Jahresrückblick

Das Sportjahr 2017: Vom fliegenden Haarteil bis zum Elvis aus dem Wallis

RÜCKBLICK ⋅ Sport verursacht Spannung, Aufregung, Emotionen, Freude, Ärger, Rekorde, Unterhaltung. Für unseren speziellen Rückblick auf das Sportjahr 2017 haben wir 14 Kuriositäten gesammelt.
27. Dezember 2017, 05:00

Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch


«Einer der schlechtesten Spieler überhaupt ...»

Im Frühling 2017 setzte die schottische Popsängerin Amy Macdonald (29) zur Blutgrätsche gegen den ehemaligen Schweizer Nationalspieler Philippe Senderos (32) an. «Senderos ist ein fürchterlicher Fussballer», sagte sie vor ihrem Konzert in Dübendorf der «Coop-Zeitung». Und weiter: «Senderos ist einer der schlechtesten Spieler überhaupt.» Der Grund für das üble «Foul»: Senderos spielte damals noch für Macdonalds Herzensverein Glasgow Rangers. Gleich in seinem ersten Spiel für die Rangers kassierte Senderos eine gelb-rote Karte, und das ausgerechnet gegen Celtic Glasgow, den Erzrivalen. «Er ist sicher keine Verstärkung für uns», disste Macdonald weiter. Im Oktober dann die Kehrtwende. Vor dem ATP-Tennisturnier in Basel erzählte Macdonald dem «Blick»: «Ich wurde missverstanden. Es wurde genau das Gegenteil von dem geschrieben, was ich gesagt habe. Senderos hatte eine grosse Karriere, er ist eine wahre Legende.» Das nachträgliche Lob für Senderos fiel der Chartstürmerin relativ einfach: Senderos spielt seit August nämlich nicht mehr für die Glasgow Rangers, sondern in den USA für Houston Dynamo.

Neymar AI 2.0 und Humanoid Ronaldo spielen für Bremen

Der Erfinder war der japanische Sony-Angestellte Hiroaki Kitano. Die Rede ist vom Robocup, der WM im Roboter-Fussball. Dabei treffen sich rund 2000 Wissenschafter und Studenten aus der ganzen Welt, um ihre Teams gegenei­nander antreten zu lassen. Während der Wettkämpfe findet parallel ein Kongress statt, bei dem neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Bereich künstliche Intelligenz und Robotik ausgetauscht werden. Die Robocup-WM 2017 fand im japanischen Nagoya statt. Weltmeister in der bekanntesten Liga (Nao) wurde ein Team der Universität Bremen. Die Schweiz war mit dem Team Solidus von der Höheren Fachschule für Technik in Biel vertreten. Vor 20 Jahren, an der ersten Robocup-Weltmeisterschaft, war es noch so, dass Zuschauer bei einem Spiel fragten, wann es denn endlich losginge, dabei lief die Partie schon seit fünf Minuten. Nur: Die Roboter hatten sich bis dahin überhaupt nicht bewegt. Heute ist viel mehr Tempo drin, auch wenn die Roboter noch nicht die Tricks von Neymar und Ronaldo draufhaben. Aber Achtung: Die Organisatoren der Humanoid Nao League haben sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 mit einem Team autonomer humanoider Roboter den menschlichen Fussballweltmeister zu schlagen.

Um Haaresbreite das Podest verpasst

Die Haarpracht – bei den afrikanischen Frauen ein unerschöpfliches, kompliziertes Dauerthema. Das Golden-League-Meeting von Oslo bleibt für die nigerianische Weitspringerin Blessing Okagbare-Ighoteguonor diesbezüglich unvergesslich. Die 28-jährige Silbermedaillen-Gewinnerin an den Olympischen Spielen von Peking 2008 verlor nämlich während eines Sprungs ihre Perücke. Und weil der hinterste Sandabdruck der Weitsprung-Athleten als Messweite gilt, gab’s für die Afrikanerin nur eine Weite von 6,21. Immerhin: Mit ihrem letzten Versuch sprang sie auf 6,52 Meter und holte sich damit den sechsten Platz. Der Sprung aufs Podest wurde aber um ­Perückenbreite, Pardon, etwas mehr als Haaresbreite verpasst.

