Andreas Ulrich gewinnt das Schwyzer Kantonale

SCHWINGEN ⋅ Andreas Ulrich gewinnt das Schwyzer Kantonale – zum zweiten Mal in Folge. Der Gersauer ist überrascht ob seiner Leistung. Für die Gästeschwinger gibt es gewohnt hartes Brot auf Schwyzer Terrain.
Aktualisiert: 
14.05.2017, 17:00
14. Mai 2017, 09:04

Claudio Zanini

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

Eigentlich hätte Andreas Ulrich allen Grund dazu, etwas dicker aufzutragen als andere. Bei Innerschweizer Festen gehört er durchgehend zum innersten Favoritenkreis, landesweit wird er als technisch vielseitiger Schwinger geachtet, vier eidgenössische Kränze hat er bereits gewonnen. Doch der 31-jährige Gersauer ist ein bescheidener Zeitgenosse. Wenn der Landwirt im Vorfeld des Schwyzer Kantonalen seine Znüni-Pause opfern muss, um per Telefon einem Journalisten einige Fragen zu beantworten, macht er das dennoch geduldig. Was über ihn geschrieben wird, will Ulrich nicht vor der Publikation überfliegen. «Ich vertraue Ihnen», pflegt er jeweils zu sagen, und damit ist die Sache abgeschlossen.

Vom Boulevard wurde Ulrich einst als «Riesentöter» betitelt, weil er Matthias Sempach und Kilian Wenger besiegte. Doch Ulrich hat kaum etwas Martialisches an sich, dafür fehlt ihm nicht zuletzt die Statur. Mit einer Grösse von 1,80 Meter und 100 Kilogramm wirkt er weniger massig als die meisten Spitzenschwinger. Und wenn Ulrich sagt, dass er immer vor dem ersten Kranzfest der Saison nervös sei, ist das nicht Understatement, sondern entspricht schlicht der Wahrheit. Er sieht sich nicht als der überlegene Spitzenschwinger, nicht als etwas Besseres als die Konkurrenz. Sogar am Tag vor dem Eidgenössischen 2016 in Estavayer tauchte in den sozialen Medien ein Bild von Ulrich auf, das ihn beim Heuen im Steilhang zeigte – eine spezielle «Matchvorbereitung».

Als Ulrich gestern in Arth seinen achten Kranzfestsieg der Karriere holte, kam wieder die ihm eigene Demut zum Tragen. Zuerst einmal zeigte er sich «überrascht», dass ausgerechnet er habe gewinnen können. Dann folgte eine Würdigung der Fähigkeiten seines Schlussgang-Gegners Andreas Höfliger, «sehr kräftig» sei dieser «und sehr explosiv». Daher habe er nichts überstürzen wollen im finalen Duell. Die Taktik ging bereits nach 3:30 Minuten auf. Höfliger lag auf dem Rücken, bezwungen vom inneren Haken Ulrichs. Auch zuvor konnten seine Mitstreiter wenig Einfluss nehmen auf die Performance. Im dritten Gang etwa, als er im Zweikampf mit Roland Bucher einen Cut am rechten Auge kassierte, liess er sich kurz ausserhalb des Sägemehls verarzten, um wenig später den Kampf für sich zu entscheiden und mit drei Siegen in die Mittagspause zu gehen. Nach dem Mittagessen zeichnete sich schnell ab, dass Ulrich wohl nichts aufhalten wird auf dem Weg in den Schlussgang dieses Schwyzer Kantonalen, obschon die Aufgaben nicht leichter wurden. Im vierten Gang stand ihm Adrian Steinauer gegenüber, der Co-Sieger vom letzten Jahr. Ulrich bezwang Steinauer, setzte sich in der Rangliste ab und erhielt die nächste heikle Aufgabe: ein Duell mit Benji von Ah. Der Giswiler arbeitete sich nach einem Gestellten gegen Martin Grab mit drei Siegen sukzessive in der Rangliste vor. Doch da hatte Ulrich eben bereits vier Siege auf dem Konto – gegen den Giswiler konnte er mit dosiertem Risiko agieren, ohne die Schlussgang-Teilnahme zu gefährden, ein Unentschieden reichte. Rückblickend sei aber der erste Gang entscheidend gewesen, der ihm das nötige Selbstvertrauen gegeben habe, sagte Andreas Ulrich. Gegen Marcel Mathis gelang ihm ein erster Sieg in einem schwierigen Duell, das selbstredend keiner der beiden Techniker verlieren wollte.

Benji von Ah hätte den Sieg geerbt

Und wo blieben die Gästeschwinger? Auch in diesem Jahr gelang es keinem auswärtigen Athleten, die Phalanx der Schwyzer zu durchbrechen. Nur die Könige Jörg Abderhalden (2006) und Harry Knüsel (1988) brachten das Kunststück in den letzten 30 Jahren fertig. Vielleicht eine kleine Chance hätte sich Benji von Ah ausrechnen dürfen. Der Obwaldner, der sein erstes Kranzfest in dieser Saison bestritt, hätte bei einem gestellten Schlussgang den Festsieg geerbt.

So aber belegte von Ah den geteilten zweiten Rang. In dieser Ranglisten-Region hatte ihn auch Andreas Ulrich erwartet, als er vor dem Fest seine Favoriten nannte und dabei sich selbst vergass.

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Am Sonntag trafen sich die Schwinger in Arth zum 94. Schwyzer Kantonalen. Andreas Ulrich bezwang im Schlussgang Andreas Höfliger.


