Federer verliert Final in Montreal deutlich

TENNIS ⋅ Roger Federer verpasst seinen ersten Turniersieg in Montreal. Im Final des Masters-1000-Turniers in Kanada verliert der 36-jährige Basler 3:6, 4:6 gegen den 16 Jahre jüngeren Alexander Zverev.
13. August 2017, 23:28

Meister gegen Lehrling hatte die ATP ihre Finalvorschau überschrieben - doch der Lehrling ist längst flügge geworden. Alexander Zverev trumpfte in Montreal gleich von Beginn an äusserst beeindruckend auf. Der Deutsche mit russischen Wurzeln kam gleich im ersten Aufschlagspiel Federers zu einem Breakball. Nutzen konnte er jedoch erst den nächsten zum 3:1. Selber liess er im ersten Satz keine Chance des 36-jährigen Baslers zu und gewann diesen nach nur einer halben Stunde.

Zverev brillierte mit ultraschnellen Aufschlägen und Grundlinienbällen. So fand sich Federer fast konstant in der Defensive wieder und konnte sein gewohntes Spiel nicht wie gewünscht aufziehen. (Zu) oft konnte er den Bällen nur regungslos hinterherschauen. Zudem hatte Zverev auch deutlich mehr erste Services im Feld. Die Quote des Schweizers war mit 51 Prozent viel zu tief.

Zudem schien Federer ab dem zweiten Satz nicht mehr mit voller Kraft aufschlagen zu können, und auch die Beinarbeit war nicht über alle Zweifel erhaben. Zverev nahm der Weltnummer 3 bei 3:3 den Aufschlag ab, darauf konnte Federer nicht mehr reagieren. Nach nur 68 Minuten gewann der Deutsche sein letztes Aufschlagspiel zu null.

Mit Turniersieg zur Nummer 1

Für Federer bedeutet die Niederlage einerseits, dass er in Montreal nach wie vor ohne Titel da steht und zweitens, dass der Weg zur Nummer 1 wieder deutlich länger geworden ist. Anstatt diese Woche als virtueller Leader ins Turnier in Cincinnati zu steigen, muss er nun mindestens den Halbfinal erreichen, wenn er verhindern will, dass sich Rafael Nadal anstelle von ihm die Nummer 1 schnappt. Nur mit dem Turniersieg im US-Bundesstaat Ohio würde auf jeden Fall Federer statt Nadal die Weltranglistenspitze vom verletzten Andy Murray übernehmen.

Unwahrscheinlich ist dieser nicht, zumindest, wenn er sich in Montreal nicht den Rücken lädiert hat. Im US-Bundesstaat Ohio hat Federer bereits sieben Mal triumphiert. Auch deshalb hat sich der Entscheid zur Teilnahme in Montreal trotz der Finalniederlage gelohnt. Sicher ist bereits, dass Federer am US Open, das am 28. August beginnt, als Nummer 1 oder 2 gesetzt sein wird. Der 94. Turniersieg, mit dem er zu Ivan Lendl aufschliessen würde, muss aber noch mindestens eine Woche warten.

Zverev in grosser Form

Zverev gewann hingegen auch seinen zweiten Masters-1000-Final nach demjenigen in Rom - und auch damals hatte der 20-jährige Hamburger als Aussenseiter mit Novak Djokovic einen Hochkaräter ausgebootet. Noch in Halle war er im Final gegen Federer chancenlos gewesen. Er ist auf den nordamerikanischen Hartplätzen in diesem Sommer noch ungeschlagen, nachdem er in der Woche zuvor bereits in Washington gewonnen hatte. Die Nummer 8 der Welt hat sich damit endgültig in eine Favoritenrolle für das US Open gespielt. (sda)


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