Video: Weitsprung-Athletin verliert Perücke

Das Golden-League-Meeting von Oslo bleibt für die nigerianische Weitspringerin Blessing Okagbare-Ighoteguonor unvergesslich. Sie verlor bei ihrem Sprung die Perücke. (Youtube/IAAF Diamond League, 26.12.2017)

Fleisch war für Vegetarier Federer früher Fehlanzeige

Wer Tennis mit viel «Fleisch am Knochen» sehen will, der schaut sich vor allem die Spiele der ATP-Top-10 an. Und vor allem Matches mit Roger Federer. Dabei verriet der Schweizer Superstar dieses Jahr, dass er früher Vegetarier war. Dazu folgende Anekdote von Federer: «1998 stand ich erstmals im Aufgebot der Schweizer Davis-Cup-Mannschaft. Als wir mit der Mannschaft in einem Steakhouse sassen, bestellte ich Reis und Salat. Marc Rosset glaubte, ich mache einen Witz. Dann bestellte Rosset zehn kleine Stückchen von verschiedenen Fleischsorten. Die Hälfte davon schmeckte mir sehr gut. Seitdem esse ich wieder Fleisch.»

Luzerner Fussballer sind einfach die Besten

Die Luzerner Fussballer sind in diesem Jahr die Besten der Schweiz. An dieser Stelle ist aber nicht vom FC Luzern, dem Profiteam in der Super League, die Rede. Sondern: von den Tischfussballern, von den Töggeli-Technikern. Der TFCL – Tischfussballclub Luzern – fegte in Sempach wortwörtlich alle vom Tisch und holte sich nach zwei Spieltagen den Schweizer-Meister-Titel ausgerechnet in der höchstdotierten Super League. Im Final siegte das Team um Peter Felder ohne Satzverlust gegen den TFC Thun. Statt sich ins Trainingslager in warme Gefilde zu begeben, steht für die Töggeler schon der nächste grosse Auftritt auf dem Programm: Am 6./7. Januar findet in der Festhalle Seepark in Sempach das traditionelle Jahreseröffnungsturnier statt.

Es kann nur einen geben – oder: Nicht jeder kann ein Messi sein

Der Brasilianer Neymar hat vielleicht noch die besseren Tricks drauf, verkörpert noch mehr den Strand- und Strassenfussballer. Aber den perfekten Fussballer, dessen Körperstellung und Tempo im Verhältnis zum stehenden oder rollenden Ball stets zu 100 Prozent die richtige ist, dessen Ballbehandlung unerreicht effektiv ist und dessen intuitive Entscheidung im Spiel auf das gegnerische Tor immer die korrekte ist, diesen Fussballer gibt es nur einmal: Es ist Lionel Messi. Selbst wenn der 25-jährige iranische Messi-Doppelgänger Reza Parastesh immerhin äusserlich ganz, ganz nah an den argentinischen Superstar herankommt, bleibt es dabei: Es kann nur einen Messi geben.

Enfant terrible Ilie Nastase kriegt eins auf die Nase

Der Rumäne Ilie Nastase gewann als Tennisprofi 1972 das US Open und 1973 das French Open. Er galt schon damals als Enfant terrible und unberechenbarer Showman. Inzwischen 71-jährig, ging der Bukarester in diesem Jahr zu weit und leistete sich gleich mehrere böse Fehler. Zuerst beleidigte Nastase als Captain des rumänischen Fedcup-Teams die US-Tennisspielerin Serena Williams mit einer rassistischen Bemerkung. Später musste das Fedcup-Spiel zwischen der Britin Johanna Konta und der Rumänin Sorana Cirstea unterbrochen werden, weil Nastase offenbar Konta und England-Captain Anne Keothavong als «f***ing b*****s» betitelte. Als Konta weinend den Platz verliess, wurde Nastase des Feldes verwiesen. Schon beim offiziellen Bankett hatte Nastase die 33-jährige Keothavong belästigt und sie nach der Nummer ihres Hotelzimmers gefragt. Der suspendiert Nastase wurde in der Folge auch als Besucher des Turniers in Wimbledon ausgeschlossen.

