«Das macht alles keinen Sinn»

VOLLEYBALL ⋅ Der freiwillige Abstieg des Frauenteams von Volley Top Luzern in die NLB sorgt für Diskussionen. Auch ein ehemaliger Luzerner Meistertrainer übt harsche Kritik.
12. März 2017, 08:46

Theres Bühlmann

theres.buehlmann@luzernerzeitung.ch

Max Meier ist ein profunder Kenner der Volleyballszene. Der heute 64-Jährige trainierte einst das Frauen-Nationalteam und feierte mit dem BTV Luzern Cupsiege und Meistertitel, war zuständig für die regionale Innerschweizer Talent School und betreut heute die Beach Talents Lido Luzern. Als aufmerksamer Zuschauer verfolgte Meier oft die Spiele von Volley Top Luzern und zeigt sich enttäuscht vom freiwilligen Rückzug des NLA-Frauenteams in die NLB (siehe Ausgabe vom 2. März). Die finanzielle Situation lässt es nicht mehr zu, in Zukunft zwei NLA-Teams zu unterhalten. So bleiben einzig die Männer in der obersten Liga. Zu Beginn der Saison wurde das Budget von Volley Top Luzern für beide NLA-­Teams mit 350000 Franken kommuniziert.

«Da wenden die Spielerinnen viele Trainingsstunden auf, sind mit grossem Engagement dabei, und dann kommt so ein Hammerschlag», sagt Meier. Auch als Sponsor hätte er erwartet, von den Verantwortlichen vor dem definitiven Entscheid in Kenntnis gesetzt zu werden: «Ich habe vom Rückzug erst am Tag der Pressemitteilung erfahren.»

Kritischer Blick auf die Trainerarbeit

Die Frauen werden seit 2015 von Dario Bettello trainiert, dessen Vertrag wird mit dem Rückzug auf Ende der laufenden Saison aufgelöst. Die Mannschaft hat zweifellos Fortschritte gemacht, doch Max Meier sieht die Arbeit des Trainers auch mit einem kritischen Auge. «Manchmal konnte ich seine Aufstellungen und die zu zögerlichen Auswechslungen nicht nachvollziehen. Wenn man Erfolg haben will, muss man als Coach auch Risiken eingehen und kämpferisch sein.»

Ebenfalls nicht nachvollziehen kann Meier die Tatsache, dass mit Taylor Milton eine weitere Ausländerin engagiert wurde. «Dies hatte zur Folge, dass Mirjana Blazevic auf der für sie ungewohnten Position als Libera agieren musste. Da wurde grosses Potenzial falsch eingesetzt», hält Meier fest, der die meisten jungen Spielerinnen dereinst selbst trainierte oder im Beach-Volleybereich nach wie vor tut.

Auch hinter die nächstjährige NLB-Mannschaft setzt Meier ein Fragezeichen. Der Verein verfügt über viele junge und talentierte Spielerinnen aus der Region, wie zum Beispiel Marjana Blazevic, Korina Perkovac, Marija Smiljkovic oder Vera Bachmann, um nur ­einige zu nennen. «Diese Spielerinnen besitzen das Potenzial, um in der obersten Liga zu spielen. Wenn sie ein Angebot von einem NLA-Verein bekommen, werden sie zugreifen.» Dieses Szenario gilt auch für weitere Akteurinnen in den Luzerner Reihen.

Finanzen bleiben wohl immer ein Problem

Das geplante NLB-Team will mit Volley Luzern Nachwuchs zusammenarbeiten. «Sollte diese NLB-Equipe in drei oder vier Jahren den Aufstieg schaffen, würde eine Promotion wohl wieder an den Finanzen scheitern. Das macht doch alles keinen Sinn», moniert Max Meier.

Sie sei tief enttäuscht über diesen Rückzug, sagte eine Spielerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Auch der Sarner Christian Ruff (49), der Trainer des Innerschweizer U15-Auswahlteams (SAR C) bedauert diesen Abstieg. Marjana Blazevic, Vera Bachmann und Esther Rohrer holten unter seiner Leitung in der Saison 2009/10 an der Schweizer Meisterschaft Platz 2 und wurden dann eine Stufe höher (SAR B) unter Max Meier Schweizer Meister, bevor sie in die Talent School integriert wurden. «Wir haben sie bis Stufe NLA ausgebildet», sagte Christian Ruff. Dazu haben auch verschiedene Vereinstrainer einen grossen Beitrag geleistet. «Wenn diese Spielerinnen unserer Region nun verloren gehen, war unsere Arbeit fast umsonst.»

Volley Top Luzern spielte gestern Abend gegen Düdingen, jenes Team, das Dario Bettello in dieser Woche als neuen Trainer vorstellte. Heute Sonntag steht gegen Lugano (16.30, Bahnhofhalle) das letzte Qualifikationsspiel an. Anschliessend folgen noch gegen den gleichen Gegner die Playouts. Und dann ist für das NLA-Frauenteam von Volley Top Luzern endgültig Lichterlöschen in der Bahnhofhalle.


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