Roger Federer ohne Satzverlust im 11. Wimbledon-Final

TENNIS ⋅ Dank seinem Sieg gegen Tomas Berdych erreichte Roger Federer seinen elften Final in Wimbledon. Es ist der 29. insgesamt an einem Grand-Slam-Turnier.
Aktualisiert: 
14.07.2017, 22:00
14. Juli 2017, 17:18

Jörg Allmeroth, London

sport@luzernerzeitung.ch

Er ist nur noch einen Schritt vom traumhaften Rekordsieg entfernt, vom Schlag in die Unsterblichkeit von Wimbledon: Mit der nächsten eindrucksvollen Demonstration beim 7:6 (7:4), 7:6 (7:4), 6:4-Halbfinal-Erfolg gegen den Tschechen Tomas Berdych rückte Maestro Roger Federer souverän in sein elftes Endspiel an der Church Road vor und darf nun mehr denn je von der alleinigen Bestmarke von acht Titelgewinnen träumen. «Ich bin glücklich, dass ich im richtigen Moment mein bestes Tennis spiele. Dort, wo es für mich am meisten zählt», sagte Federer gestern Abend nach erledigter Arbeit auf der Hauptwiese des All England Club. Nur noch einer kann den Schweizer jetzt bei seiner historischen Grand-Slam-Mission aufhalten: Kroatiens Marin Cilic, der sich im zweiten Halbfinalduell mit 6:7 (6:8), 6:4, 7:6 (7:3) und 7:5 gegen Sam Querrey (USA) durchgesetzt hatte.

Im letzten Jahr hatten sich Federer und Cilic einen spektakulären Viertelfinalmatch hier im Südwesten Londons geliefert, damals wendete Federer ein verloren geglaubtes Spiel nach 0:2-Satzrückstand und nach Abwehr von drei Matchbällen noch zu seinen Gunsten. «Ich muss hochkonzentriert sein im Final, es ist nicht so, dass mir der Titel wie ein Geschenk in den Schoss fällt», sagte Federer. Cilic schob dem Rasenflüsterer allerdings klar die Favoritenrolle zu: «Er spielt in diesem Jahr das beste Tennis seiner Karriere in Wimbledon. Es wird eine Schlacht gegen ihn.» Elf Anläufe brauchte der 28-Jährige, um erstmals den bedeutendsten Final der Tenniswelt zu erreichen – auch dies ein Rekord. Doch ob zum ersten Mal seit 2003, seit Federers erstem von bisher sieben Siegen, ein Spieler ausserhalb der Big-Four-Elitegruppe (Federer, Nadal, Djokovic, Murray) in Wimbledon triumphieren kann, erscheint fraglich. Zu überzeugend, zu sehr auch von sich und seiner Mission überzeugt wirkt der imponierende Teilzeitarbeiter Federer bisher – der Mann, der alle Sinne und Energien auf eine erfolgreiche Titeljagd in Wimbledon gerichtet und auf die gesamte Sandplatzserie verzichtet hatte. Als zweitältester Spieler nach dem Australier Ken Rosewall rückte er nun – wie im grossen Masterplan auch erträumt und vorgesehen – ins Endspiel vor, in seinen sage und schreibe 29. Grand-Slam-Final nun auch. Gewinnt Federer am Sonntag, geht er als ältester Sieger in die Annalen des All England Club ein, als Champion, der 14 Jahre nach seinem ersten Coup mit Anfang zwanzig den Pokalgewinn wiederholt. «Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal eine so lange und so grosse Karriere haben würde», sagte Federer, «es ist eine unglaubliche Sache.»

Mit dieser Frische noch immer eine Klasse für sich

Federer ist ein Muster an Konstanz auf höchstem Niveau, ganz besonders auf seiner geliebten Spielwiese in London. Er erreichte bei seinen 19 Starts 15-mal die Achtelfinals, 15-mal die Viertelfinals, stand 12-mal in den Halbfinals und nun auch 11-mal im Endspiel – keiner erreichte Vergleichbares bei diesem Turnier, das den Wert und die Bedeutung eines Tennisprofis wie kein zweites definiert. Grand-Slam-Titel Nummer 18 zu Jahresbeginn hatte eine grosse Verblüffungsnote, dieser Triumph in Melbourne wie aus dem Nichts heraus, nach einer sechsmonatigen Verletzungspause – gegen den ewigen Weggefährten Rafael Nadal. Doch Wimbledon, ein weiterer Sieg hier an dem Ort, an dem seine Karriere ihre schon bisher einprägsamsten Momente hatte, er würde zum einsamen Höhepunkt in den späten Berufsjahren des Tennisästheten. «Ein Sieg hier ist mit nichts zu vergleichen. Das war in jeder Saison so», sagte Federer. Doch nun wäre ein Triumph auch eine Veredelung all der Anstrengungen, die der 35-jäh­rige Familienvater in den letzten, nicht immer einfachen Spieljahren im Wanderzirkus unternahm. Als er zwischenzeitlich auch in Wimbledon nicht mehr wie selbstverständlich gesiegt hatte, waren schon Stimmen laut geworden, er solle seine Karriere lieber beenden.

Doch Federer zeigte den Schmährednern und Untergangspropheten eindrucksvoll, dass er mit der nötigen körperlichen Fitness und Frische noch immer eine Klasse für sich ist. Ein Jahr nach dem von Verletzungsproblemen überschatteten Wimbledon-Gastspiel war Federer wieder auf der Höhe seiner Kunst, auch ein guter, starker Berdych bekam das im Halbfinal zu spüren. Federer zeigte vor allem seine urtypische Stärke im Rasenparadies, das zupackende Spiel bei den Big Points. Mit zwei gewonnenen Tiebreaks legte er das Fundament für den Sieg, schaffte dann im dritten Satz das vorentscheidende Break zum 4:3. Sein zweiter Finalvormarsch ohne Satzverlust (nach 2006) geriet anschliessend nicht mehr in Gefahr.

Wimbledon

Grand-Slam-Turnier (31,6 Mio. Pfund/Rasen). Männer. Halbfinals: Federer (SUI/3) s. Berdych (CZE/11) 7:6 (7:4), 7:6 (7:4), 6:4. Cilic (CRO/7) s. Querrey (USA/24) 6:7 (6:8), 6:4, 7:6 (7:3), 7:5. – Final: Federer (3) – Cilic (7).

Mixed. Halbfinals: Jamie Murray/Hingis (GBR/SUI/1) s. Demoliner/Martinez Sanchez (BRA/ESP) 6:2, 7:5. Kontinen/Watson (FIN/GBR) s. Soares/Wesnina (BRA/RUS/2) 6:4, 6:7 (6:8), 6:3.

Juniorinnen. Halbfinals: Ann Li (USA/3) s. Waltert (SUI) 7:6 (7:4), 6:1.

Wimbledon Quiz


Frage 1 von 10:

Wimbledon ist das älteste Tennis-Grand-Slam-Turnier weltweit. Bei dessen ersten Austragung durften sogar nur Männer teilnehmen. In welchem Jahr fand das erste Wimbledon-Turnier statt?



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