Swiss Central begeistert zum Saisonstart

BASKETBALL ⋅ Swiss Central Basketball setzt zum Saisonstart ein kräftiges Ausrufezeichen. Der sensationelle Sieg gegen Vizemeister Neuchâtel ist nicht auf Einzelaktionen, sondern auf eine geschlossene Mannschaftsleistung zurückzuführen.

16. Oktober 2016, 07:56

Am Ende gab es für die rund 700 Zuschauer in der Maihofhalle kein Halten mehr. Minutenlang feierten sie auf den Ränge ihre Mannschaft – klatschend, jubelnd, stehend. Swiss Central Basketball (SCB) hatte im ersten Spiel der Saison soeben Vizemeister Union Neuchâtel bezwungen – und das begeisterte Publikum bedankte sich auf seine Weise. «Diese Kulisse zeigt, dass es in der Zentralschweiz Platz hat für Spitzenbasketball», kommentierte ein Journalist aus Neuenburg die Szene. Und natürlich wusste der Chronist auch, dass der Grund für die Freudentänze auf dem Spielfeld zu suchen ist. Dort standen die Spieler von Swiss Central _ verschwitzt, ausgelaugt, stolz. Cheftrainer Danijel Eric sprach von einem der «grössten Siege» der vergangenen Jahre.

«Traumstart in die Saison»

Selbst Captain Michael Plüss, ETH-Student, sonst eher ein ruhiger Typ, äusserte seine Freude nach Spielschluss ungewohnt unverblümt. «Das ist natürlich ein Traumstart in die Saison»,  so der 26-Jährige, der zum besten Spieler gewählt wurde.  Er sei «verdammt froh», dass es am Ende zum Sieg gereicht habe. «Wir haben in der Verteidigung gekämpft und in der heissen Phase cool geblieben», so Plüss.’ Fazit. Vielleicht ist es genau das, was dieses Team von der SCB-Truppe vom Vorjahr unterscheidet.

Als Neuchâtel – ein Team gespickt mit hochkarätigen Profis und mehreren Nationalspielern – gut fünf Minuten vor Schluss erstmals in Führung ging, schien der Startsieg nämlich tatsächlich auf der Kippe zu stehen. Es war Nationalspieler Brian Savoy, der sein Team mit einem Wurf von ausserhalb der Dreipunktemarke mit 50:46 in Führung brachte und SCB-Coach Danijel Eric zu einem Time-Out forcierte. Gut möglich, dass SCB auf einen solchen Lauf des Gegner in der vergangenen Saison keine Antwort gewusst hätte. Doch der letztjährige Aufsteiger hat aus seinen Erfahrungen (sprich: aus vielen Niederlagen) gelernt. Statt nervös zu werden, spielte die Heimmannschaft einfach ihr Spiel weiter. 

Kovacevic als Denker und Lenker

In eben diesem Spiel war es zumeist Nemanja Kovacevic, der als Spielmacher die Fäden zog und seine Mitspieler ein uns andere Mal ins Szene setzte. Kovacevic’ 12 Punkte sind solid, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Viel beeindruckender aber ist zu sehen, wie es dem Serben gelingt, das Spiel zu lenken und seine Teamkollegen teilweise so frei zu spielen, dass diese in aller Ruhe den Abschluss suchen können.

Kovacevic ist ein klassischer «Pass-first»-Spieler. Einer also, der viel lieber den Assist spielt, als selber zu punkten. Kovacevic unterscheidet sich damit diametral von seinem Vorgänger Richard Carter, der zwar regelmässig (starke) 30 Punkte erzielte, der dafür aber für seine Mitspieler weniger kreierte. Auf seine Rolle angesprochen, antwortete Nemanja Kovacevic nach Spielschluss lächelnd. «Das ist mein Job.» Wahrscheinlich ist es genau diese unspektakuläre, aber solide Art, welche diesen Neuzugang für SCB so wertvoll macht.

Brown erledigte die «Drecksarbeit»

Einen Star suchte man gestern auf dem Spielfeld vergebens. So abgedroschen es klingen mag: Gestern Abend war die Mannschaft der Star. SCB-Coach Danijel Eric setzte während des Spiels 10 verschiedene Spieler ein – eine Seltenheit im Basketball. Sieben Spieler punkteten zwischen 4 (Brown) und 14 (Veselinov) Punkten. Dass bei SCB jeder seine ganz persönliche Rolle hat, zeigt sich vielleicht am besten am Amerikaner Rhamel Brown. Der New Yorker erzielte nur gerade vier Punkte, trotzdem war er einer der besten Akteure. Der 2-Meter-Mann tat das, was man im Basketball die «Drecksarbeit», nennt. Er holte sich zahlreiche Abpraller vom Brett (Rebounds), setzte im Angriff starke Blöcke – und hielt in der Verteidigung die Zone unter dem SCB-Korb dicht.  Es sind «the little things», wie es Brown nach dem Spiel formulierte. Die kleinen Dinge. «Ich spiele nicht, um viele Punkte zu erzielen. Ich spiele, um zu gewinnen.» Spätestens seit gestern Abend weiss das auch der Rest der Schweizer Basketballkonkurrenz. 

Swiss Central Basket – Union Neuchâtel 61:53 (30:25)

Samstag, Maihof, Zuschauer: 700

Swiss Central: Plüss 10, Tomic, Güttinger, Domingos, Kovacevic 12, Morandi, Veselinov 14, Mandic 5, Lehmann 9, Stevanovic 7, Brown 4. – Coach: Eric / Popovic. 

Daniel Schriber

  • Neue Luzerner Zeitung AG
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