Rolf Stallkamp lebt zweiten Basketballfrühling

BASKETBALL ⋅ Vor viereinhalb Jahren gab Rolf Stallkamp seinen Rücktritt vom Spitzensport. Nun geht der 38-Jährige mit Swiss Central Basketball unverhofft in der NLA wieder auf Korbjagd.
10. November 2017, 08:51

Manchmal fühle es sich surreal an, fast wie ein Traum. Rolf Stallkamp sitzt im Luzerner Café Parterre und lächelt. Dass alles kein Traum ist, spürt der 2-Meter-Mann jeweils nach dem Aufstehen, dann, wenn er am Abend zuvor in der Halle stand und mit dem NLA-Team von Swiss Central Basketball trainierte. «Der Körper schmerzt nicht nur mehr, er braucht auch deutlich länger, um sich zu erholen», erzählt er. Kein Wunder: Stallkamp ist nicht mehr 20 oder 25 Jahre alt, wie die meisten seiner Teamkollegen – sondern 38. Nächsten Monat feiert er seinen 39. Geburtstag. Auch das sei, so Stallkamp schmunzelnd, irgendwie surreal.

Vom Trainingspartner zum Mitspieler

Wie aber kommt es, dass der langjährige NLB-Spieler (STV Luzern, Swiss Central Basketball) nach seinem Rücktritt im Frühling 2013 nun auf einmal wieder auf dem Basketballfeld steht – und dort unlängst seine ersten NLA-Punkte überhaupt erzielte? Basketball hatte Stallkamp in den vergangenen vier Jahren schliesslich – wenn überhaupt – nur zum Spass beim Zweitligisten BC Buchrain-Ebikon gespielt.

Ein Grund für das unverhoffte Comeback in der höchsten Liga liegt in der dünnen Personaldecke der SCB-Equipe. Nachdem Anfang Saison gleich mehrere Spieler verletzt ausfielen, fehlten SCB-Coach Danijel Eric nicht nur an den Spielen, sondern auch im Training das nötige Personal. Diese Notsituation führte dazu, dass Stallkamp irgendwann einen Anruf von seinem langjährigen Freund und Basketball-Weggefährten erhielt. Danach führte eins zum anderen: Statt vor dem Fernseher verbrachte Stallkamp seine Feierabende in der Sporthalle. Und statt am Wochenende wandern zu gehen, reiste der leitende Psychologe des Luzerner Kantonsspitals fortan mit seinen Teamkollegen durch die Schweiz.

Wertvolle Erfahrung auf und neben dem Platz

Sein Debüt gab Rolf Stallkamp beim ersten SCB-Auswärtssieg vom 22. Oktober gegen die Starwings Regio Basel. Der gross gewachsene Flügelspieler nutzte seine acht Spielminuten optimal und warf vier Punkte (bei 2 von 3 Wurfversuchen). Ausserdem war bereits während seines ersten Einsatzes spürbar, dass Stallkamp seinem Team mehr bringt als nur ein paar Punkte. Als sein amerikanischer Teamkollege Eric Thompson (24; 2,03 m) nach einem Foulpfiff gegen den Schiedsrichter wetterte, war es der 38-jährige Neuzugang, der seinen Kameraden zu beruhigen wusste und ihn so vor einem «technischen Foul» bewahrte. Diese Qualitäten, die eben nur Spieler mit einer gewissen Erfahrung haben können, weiss auch Danijel Eric zu schätzen. «Rolf Stallkamp verfügt über wertvolle Erfahrung und hilft uns mit seiner besonnenen Art, auch in hektischen Situationen Ruhe zu bewahren – und das nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch auf der Spielerbank.»

Richtige Entscheidung getroffen

Wer mit Stallkamp spricht, der spürt, dass ihm das Comeback Freude bereitet. «Zuerst war ich unsicher – auch wegen meiner Rückenprobleme, die mich in der Vergangenheit vielfach plagten. Doch mittlerweile bin ich überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.» Auch sein Umfeld habe ihn darin bestärkt, das «Abenteuer NLA» zu wagen – 38 Jahre hin oder her. Nach der Bekanntgabe seines Comebacks habe er viele Gratulationen erhalten. Schade sei nur, dass er bisher nur in fremden Hallen hätte spielen können. Damit ist Schluss. Morgen Samstag läuft er gegen Pully-Lausanne erstmals in der heimischen Halle auf. «Ich kann es kaum erwarten», sagt Rolf Stallkamp. Spätestens am Sonntagmorgen wird er spüren, dass auch dieses Spiel kein Traum war.

Daniel Schriber

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Samstag. Programm (Maihofhalle, Luzern). Männer, NLA: Swiss Central – Pully-Lausanne (18.00). – U17 National: Swiss Central – Lugano (15.00). Vor dem NLA-Spiel Aufritt einer Trychler-Gruppe.


Leserkommentare

Anzeige: