Roger Federer: «Der Traumlauf geht weiter»

INDIAN WELLS ⋅ Nach dem grandiosen Final in Indian Wells kämpften sowohl Sieger Roger Federer wie Verlierer Stan Wawrinka mit den Tränen. Klar ist: Beide ziehen als Sieger ans nächste grosse Turnier nach Miami weiter.
Aktualisiert: 
20.03.2017, 15:00
20. März 2017, 09:18

Roger Federer versuchte bei der Siegerehrung, die Emotionen beider zu erklären. «Sport ist emotional - und soll emotional sein. Es geht um Sieg oder Niederlage, und manchmal überwältigen dich die Gefühle. Ich habe kein Problem damit. Und ich denke, den Zuschauern gefällt es auch, wenn sie sehen, dass es den Spielern nicht egal ist, ob sie gewinnen oder verlieren.»

Federer siegt derzeit so viel wie seit Jahren nicht mehr. Und der 35-jährige Basler geniesst den Moment. Er twittert soviel wie noch nie. Er verteilt Autogramme mit noch mehr Geduld als früher. Es macht den Anschein, als ob er den Erfolg derzeit noch viel mehr geniessen kann als früher.

«Unglaublich: Der Traumlauf geht weiter», freute er sich. Begonnen hatte er im Januar am Australian Open, als Federer den 18. Major-Titel (Rekord) holte. Federer: «Das Comeback nach der Pause verläuft weiter wie ein Traum. Besser könnte es für mich gar nicht laufen. Letzte Saison gewann ich kein einziges Turnier. Die Unterschiede sind dramatisch. Aber es fühlt sich grossartig an.» Er sei über den Turniersieg nicht mehr derart überrascht wie noch im Januar in Melbourne, so Federer weiter. «Aber trotzdem: Alles kommt für mich als riesige, riesige Überraschung. Es ist schier unglaublich, dass ich auch in Indian Wells wieder gewinnen konnte, welche Gegner ich besiegen konnte und die Art und Weise, wie mir das alles gelang.»

Federer spielt im Alter von 35 Jahren und 7 Monaten immer noch famos: Die Beine bewegt er besser als zehn Jahre jüngere Rivalen. Mit den Grundschlägen macht er, was er will. Und der Aufschlag ist wieder die schneidige Waffe wie während seinen allerbesten Jahren. In Indian Wells brachte Federer die ersten 42 Aufschlagspiele durch, ehe Stan Wawrinka zu Beginn des zweiten Satzes ein Break gegen Federer gelang. Während des gesamten Turniers brachte Federer 47 Aufschlagspiele von 48 durch und gewährte seinen fünf Gegnern bloss drei Breakbälle.

Die Nummer 1 wird wieder zum Thema

In der Weltrangliste stiess Roger Federer bereits wieder auf Platz 6 vor. Das Jahr begann er als Nummer 17 der Welt. In der Jahreswertung führt er mit über 1400 Punkten Vorsprung auf Rafael Nadal. Stan Wawrinka ist Dritter, Andy Murray folgt auf Platz 10, Novak Djokovic belegt nur den 18. Platz. Murray und Djokovic verzichten wegen Blessuren auf das Miami Open in Key Biscayne, wo ab Mittwoch und während anderthalb Wochen wiederum um 1000 Weltranglistenpunkte gespielt wird. Für Federer ist bereits wieder die Nummer 1 ein Thema. «Es wäre natürlich toll, wenn ich nochmals die Nummer 1 werden könnte. Und die Möglichkeit bietet sich womöglich. Aber ich müsste hierfür wohl noch ein zweites Grand-Slam-Turnier gewinnen.»

Federer sagt aber auch, dass er nicht wegen der Weltrangliste sein Programm massiv ausbauen will. Sein Programm nach dem Miami Open ist noch offen. Erst nach dem Turnier auf Key Biscayne wird er entscheiden, an welchen Sandplatzturnieren er antritt. Federer: «Im Fokus steht: Wie kann ich gesund bleiben? Wie halte ich die Motivation hoch. Ich will sicher nicht zu viele Turniere spielen und den Körper überspielen. Ich verspreche den Fans und mir selber: An jedem Turnier, an dem ich antrete, werdet ihr den bestmöglichen Roger Federer sehen.»

Auch Stan Wawrinka verliess die Oase in der kalifornischen Mojave-Wüste nach dem ersten Niederlagen-Schock zufrieden. Vor der Saison hatte er sich vorgenommen, an den grossen Masters-1000-Turnieren besser zu spielen. Seine Ergebnisse an diesen Events standen in den letzten Jahren in keinem Verhältnis zu den Erfolgen an den Grand-Slam-Turnieren (Siege am Australian Open 2014, am French Open 2015 und am US Open 2016). 2016 erreichte "Stan the Man" an den neun Premium-Turnieren (Indian Wells, Miami, Monte Carlo, Rom, Madrid, Toronto, Cincinnati, Schanghai, Paris-Bercy) nur einen Halbfinal (in Kanada) und einen Viertelfinal (Monte Carlo). An den übrigen sieben Turnieren schied er früh aus, dreimal sogar in der Startrunde. Wenn Wawrinka es hinbringt, an den Masters-1000-Turnieren konstant so gut zu spielen wie letzte Woche in Indian Wells, wird auch für den 31-jährigen Waadtländer die Nummer 1 womöglich noch zum Thema. (sda)

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Den Schweizer Final gegen Stan Wawrinka gewinnt Federer in 80 Minuten 6:4, 7:5.

Video: Stan Wawrinka: «Roger lacht, er ist ein A..., aber es ist ok»

Stan Wawrinka richtet an der Siegerehrung in Indian Wells einige Worte an Roger Federer. (Youtube, 20.03.2017)




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