Ross Brawn: «Wir müssen die Sicherheit verbessern»

FORMEL 1 ⋅ Dank seinem Sieg in Brasilien greift Sebastian Vettel nach der Vizemeisterschaft. Mehr zu reden gab allerdings die Sicherheitslage rund um das Rennen in São Paulo.
13. November 2017, 07:55

Der erste Sieg seit 105 Tagen liess Sebastian Vettel sogar den bohrenden WM-Schmerz für eine Weile vergessen. Der Ferrari-Pilot sang die italienische Hymne mit, er warf breit grinsend seinen Siegerpokal in die Höhe und sprach mit sich überschlagender Stimme über diesen erlösenden Triumph in Brasilien. «Das ist eine grosse Erleichterung, es liegen harte Wochen und Monate hinter uns», sagte er: «Aber das gibt uns ein bisschen zurück.»

Zwei Wochen nach der endgültigen Niederlage im WM- Duell mit Lewis Hamilton zeigte Vettel in São Paulo Stärke – und greift nun beim Saisonfinale in Abu Dhabi (26. November) nach seiner ersten Vizeweltmeisterschaft mit Ferrari. Der Deutsche gewann vor seinem Kontrahenten Valtteri Bottas im Mercedes und hat nun 22 Punkte Vorsprung auf den Gesamtdritten.

Mit Massa verabschiedet sich der letzte Brasilianer

Weltmeister Hamilton im Mercedes konnte in den Kampf um den Sieg trotz einer eindrucksvollen Aufholjagd vom letzten auf den vierten Rang am Ende nicht mehr eingreifen. «Es hat trotzdem Spass gemacht», sagte er bei Sky: «Es hat mich ein wenig an meine Kart-Zeiten erinnert. Ich habe gestern einen riesigen Fehler gemacht und wollte das heute wiedergutmachen.» Der Brite war im Qualifying nach einem Unfall früh ausgeschieden, wechselte daraufhin verschiedene Motorenteile und startete aus der Box. Kimi Räikkönen wurde am Ende Dritter.

Felipe Massa schloss sein letztes Heimrennen in der Formel 1 auf dem siebten Platz ab und wurde anschliessend auf dem Podium von seinen Fans gefeiert. Der 36-Jährige beendet nach der Saison seine Karriere, damit wird im kommenden Jahr erstmals seit 1969 kein Brasilianer in der Formel 1 starten.

Ein Dauerthema rund um das Rennen war die erneut fehlende Sicherheit am Autodromo José Carlos Pace. Am Freitagabend waren Teammitglieder von Mercedes auf der Fahrt ins Hotel mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt worden, Vertreter des Weltverbandes FIA entkamen nur dank ihres gepanzerten Autos einem Überfall. Vor allem Hamilton legte den Finger in die Wunde. «So etwas passiert hier in jedem einzelnen Jahr», sagte der Brite: «Die Formel 1 und die Teams müssen mehr tun, es gibt keine Entschuldigungen!» Die Frage, ob das ohnehin wackelnde Rennen in São Paulo angesichts der Sicherheitslage in Zukunft noch tragbar ist, wurde am Wochen­ende häufig gestellt. Formel-1-Sport­chef Ross Brawn will allerdings für den Grand Prix in Brasilien kämpfen: «Wir müssen die Sicherheit verbessern. Es ist ein fantastisches Rennen, wir müssen einen Weg finden.»

Hamiltons Aufholjagd endet hinter Räikkönen

2017 zumindest sah Interlagos eine unterhaltsame Vorstellung. Gleich am Start übernahm Vettel die Führung von Bottas. Wegen mehrerer Kollisionen auf dem ersten Kilometer kam dann das Safety Car zum Einsatz. Nach dem Restart hielt Vettel die Führung vor Bottas und Räikkönen. Von ganz hinten pflügte Hamilton durchs Feld, schon nach 15 Runden lag er auf dem siebten Rang, nach 21 Runden war er Fünfter. Auf dieser Position lag Hamilton auch nach seinem späten Boxenstopp in Runde 42 von 71. Zwölf Runden vor Schluss war er an Verstappen vorbei, fünf Runden vor Schluss hing er Räikkönen am Heck – konnte diesen aber nicht mehr überholen.

Erneut ohne Punkte blieb das Fahrer-Duo des Teams Sauber. Marcus Ericsson und Pascal Wehrlein belegten mit einer Runde Rückstand die Plätze 13 und 14.

 

Thomas Weitekamp (SID)

sport@luzernerzeitung.ch

GP Brasilien

São Paulo. (71 Runden à 4,309 km/305,909 km): 1. Vettel (GER), Ferrari, 1:31:26,260 (201,698 km/h). 2. Bottas (FIN), Mercedes, 2,762 zurück. 3. Räikkönen (FIN), Ferrari, 4,600. 4. Hamilton (GBR), Mercedes, 5,468. 5. Verstappen (NED), Red Bull-Renault, 32,940. 6. Ricciardo (AUS), Red Bull-Renault, 48,691. 7. Massa (BRA), Williams-Mercedes, 68,882. 8. Alonso (ESP), McLaren-Honda, 69,363. 9. Perez (MEX), Force India-Mercedes, 69,500. 10. eine Runde zurück: Hülkenberg (GER), Renault. 11. Sainz (ESP), Renault. 12. Gasly (FRA), Toro Rosso-Renault. 13. Ericsson (SWE), Sauber-Ferrari. 14. Wehrlein (GER), Sauber-Ferrari. 15.* zwei Runden zurück: Grosjean (FRA/SUI), Haas-Ferrari. 16. Stroll (CAN), Williams-Mercedes. – * 10 Sekunden Zuschlag (Kollision mit Ocon). – 20 Fahrer gestartet, 16 klassiert und am Ziel. – Ausfälle: Ocon (1. Runde/Startplatz 10): Kollision mit Grosjean. Vandoorne (1./12): Kollision mit Magnussen. Magnussen (1./13): Kollision mit Vandoorne. Hartley (41./15. Platz): Motor.

WM-Stand (19/20). Fahrer: 1. Hamilton 345 (stand schon als Weltmeister fest). 2. Vettel 302. 3. Bottas 280. 4. Ricciardo 200. 5. Räikkönen 193. 6. Verstappen 158. 7. Perez 94. 8. Ocon 83. 9. Sainz 54. 10. Massa 42. 11. Stroll 40. 12. Hülkenberg 35. 13. Grosjean 28. 14. Magnussen 19. 15. Alonso 15. 16. Vandoorne 13. 17. Palmer 8. 18. Wehrlein 5. 19. Kwjat 5. – Teams: 1. Mercedes 625 (stand schon als Weltmeister fest). 2. Ferrari 495. 3. Red Bull 358. 4. Force India 177. 5. Williams 82. 6. Toro Rosso 53. 7. Renault 49. 8. Haas 47. 9. McLaren 28. 10. Sauber 5.


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