Kopf des Tages

Schillernde Figur verliert an Glanz

ABSCHIED ⋅ Der Brite Mo Farah bringt die Zuschauer an der WM in London zum Toben. Am Samstag kann er nun seine letzte Goldmedaille auf der Bahn gewinnen.
11. August 2017, 07:50

Am Samstag wird das Olympiastadion von London noch einmal beben. Dann steht Mo Farah am Start und kämpft über 5000 m um seine zweite Goldmedaille an diesem Grossanlass. Den Titel über die doppelte Distanz hat er am vergangenen Wochenende bereits verteidigt. Kaum einer der 60000 Zuschauer blieb bei seinem Auftritt sitzen. Es wurde gestampft, geklatscht, geschrien. Der 34-jährige Brite ist eine der wenigen schillernden Figuren der Leichtathletik. Das Herz der Zuschauer eroberte der Läufer, der in Somalia auf die Welt kam und als Kind nach Grossbritannien emigrierte, an den Olympischen Spielen in London vor fünf Jahren. Damals sicherte er sich das erste Mal an einem internationalen Grossanlass zwei Gold­medaillen.

Sein Schlusssprint inspirierte die Anhänger später zu einem Internetphänomen. Unter dem Namen «Mo Farah Running Away From Things» kursierten zahlreiche Fotomontagen, auf denen der Läufer mit aufgerissenen Augen und ausgebreiteten Armen vor Dinosauriern oder Horrorclowns davon­rannte. Auch in den Jahren danach konnten ihm die Gegner nicht folgen. Nicht nur von der WM in Moskau und Peking, auch von den letztjährigen Olympischen Spielen in Rio de Janeiro reiste er mit zwei Goldmedaillen nach Hause. Und am vergangenen Wochen­- ende setzte er sich in London zum zehnten Mal in Serie an einem globalen Grossanlass durch. Doch das Image von Mo Farah hat zuletzt an Glanz verloren. Gegen seinen Trainer Alberto Salazar wurden Dopingverdächtigungen laut. Beweise gegen ihn oder seinen Schützling gab es bisher jedoch keine. «Ich habe es satt, mich immer wiederholen zu müssen. Ich glaube an den sauberen Sport», sagte Farah kürzlich. Im Stadion merkt man von den Zweifeln nichts. Die Zuschauer feiern ihn. Schliesslich ist Mo Farah wie Usain Bolt auf der Abschiedstournee. Bei Weltklasse Zürich am 24. August wird er das letzte Mal auf der Bahn starten. Danach konzentriert er sich auf den Marathon.

 

Raya Badraun, London


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