King Christian – Elvis ist also doch nicht tot

Wenn sein FC Sion nicht für Aufsehen sorgt, dann muss er es halt selber tun. Sion-Präsident Christian Constantin bekam mit dem Eklat um die Handgreiflichkeiten gegen TV-Experte und Ex-Nationaltrainer Rolf Fringer Schlagzeilen bis nach Fernost. Constantin erhielt mit einer Stadionsperre und einer Geldbusse die verdiente Strafe serviert. Dass er der Extravaganz treu bleibt, das demonstrierte Constantin einige Wochen später in Las Vegas: Für seine berühmt-berüchtigte Sauerkraut-Gala, die im März 2018 wieder stattfindet, drehte der Walliser einen Film im selben Hotel, welches seinerzeit die Hollywood-Schauspieler George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon im Film «Ocean’s Eleven» ausraubten. Constantins Rolle: Elvis Presley! Der ganze Spass kostete 150 000 Franken. Ein Klacks, wenn man bedenkt, dass ihm die Sauerkraut-Gala 2017 einen Gewinn von 1,2 Millionen eingetragen haben soll. Und was würde der wahre King zum Sion-Präsidenten sagen? «He’ll have to go», sang Elvis einst.

Lässiges Penalty-Trickli der ­Linköping-Luzernerin

Die Bronzemedaille an den Olympischen Winterspielen 2014 im russischen Sotschi ist zwar noch in bester Erinnerung, doch die Schweizer Eishockeyanerinnen haben es seither schwer, ihre Sportart weiter an Popularität gewinnen zu lassen. Wer hartnäckig und mit viel Spielwitz daran arbeitet, ist unter anderen die Luzernerin Lara Stalder. Im September gelang der Nationalspielerin, die als eine der Besten in Europa gilt, in einem Testspiel mit ihrem schwedischen Club Linköping ein wirklich raffiniertes Penaltytor.

Video: Penalty-Trick von Luzernerin Lara Stalder in Schweden

Der Luzernerin Lara Stalder gelang im September in einem Testspiel mit ihrem schwedischen Club Linköping ein raffiniertes Penaltytor. (Youtube/#SDHLgifs, 26.12.2017)

Leichendiebe mit zu wenig PS

Im vergangenen März wurde publik, dass die italienische Polizei den Diebstahl des Leichnams von Enzo Ferrari verhindert hatte. Eine Verbrecherbande wollte mit der Leiche des wohl berühmtesten Autobauers ein Lösegeld von der Familie Ferrari erpressen. Ferrari liegt auf einem Friedhof in Modena im Norden Italiens begraben. Die Leichendiebe waren aber zu wenig schnell, die Polizei stiess per Zufall auf den widerlichen Plan, weil sie in einem anderen Fall gegen die Verbrecherbande ermittelte. Der berühmteste Fall einer Grabschändung ist wohl jener von Charlie Chaplin, dessen Leichnam 1978 in Vevey zwecks Erpressung eines Betrages von 600 000 Franken gestohlen wurde. Die Täter wurden schnell gefasst und Chaplins Leiche erneut beerdigt, diesmal geschützt von einer zwei Meter dicken Betonschicht.

