Spitzenzeiten und Stolperer

LEICHTATHLETIK ⋅ Die WM in London macht nicht nur die Sieger unvergesslich, sondern auch die vielen Randgeschichten.
13. August 2017, 04:38

Raya Badraun, London

4 Hürdenläufer

In London kamen über 400 m Hürden gleich vier Schweizer zum Einsatz. Kariem Hussein und Lea Sprunger schafften es zudem in den ­Final. Das ist kein Zufall. «Die Hürdentradition in der Schweiz hat sicher einen Einfluss», sagt Peter Haas, Chef Leistungssport bei Swiss Athletics. «Zudem braucht es für diese Disziplin Schweizer Tugenden wie Beharrlichkeit und seriöses Arbeiten.»

 

10,07 Sekunden

Im Vorlauf über 100 m stolperte Usain Bolt kurz nach dem Start. Später beklagte er sich im BBC-Interview über die Startblöcke. «Das sind die schlechtesten, die ich je erlebt habe», sagte der Jamaikaner, der den Vorlauf zwar gewann, im Final jedoch nur Dritter wurde.

16 neue Gewinner

Früher wurden Edelmetalle, die den Dopingsündern nachträglich abgenommen wurden, per Post an die neuen Besitzer geschickt. In London wurden nun erstmals im Rahmen einer WM die neuen Besitzer geehrt. Zu den Glücklichen gehörte auch die 31-jährige Britin Jessica Ennis-Hill. Die hochschwangere Siebenkämpferin erhielt die Goldmedaille für ihren Sieg 2011 im südkoreanischen Daegu.

1 Ohrwurm

Während der WM in London herrschte Feststimmung unter den bis zu 60000 Zuschauern im Stadion. Mit einer Dance Camera wurde das begeisterungsfähige Publikum zwischen den Wettkämpfen dazu aufgerufen zu tanzen. Dabei spielten die Organisatoren immer wieder das gleiche Lied ab: «Sweet Caroline» von Neil Diamond. Und war die Musik für einen Moment aus, gab es immer einen, der die Melodie pfiff oder summte.

19 neutrale Athleten

Einige Athleten des suspendierten russischen Verbandes konnten an der WM in London antreten. Sie starteten jedoch als neutrale Athleten. Weder die Nationalhymne wurde für sie gespielt, noch durften sie andere Symbole verwenden. So waren ihnen auch lackierte Fingernägel in den russischen Farben untersagt.

48 Stunden Quarantäne

Während der WM grassierte der Norovirus unter den Athleten. Einer der Leidtragenden war Isaac Makwala aus Botswana. Der Favorit über 400 m wurde vor dem Final am Eingang abgefangen, weil er angeblich erkrankt war und unter Quarantäne stand. Nach 48 Stunden durfte er schliesslich über 200 m antreten – jedoch alleine, da die Vorläufe bereits stattgefunden hatten. Zwar schaffte er den Einzug in den Final, dort wurde er jedoch nur Sechster.

46 Jahre

Der älteste Teilnehmer dieser WM kommt aus der Schweiz: Alex Florez. Der auf Mallorca lebende Auslandschweizer steht heute über 50 km Gehen im Einsatz. Für den Spätberufenen, der erst mit 40 Jahren mit dieser Disziplin begann, ist es die zweite WM nach 2013.

15 Grad

Der Mittwoch war der kälteste Tag an dieser WM. Es regnete pausenlos. Nur einer schien sich bei diesem Wetter so richtig wohl zu fühlen: Karsten Warholm. «Für mich war das wie ein guter norwegischer Sommertag», sagte der 21-Jährige nach seinem überraschenden Sieg über 400 m Hürden.

0 Goldmedaillen

In den vergangenen zehn Jahren holten die US-Amerikaner nur eine Goldmedaille im Sprint. Das war 2011, als Bolt nach einem Fehlstart disqualifiziert wurde. Die restlichen Titel sicherte sich Jamaika. Damit war in London jedoch Schluss. Über 100 m wurde Usain Bolt von zwei Amerikanern besiegt. Und auch bei den Frauen gewannen die USA den Titel.

1 Bratwurst

Die 20-jährige Sprinterin Gina Lückenkemper blieb im Vorlauf über 100 m als erste Deutsche seit 26 Jahren unter elf Sekunden. 10,95 Sekunden zeigte die Uhr am Ende an. Ihr Markenzeichen macht sie auch für die Ostschweiz interessant: Zwischen den Wettkämpfen verdrückt sie schon mal eine Bratwurst.

2 Stürze

Natürlich landeten in London mehr als zwei Athleten in einem Rennen auf der Tartanbahn. Zwei Stürze fielen jedoch besonders auf. Sie ereigneten sich während des 110-m-Hürdenrennens der Zehnkämpfer. Der Serbe Mihail Dudas und der Amerikaner Trey Hardee prallten mit einer Hürde zusammen. Kurz lagen sie danach auf dem Boden, bevor sie das Rennen doch noch fertig liefen – unter tosendem Applaus.

1 Präsidenten-Tweet

Damit hatte im Vorfeld niemand gerechnet. Im 200-m-Final gewannen für einmal nicht die Favoriten, sondern der türkische Aussenseiter Ramil Guliyev. «Er macht uns alle stolz», twitterte Präsident Recep Tayyip Erdogan daraufhin. Guliyev ist der erste Leichtathletik-Weltmeister des Landes.


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