Diack und Moskau sollen Vergangenheit sein

LEICHTATHLETIK ⋅ Nach den Machenschaften von Lamine Diack und dem Skandal in Russland will der Leichtathletik-Weltverband auf seinem Sonderkongress in Monaco mit einem Reformpaket den Weg aus der Krise finden.

30. November 2016, 14:32

"Wir müssen akzeptieren, dass die Reputation der IAAF und der Leichtathletik durch die Ereignisse, die ans Tageslicht gekommen sind, getrübt wurde", schreibt IAAF-Präsident Sebastian Coe im Vorwort des Reformkonzepts, über das am Samstag auf dem Kongress verhandelt und abgestimmt wird. Auslöser für die Erneuerung sind der Korruptionsskandal um den Ex-Präsidenten Lamine Diack und der weitreichende Doping-Skandal in Russland.

"Ich weiss, dass es wirklich einen Appetit auf Veränderung gibt. Veränderungen kreieren Vertrauen", sagte Coe. "Und mit der Veränderung wird das Vertrauen in die sauberen Athleten zurückkehren."

Die IAAF erarbeitet eine Grundlage für eine Zukunft, in der mafiöse Zustände in der IAAF-Führung wie zu Zeiten von Lamine Diack aus dem Senegal nicht mehr möglich sein sollen. Instrumente hierfür sind neue Statuten, Machtkontrolle, Transparenz und die Einhaltung der ethischen Werte.

Zu den Eckpfeilern gehört, dass das bisher allmächtige Council sich nur noch um sportliche Belange kümmern und ein neues Exekutive Board für die wirtschaftlichen Angelegenheiten verantwortlich sein wird. Dadurch soll auch die Macht des Präsidenten, dessen Amtszeit auf zwölf Jahre begrenzt wird, beschränkt werden. Ausserdem ist der Präsident nicht mehr unmittelbar den hauptamtlichen Mitgliedern gegenüber weisungsbefugt. Diese Aufgabe übernimmt ein Geschäftsführer. Die Vergabe von Geldern durch den Präsidenten - wie unter Diack - wird damit unterbunden.

Das Führungspersonal der IAAF muss sich zudem zukünftig einem Integritätscheck durch eine Kommission ("Vetting Commission") stellen. Zudem soll eine "Athletics Integrity Unit" die Anti-Doping-Massnahmen der IAAF - von den Kontrollen bis zur Untersuchung und Verfolgung von Verstössen gegen die Regeln - übernehmen.

Auf Widerstand gestossen ist das Vorhaben von Coe, die vollständige Gleichberechtigung in den Führungsgremien der IAAF schon bis 2019 herzustellen. Jetzt sollen bis 2027 jeweils die Hälfte der Vizepräsidenten sowie 13 von 26 Council-Mitgliedern Frauen sein. Durch diesen erst in den vergangenen Wochen gefundenen Kompromiss wurde es nötig, auf dem Kongress vom Samstag zwei Satzungen zu verabschieden: Eine die am 1. Januar 2017 in Kraft tritt und übergangsweise bis Ende 2018 gültig ist. Danach wird sie von Satzung II abgelöst, die die entsprechenden Frauen-Regeln enthält.

"Ich möchte, dass unsere Satzung ein lebendes Dokument ist", sagte Coe. "Eines, das uns führt und lenkt und der Welt deutlich macht, für was wir stehen und nicht, dass wir auf einem verstaubten Regal sitzen bleiben."

Fraglich ist, ob die strukturelle Veränderung auch dem nicht unumstrittenen Coe, der jahrelang unter Diack Vizepräsident war und nichts von dessen Machenschaften mitbekommen haben wollte, Rehabilitation verschafft. (sda)


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