Giulia Steingruber erfüllte sich einen Traum

KUNSTTURNEN ⋅ Knapp neun Monate nach ihrer Operation am rechten Fussgelenk gewinnt Giulia Steingruber an den Weltmeisterschaften in Montreal mit Bronze am Sprung eine WM-Medaille - als zweite Schweizerin überhaupt.
08. Oktober 2017, 07:01

Überglücklich aber müde äusserte sich Steingruber nach dem Wettkampf zu ihrem eindrucksvollen Comeback auf der internationalen Bühne.

Giulia Steingruber, vor knapp neun Monaten waren Sie am Fuss operiert worden, nun gewannen Sie hier in Montreal WM-Bronze am Sprung. Mit dieser Medaille haben wohl auch Sie kaum gerechnet?

"Nein, wirklich nicht, es ist unbeschreiblich. Ich habe Hühnerhaut, es fühlt sich an, als fliege alles an mir vorbei. Das Gefühl ist wunderschön."

Wie haben Sie den Wettkampf erlebt?

"Ich musste als Erste starten und war sehr nervös. Die Sprünge waren nicht optimal. Das Zittern danach war aber der absolute Horror. Die Russen haben mich fast ausgelacht, weil ich so rumgetigert bin. Ich musste bis am Schluss zittern, weil ich wusste, dass die Japanerin dasselbe Programm zeigt wie ich."

Sie haben nach drei EM-Titeln am Sprung und Olympia-Bronze nun auch eine WM-Medaille gewonnen. Hat diese nach der Vorgeschichte auf diese WM einen besonderen Wert?

"Die Medaille bedeutet mir sehr, sehr viel, sie ist eine mega Belohnung. Es macht mich extrem stolz, dass ich so zurückkommen konnte, obwohl ich noch nicht hundert Prozent fit bin. Dass es trotzdem zu einer Medaille gereicht hat, ist umso schöner."

Gab es nach Ihrer Operation jemals Zweifel, dass Sie bereits in Montreal wieder dieses Niveau erreichen oder dass sie in Kanada überhaupt starten können?

"An einer Teilnahme zweifelte ich nicht, nachdem ich wieder Wettkämpfe bestritten hatte. Aber es gab Zweifel, ob ich wirklich das zeigen kann, was ich möchte. Als Sportler möchte man immer sein Bestes geben. Aber ich kann mich nicht beklagen. Es ist super aufgegangen, das macht mich glücklich."

Sie haben hier in Montreal drei Wettkämpfe bestritten, sind ohne Sturz durchgekommen und holten Bronze am Sprung. Müssen Sie sich selbst kneifen?

"Hätte mir das jemand vor dem Sprungfinal gesagt, hätte ich wohl schmunzeln müssen. Es war ein Hin und Her. In Rio hatte ich in einem ähnlichen Feld Bronze geholt, aber da war ja auch meine Verletzung. Ich hatte sehr viel Glück, aber jetzt ist es umso schöner. Es ist ein riesiger Traum, der in Erfüllung geht."

Der Schlüssel zum Erfolg war der Jurtschenko mit der Doppelschraube, den Sie in der Vorbereitung kaum trainieren konnten.

"Ich habe die Doppelschraube vor dem Final nicht eingeturnt, sondern nur die einfache Schraube - wie bereits in der Qualifikation. Im Wettkampf bin ich viel fokussierter, dann bin ich da. Es ist zum Glück gut aufgegangen. Aber ich weiss, dass ich es noch besser machen kann." (sda)


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