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Hefti Zweiter in St. Moritz

BOB ⋅ Beat Hefti und Anschieber Alex Baumann fahren beim Weltcup-Rennen mit dem Zweierbob in St. Moritz auf den zweiten Platz.

Die Schweizer verloren 17 Hundertstelsekunden auf den erfolgreichen Letten Oskars Melbardis. Ex-aequo mit Hefti/Baumann klassierte sich ein zweiter Lette, Ugis Zalims, ebenfalls auf Rang zwei. Der zweite Schweizer Bob mit Rico Peter und Janne Bror van der Zijde beendete den Wettkampf mit 0,92 Sekunden Rückstand auf dem siebten Platz.

Hefti musste durch dieses Ergebnis die Führung im Zweier-Weltcup abgeben, er liegt aber nach fünf von acht Stationen nur zwei Punkte hinter Leader Melbardis. Es kündigt sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen diesen beiden Piloten an.

Am Sonntag findet in St. Moritz noch das Vierer-Rennen statt (ab 10 Uhr). Hefti wird diesen Wettkampf mit Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig und Siebenkämpferin Linda Züblin bestreiten. Diese Aktion ist auch ein Protest.

Der Weltverband FIBT macht sich in dieser Saison einen Sport daraus, am Regelwerk zu schrauben. Im Herbst hat er bekannt gegeben, dass neu auch Frauen für Viererbob-Rennen zugelassen sind. Und vor eineinhalb Wochen hiess es, dass ein Bob-Pilot während einer Saison mit beiden Schlitten (Zweier und Vierer) Wettkämpfe absolviert haben müsse, um für seine Nation immer noch Punkte sammeln zu können für das Quotenplatz-Ranking.

Von der zweiten Änderung war besonders Beat Hefti betroffen. Der Appenzeller hatte eigentlich im Sinn gehabt, in diesem Winter nur mit dem Zweier an Rennen teilzunehmen. Die Modifikation des Reglements zwingt ihn nun aber, einmal in dieser Saison mit dem grossen Schlitten anzutreten. Würde er dies nicht tun, würde die Schweiz wahrscheinlich so viele Punkte im Quotenplatz-Ranking verlieren, dass sie 2015/16 im Weltcup nur noch einen Steuermann stellen könnte. Ein Spitzen-Pilot - Hefti oder Rico Peter - würde auf höchstem Niveau überzählig werden.

Hefti hat sich entschlossen, die neue Vorgabe zu erfüllen. Er tut dies aber nicht so, wie es sich die FIBT wahrscheinlich vorstellt. Hefti hat für den geforderten Vierer-Einsatz mit Nicola Spirig und Linda Züblin zwei Frauen aufgeboten, die mit dem Bobsport bisher kaum in Berührung gekommen sind. Er sagt: "Es ist auf die Schnelle nicht möglich gewesen, zwei starke männliche Anschieber aufzutreiben. Mir war von Anfang an klar, dass ich am Sonntag mit einem zusammengewürfelten Vierer-Team antreten muss. Die Aussichten auf ein Top-Resultat wären so oder so gering gewesen. Deshalb haben wir uns etwas Ungewöhnliches einfallen lassen."

Hefti verfolgt mit dieser Aktion verschiedene Interessen. Er will gegen den Weltverband protestieren, der künftig nicht mehr kurzfristig das Regelwerk anpassen soll. Er will die Aufmerksamkeit der Medien. Und er will aufzeigen, dass der Schweizer Bobsport unter einem Nachwuchs-Problem leidet und nur noch auf wenige Weltcup-taugliche Anschieber zurückgreifen kann. Hefti glaubt, mit Spirig und Züblin die notwendige Publicity zu erhalten, um seine Botschaften in der Öffentlichkeit platzieren zu können. Eine gewisse Aufmerksamkeit war ihm bereits im Training gewiss.

Der Schlussrang am Sonntag wird nebensächlich sein. Hefti muss lediglich mit kompletter Besatzung im Ziel ankommen und im Klassement erscheinen, damit er sich die fürs Quotenplatz-Ranking relevanten Punkte sichern kann. Primär gilt es zu verhindern, dass die beiden Frauen am Start beim Einsteigen stürzen und so das Mixed-Team am Ende disqualifiziert werden müsste.

Die Zeiten in den einzigen zwei Trainings waren erwartungsgemäss schwach. Im besseren Lauf fehlten zur Spitze rund dreieinhalb Sekunden. Am Start gingen neun Zehntel verloren.

Dass Hefti Spirig und Züblin ausgewählt hat, ist kein Zufall. Die beiden Frauen haben einen Sponsor, der auch Hefti/Baumann unterstützt. Spirig musste nicht gross umdisponieren, weil sie gegenwärtig sowieso im Engadin im Höhentraining weilt. Und Züblin konnte es sich gut einrichten.

An Heftis Aktion finden nicht alle aus der Bob-Szene Gefallen. Die Kritiker rümpfen die Nase, weil sie das Ganze für einen PR-Gag halten und die Glaubwürdigkeit des Bobsports bedroht sehen. Hefti lässt diese Kritik kalt. Der eigenwillige Modellathlet hat sich sowieso noch selten darum gekümmert, was andere denken. Er geht kompromisslos einen Weg, der ihm auch schon viel Erfolg beschert hat. (Si)

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