Schlaflos zum Titel

BASKETBALL ⋅ Kevin Durant (28) hat sich seinen Kindheitstraum erfüllt. Nach vielen vergeblichen Anläufen krönt der Superstar seine NBA-Karriere mit dem Titel.
14. Juni 2017, 08:59

Mama Wanda war eilig auf das Spielfeld gestürmt. «Du hast es geschafft, schau mich an, du hast es geschafft», rief sie und zog Kevin Durant immer wieder am Kinnbart. Nach Jahren des Scheiterns, mal klar, mal knapp, hat der Superstar seinen ersten NBA-­Titel geholt. Der Wechsel zu den Golden State Warriors war der richtige Schritt, spätestens jetzt gibt es daran keinen Zweifel mehr. Durant hat es spät ins Ziel geschafft. Die vielen vergeblichen Anläufe haben Spuren hinterlassen, vor dem letztlich entscheidenden fünften Spiel der Final­serie gegen die Cleveland Cavaliers war der viermalige Topscorer der Liga ein seelisches Wrack.

«Ich konnte zwei Tage nicht schlafen. Ich war ängstlich, ich war nervös», sagte Durant nach dem 129:120 in eigener Halle in Oakland/Kalifornien, das den 4:1-Erfolg in der Best-of-seven-Serie besiegelte. «Wir waren heute wirklich gut», fügte er an, doch es sei schwierig gewesen: «Man muss den Hut vor Cleveland ziehen.»

LeBron James gratulierte als erster

Bei den Cavaliers, Gegner in den vergangenen drei Finals, war der Respekt genauso gross. LeBron James kam als erster Gratulant, der Star des Titelverteidigers umarmte Durant bei aller eigenen Enttäuschung herzlich. James stand zum siebten Mal nacheinander im Final, zum achten Mal insgesamt. Es bleibt vorerst bei drei Titeln.

Im Duell der beiden mit Abstand besten NBA-Teams, die vollkommen problemlos durch die Playoffs marschiert waren, stand James zu oft auf verlorenem Posten. Auch am Montag zeigte der 32-Jährige mit 41 Punkten, 13 Rebounds sowie 8 Assists eine überragende Leistung und beendete das NBA-Final als erster Spieler mit einem Triple-Double im Schnitt (33,6 Punkte/12,0 Rebounds/10,0 Assists). Es war nicht genug. Und so wurde diesmal Durant gefeiert. Mit Oklahoma City Thunder war «KD» immer wieder auf dem Weg zur Larry O’Brien Trophy gescheitert, die bitterste Enttäuschung war das Jahr 2012, als es in den Finals ein 1:4 gegen Miami Heat – und LeBron James – setzte. «Ich habe ihm gesagt: ‹Jetzt sind wir quitt›», meinte Durant, mit 39 Punkten bester Werfer seines Teams. An seiner Seite überzeugte auch Stephen Curry, bislang das Gesicht der Warriors, mit 34 Punkten und 10 Assists.

Eine Skibrille zum Schutz vor dem Champagner

Durant, achtmal NBA-Allstar, zweimal Olympiasieger, einmal Weltmeister, hat endlich die wichtigste Trophäe in der Hand. Natürlich wurde er als wertvollster Spieler (MVP) der Finals ausgezeichnet, und natürlich genoss er es, mit Champagner übergossen zu werden. «Ich wollte den Titel so sehr. Ich wollte die Champagnerdusche», sagte Durant, der zum Schutz gegen die Flüssigkeit eine Skibrille trug – das ist im US-Sport neuerdings so üblich.

Durant freute sich im Moment des grössten Triumphes am meisten für seine Mutter. «Sie hat gesehen, wie ich als Kind an mir gearbeitet habe. Sie hat gesehen, wie ich nach Niederlagen nach Hause gekommen bin, wie mich das mitgenommen hat», sagte er. Die Botschaft an die Mama war einfach: «Wir haben es geschafft. Das habe ich dir prophezeit, als ich acht Jahre alt war.»

Uli Schember (SID)

sport@luzernerzeitung.ch


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