Vom Pausenplatz in die höchste Liga

SWISS CENTRAL BASKET ⋅ Michael Plüss und Ralph Güttinger haben schon in der Primarschule gemeinsam Körbe geworfen – manchmal sogar im tiefsten Winter. Dieses Jahr wollen die beiden Zuger in der NLA für Überraschungen sorgen.

11. Oktober 2016, 05:00

Als die Frage gestellt wird, wie eigentlich alles begonnen habe, sprudelt es nur so aus Michael Plüss und Ralph Güttinger heraus. Lachend berichten die beiden, wie sie als neun- oder zehnjährige Jungs auf dem Pausenplatz gemeinsam Bälle in den eigentlich noch viel zu hohen Korb warfen – und dabei des Öftern nur den Ring oder das Brett trafen.

Als Basketballer waren sie im Schulhaus Sunnegrund in Steinhausen aber nicht etwa Exoten – ganz im Gegenteil. «Basketball war das grosse Ding bei uns», erzählt Michael Plüss, der seine Karriere in der Mini-Mannschaft des örtlichen Vereins startete. «Wir wurden vom ehemaligen amerikanischen Profispieler David Speicher trainiert und kriegten einfach nicht genug von diesem Spiel.» Die beiden Freunde waren so sehr angefressen, dass sie sogar im Winter mit dem Basketball loszogen und den Sportplatz mit Handschuhen und Schaufeln vom Schnee befreiten, um anschliessend mit Wärmebeuteln in der Tasche zu spielen. «Tolle Zeiten», sagt Güttinger und lächelt. «Wir haben uns stets gegenseitig angespornt.»

Swiss Central Basket – Tor zum Spitzensport

Seit den ersten Korbwürfen in Steinhausen sind über 15 Jahre vergangen – Plüss und Güttinger sind heute 26 Jahre alt. Was sich nicht verändert hat, ist ihre Liebe zum Spiel. Nach Junioren-Jahren beim LK Zug wechselten Güttinger und Plüss im Jahr 2009 zu Swiss Central Basketball (SCB). Der Basketballstützpunkt, dem insgesamt acht Vereine angeschlossen sind, bildet für Talente aus der Zentralschweiz das Tor zum Spitzensport.

Auch die beiden Steinhauser liessen schon früh ihr Potenzial aufblitzen. 2010 führen sie die U-20-Mannschaft von Swiss Central zum Vizemeister-Titel. Zudem sammelten sie bereits als Juniorenspieler erste Erfahrungen in der NLB. Und schon kurze Zeit später gehören die beiden jungen Zuger zu den Führungsspielern ihres Teams. «Ich kann mich auf Ralph verlassen und weiss stets, wo er steht», sagt Plüss über seinen Mitspieler. «Ausserdem trifft er die wichtigen Würfe.» Und umgekehrt? «Michi gibt nicht auf und ist ein aussergewöhnlicher Kämpfer, der sich auch nicht zu schade ist, die ‹Drecksarbeit› zu erledigen. Von ihm könnten sich noch viele Spieler eine Scheibe abschneiden.»

Im vergangenen Jahr folgte schliesslich der bisherige Höhepunkt für die beiden: Als Captain und Co-Captain führten sie Swiss Central in die NLA. «Damit ging für uns ein Traum in Erfüllung», betont Plüss. Während der Basketballsport in der Schweiz vor ­allem in der Romandie populär ist, wünschten sich die beiden Zuger stets, irgendwann vor der Haustür in der höchsten Liga spielen zu können. «Dass wir das heute können, ist einfach genial», sagt auch Güttinger, der zwischen 2012 und 2014 bereits bei den Basel Starwings erstmals NLA-Luft geschnuppert hatte.

