Kommentar

Weniger ist mehr

Tennis-Experte Jörg Allmeroth über Roger Federer.
21. März 2017, 08:14

Hätte Roger Federer auf sich selbst gewettet, auf die Siege bei den Australian Open und bei den Masters-Festivitäten von Indian Wells? Bei allem Vertrauen in die eigene Kunst: wohl kaum. Aber dieser Federer hat in den ersten drei Monaten der Saison 2017 etwas gelernt für den Rest seines Tennislebens. Er kann sich selbst und alle anderen überraschen, wenn er sich weniger denn je den scheinbaren Zwängen der Tennistour unterwirft. Federer hat die beiden ersten Topevents gewonnen, weil er ausgeruht, kraftvoll angetreten ist, nur so konnte er jene Potenziale entwickeln, die ihn zu den Triumphen führten.

Pausen waren für Federer, und nicht nur für ihn, in früheren Zeiten stets etwas Irritierendes. Eine Störung des Wettkampfrhythmus. Doch je öfter er zu Pausen gezwungen wurde, umso mehr erkannte er in ihnen eine Chance. Eine Chance zur Regeneration, zur Neubesinnung. Schon vor den letzten Monaten wurden Pausen zum strategischen Plan des Maestro, der sich, anders als viele nicht so erfolgreiche Rivalen, den Luxus zur Lücke auch leisten konnte.

Auf dem eingeschlagenen Weg kann sich Federer durchaus seinen Wunsch erfüllen, noch bis fast an die vierzig Tennis zu spielen. Es wird einen Federer geben, der immer wieder diese wunderbaren, blitzlichtartigen Geniestreiche vollbringt. Und der sich dann länger davon ausruht. Auch Djokovic und Murray werden bald seltener zu sehen sein. Weniger ist mehr, erst recht in dieser Zeit der hochgerüsteten Profiathleten.

Jörg Allmeroth, Tennis-Experte

sport@luzernerzeitung.ch


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