschaft. Es geht darum, seine Stärken zu nutzen und an Defiziten zu arbeiten. Man lernt, mit Erfolgen umzugehen und muss akzeptieren, dass auch Verlieren dazugehört. Das sind Werte, die im sonstigen Leben ebenfalls gefragt sind.

Sie werden jetzt wohl mehr Zeit haben. Auf was freuen Sie sich am meisten?

Viel Zeit mit meiner Freundin zu verbringen. Sie musste in der Vergangenheit oft hinten anstehen. Dazu möchte ich die Kontakte zu meinen Kollegen wieder intensivieren und auch einmal an einem Samstagabend in den Ausgang gehen. Wandern, Skifahren, Biken und Töfffahren stehen ebenfalls auf meiner Liste.

Wird man Sie an den Schwingfesten als Zuschauer antreffen?

Auf Schwingfeste werde ich auch in Zukunft nicht verzichten, sei es als Zuschauer oder als Helfer an einem von unserem Klub organisiertem Schwingfest auf dem Stoos oder am Frühjahrsschwinget in Ibach.


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