Ein «e» zu viel oder nicht – Hauptsache Federer-Fan

Manuel Baier ist ein totaler Federer-Fan. Wie bitte? Ja, Sie haben schon Recht, von denen gibt es natürlich ganz, ganz viele. Aber Baier geht noch ein bisschen weiter: Nach dem diesjährigen Grand-Slam-Sieg des Schweizer Superstars in Australien entschloss sich der Österreicher zu einem Tattoo. Er liess sich nebst dem bekannten RF-Logo den inzwischen ebenso bekannten Selbstmotivationsruf von Roger Federer stechen. Federers Ausruf auf dem Court lautet jeweils: «Chum jetze!» Baiers Problem: Auf seinem Rücken steht: «Chume jetze». Also eigentlich ein «e» zu viel. ­Baier allerdings wehrt sich gegen das schadenfreudige Gelächter: «Das ist kein Fehler, man kann den Spruch auf verschiedene Arten schreiben.» Wir akzeptieren und sagen: Alles Roger, aber nächstes Mal besser Federer fragen.

Ein Bodycheck ohne Zweiminutenstrafe

Es war an einem Vormittag im vergangenen März, als ein Trickdieb in der Stadt Zug einer 87-jährigen Dame 200 Franken aus dem Portemonnaie fischte. Die Seniorin begann, um Hilfe zu rufen, und siehe da, der Retter war sofort zur Stelle: Denn zufällig war Marco Maurer, der Bieler Eishockeyprofi, der einst auch beim EV Zug spielte, in der Nähe und nahm die Verfolgung des Diebes auf. Einmal auf gleicher Höhe wie der Übeltäter, erinnerte sich Maurer an das, was er auf dem Eis gelernt hatte, und stoppte den Dieb mit einem klassischen Bodycheck. Für dieses Foul kassierte der 97 Kilo schwere und 189 Zentimeter grosse Hockey-Crack ausnahmsweise keine Zweiminutenstrafe.

Mit dem Fuss Gottes nach Südkorea

An den Olympischen Spielen in Süd­korea wird 2018 erstmals die Curling-Mixed-Disziplin gespielt. Ein Mann und eine Frau bilden zusammen eine Equipe. Für die Schweiz ist das Duo Martin Rios und Jenny Perret (Glarus/Biel) mit dabei. Zuvor gab es allerdings einen handfesten beziehungsweise fussfesten Skandal. In der Schweizer Ausscheidung eines entscheidenden Vorrundenspiels wurde Martin Rios nämlich vorgeworfen, den letzten Stein mit einer Fussbewegung manipuliert zu haben, sodass der scheinbar missratene Versuch doch noch in die richtige Richtung ging. Hatte Superfussballer Diego Maradona einst die Hand Gottes zu Hilfe genommen, scheint es für Rios im Curling der Fuss Gottes zu sein. An den Spielen in Südkorea schauen wir dann auf jeden Fall ganz genau hin.

Ein Kuchenstück, das 375 Pfund kostet

Als die englischen Fünftligafussballer des FC Sutton im Cup gegen die Londoner Stars von Arsenal antreten mussten, stand einer ganz besonders im Rampenlicht: nein, nicht der Schweizer Arsenal-National­spieler Granit Xhaka, sondern Suttons 150-Kilo-Mann Wayne Shaw (45), Ersatzgoalie, Torhütertrainer und Platzwart in einer Person. Obwohl Shaw gegen Arsenal wie geplant gar nicht zum Einsatz kam, sorgte er für die grosse Show, als er während des laufenden Spiels und nach dem dritten Spielerwechsel von Sutton ein Stück Kuchen, eine englische «Pie» eben, verzehrte. Schon zur Halbzeit hatte sich Shaw statt in die Teamkabine in die Stadionbar begeben, um sich mit Fans fotografieren zu lassen. Sutton verlor gegen ­Arsenal 0:2, aber zum Cup-Knall kam es erst einige Stunden später: als nämlich bekannt wurde, dass ein Buchmacher tatsächlich eine Wette angeboten hatte, der Ersatzgoalie von Sutton würde während des Spiels ein Kuchenstück essen ... Die Affäre sorgte in der britischen Presse als «Pie-Gate» für Schlagzeilen. Shaw musste 375 Pfund Busse zahlen und wurde für zwei Monate von allen fussballerischen Aktivitäten gesperrt.

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