Nach dem 5. Gang:

Es war das Spitzenduell schlechthin im fünften Gang: Benji von Ah forderte Andreas Ulrich. Der Zweite des Klassements gegen den Führenden. Der Gersauer bis dahin mit reiner Weste, der Giswiler machte mit drei Siegen in Folge Boden gut. Doch der attraktive Zweikampf der beiden Eidgenossen brachte keinen Sieger hervor. Für Ulrich reicht das Unentschieden allerdings für die Schlussgang-Teilnahme – wie bereits im vergangenen Jahr, als er Christian Schuler besiegte.

Dahinter konnten David Suter (Gestellter gegen Martin Grab) und Stefan Heinzer (Niederlage gegen Pirmin Egli) keine Überraschung schaffen.

Vorgerückt auf Rang 2 ist nun Andreas Höfliger. Er bezwingt Roland Bucher mit der Maximalnote und wird nun gegen Andreas Ulrich den Schlussgang bestreiten.
 


Nach dem 4. Gang:

Während im vierten Gang zum ersten Mal an diesem Sonntag in Arth der Regen einsetzt, läuft Andreas Ulrich zur Hochform auf. Der 31-Jährige bezwingt im Spitzenduell Adrian Steinauer und könnte wie im vergangenen Jahr wieder in den Schlussgang einziehen. Zurzeit führt Ulrich die Rangliste an, Steinauer fällt dagegen zurück.

Der Muotathaler Stefan Heinzer, eben noch Führender des Zwischenklassements, trennt sich derweil mit dem Nidwaldner Marcel Mathis Unentschieden. Heinzer belegt nun den geteilten zweiten Rang.

Einen Schritt nach vorne macht Benji von Ah nach seinem Sieg gegen Florian Hasler. Der Giswiler liegt in der Zwischenrangliste neu auf Rang 2a.

Mike Müllestein wird nach seinem zweiten Gestellten in Folge nichts mehr mit dem Tagessieg zu tun haben. 
 


Nach dem 3. Gang:

Andreas Ulrich musste seinen Kampf gegen Roland Bucher kurz unterbrechen wegen einer Verletzung oberhalb des rechten Auges. Verarztet kehrte Ulrich zurück und bodigte Bucher dann doch noch. Es ist der dritte Sieg für Ulrich – damit belegt er Rang 2 in der Zwischenrangliste.

Auch Adrian Steinauer, der im letzten Jahr am Schwyzer Kantonalen gemeinsam mit Ulrich triumphierte, verbuchte seinen dritten Sieg (gegen Pirmin Gmür). Steinauer liegt nun direkt hinter Ulrich auf Rang 3.

Zwischen den beiden Eidgenossen Alex Schuler und Mike Müllestein gab es keinen Sieger. Müllestein hatte zunächst leichte Vorteile und legte Schuler schliesslich auf den Rücken – allerdings war die Zeit bereits abgelaufen.

Benji von Ah und Marcel Mathis kamen je zum zweiten Sieg, Philipp Laimbacher, der früh aus der Entscheidung fiel, realisierte seinen ersten Erfolg gegen Reto Fankhauser.

Angeführt wird das Klassement nach drei Gängen von Stefan Heinzer. Er siegte gegen Laimbacher-Bezwinger Roman Fellmann und liegt 0,25 Punkte vor Ulrich.

 


Nach dem 2. Gang:

Im zweiten Gang erlebten die Zuschauer in Arth die eine oder andere Überraschung. Insbesondere die Niederlage von Philipp Laimbacher gegen den Luzerner Roman Fellmann war nicht vorhersehbar. Laimbacher - der Sieger der Jahre 2007, 2008 und 2013 - fällt damit frühzeitig zurück, im ersten Gang stellte er noch mit Marcel Bieri.

Mit Philipp Gloggner tauchte ein weiterer Eidgenosse. Der Ruswiler verliert gegen Stefan Heinzer. Mike Müllestein und Andreas Ulrich holen beide ihren zweiten Sieg. Müllestein bezwingt Ivan Rohrer, Ulrich bodigt Markus Niederberger. Ebenfalls zwei Siege hat auch Eidgenosse Alex Schuler auf dem Konto.

Benji von Ah (gegen Roland Kälin), Martin Grab (gegen Oliver Hermann), Reto Nötzli (gegen Martin Amgarten) und Bruno Nötzli (gegen Andreas Arnold) siegen allesamt erstmals.

 


Nach dem 1. Gang:

Andreas Ulrich, der im letzten Jahr zusammen mit Adrian Steinauer den Co-Sieg einfuhr, startet am Schwyzer Kantonalen wunschgemäss in den Tag. Der Gersauer bezwingt den Nidwaldner Marcel Mathis.

Auch für den Sieger von 2015 beginnt der Auftakt vielversprechend: Mike Müllestein besiegt den Entlebucher Erich Fankhauser mit der Maximalnote. 

Andere Schwyzer Spitzenschwinger müssen derweil im ersten Gang einen Gestellten verbuchen: Philipp Laimbacher (gegen Marcel Bieri), Martin Grab (gegen Benji von Ah), Reto Nötzli (gegen Philipp Gloggner), und Bruno Nötzli (gegen Reto Gloggner).

Für Aufregung sorgte ein Ereignis abseits des Schwingplatzes: Der Stand eines Rauchwaren-Herstellers wurde gemäss Speaker-Durchsage über Nacht ausgeraubt. Unbekannte Täter hatten die Türe eines Verkaufwagens aufgebrochen und Tabakwaren im Wert von mehreren tausend Franken gestohlen. Die Schwyzer Polizei bietet die Bevölkerung im Hinweise. Sie ist unter der Nummer 041 819 29 29 erreichbar. Für Nachschub konnte auf die Schnelle nicht gesorgt werden.


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