Regionale Spieler sind Trumpf

«Ralph und Michi repräsentieren genau das, wofür Swiss Central Basketball steht», sagt Norbert Valis, Sportchef Elite und SCB-Gründungsmitglied. «Die Förderung von talentierten und leistungswilligen Spielern aus der Region steht bei uns ganz oben auf der Prioritätenliste.» Dass das keine leeren Worthülsen sind, beweist ein Blick auf die aktuelle Kaderliste der NLA-Mannschaft. Der grosse Teil der Spieler stammt aus der Zentralschweiz.

Und weil SCB auch dieses Jahr finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, kommt den einheimischen Spielern eine besonders wichtige Rolle zu. Fakt ist nämlich: Sämtliche NLA-Teams treten in der kommenden Saison mit mindestens drei, die meisten sogar mit vier ausländischen Profis an. Bei SCB sind es nur deren zwei; der serbische Spielmacher Nemanja Kovacevic und US-Center Rhamel Brown. «Ein dritter Profi ist für uns aus finanziellen Gründen im Moment unrealistisch», betont Valis.

Frustriert sind Michael Plüss und Ralph Güttinger deswegen nicht – stattdessen sehen sie sogar die positiven Seiten eines begrenzten Budgets: «In anderen Teams sind die Schweizer Spieler nur allzu häufig Statisten», weiss Güttinger. «Bei SCB haben wir die Chance, selber Verantwortung zu übernehmen.» Das schätzt auch Michael Plüss – und vielleicht ist genau das auch einer der Gründe, weshalb der ETH-Student in der Vergangenheit schon mehrere (lukrativere) Konkurrenzangebote aus der NLA ablehnte. «Ich fühle mich ganz einfach wohl bei Swiss Central.»

Am kommenden Samstag (18.00, Maihof) starten Plüss und Güttinger mit ihrem Team in die neue NLA-Saison. Klar ist: Auch das zweite Jahr in der höchsten Liga wird für Swiss Central nicht einfach. Es ist auch dieses Jahr davon auszugehen, dass sich die Teams aus der welschen Schweiz und dem Tessin den Meistertitel unter sich ausmachen werden. Die Favoritenrolle gebührt dabei dem Titelverteidiger und Cupsieger Fribourg Olympic. Jenem Team also, bei dem derzeit mit Stan Leemans ein weiterer Zuger und ehemaliger SCB-Junior unter Vertrag steht.

In vergangenen Jahren viel Lehrgeld bezahlt

Swiss Central hingegen dürfte in der zweiten Tabellenhälfte mit Teams wie Basel, Winterthur, Massagno, Boncourt und Aufsteiger Lausanne um die verbleibenden Playoff-Plätze kämpfen. Zu diesem Ziel sagen beide: «Hart, aber möglich.» Das bestätigten auch die guten Leistungen in der Vorbereitungsphase, wie zuletzt gegen die Spitzenmannschaft der Lugano Tigers (68:80). Swiss Central hätte in der vergangenen Saison viel Lehrgeld bezahlt, so Michael Plüss. «Das hat uns aber auch stärker gemacht und noch mehr zusammengeschweisst.» Ganz so wie damals, auf dem schneebedeckten Sportplatz in Steinhausen.

Cheftrainer: Danijel Eric. – Assistent: Veljko Ilic.

Kader: Branko Tomic (Sz/1996/2,00 m). Ralph Guttinger (1990/1,86 m). Moritz Imgruth (1996/1,83 m). Jérôme Domingos (1997/1,93 m). Nemanja Kovacevic (SRB/ 1985/1,94 m). Sebastiano Morandi (1989/ 1,76 m). Luka Mandic (1996/2,05 m). Rhamel Brown (USA/1992/2,01 m). Michael Pluss (Sz/1990/1,88 m). Nikola Stevanovic (1992/1,93 m). Elias Wechsler (1994/1,98 m). Ivo Volic (1992/1,96 m). Thomas Fankhauser (1999/1,88 m). Toni Rocak (1999/1,95 m).

Hinweis

Männer, NLA, 1. Spieltag. Samstag: Swiss Central Basket - Union Neuchâtel (18.00, Maihof).

Daniel Schriberregionalsport@luzernerzeitung.ch


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